Ergänzung zu „Wider dem Deutschlandwahn“

hach jetzt hab ich doch die Stellungnahme von dem Vorsitzende der Linksfraktion.PDS im Sächsischen Landtag, Prof. Dr. Peter Porsch zu dem „skandalösen“ Aufruf von Julia Bonk, Deutschlandfahnen gegen Anti-Nazi-Tshirts kostenlos einzutauschen gefunden…

Her Porsch stellt gütig fest, dass „als Linke die übertriebene Kommerzialisierung des Fußballs“ kritisieren kann udn auch dürfte, vielen Dank Herr Porsch…
Jedoch ist er der Überzeugung, dass „die Fahnen aber stehen für die nichtkommerzielle Komponente der Weltmeisterschaft“ würden und wohl somit genau den Geschmack der Linkspartei zu treffen scheinen, denn der Schluss scheint bei dieser Argumentation zu sein:
Was unkommerziell ist, ist gut.


Deutsche Fans feiern…

„Wer Schwarz-Rot-Gold angreift, muss im Übrigen wissen, dass diese Farben von Anfang an Verfassungsstaat und Emanzipation von Willkürherrschaft von Dynastien symbolisierten, wohlweislich haben deshalb die Nazis diese Farben nie verwendet.“

Dies ist mein persönlicher Lieblingssatz.
Er wäre geradezu witzig, wenn er nicht einen breiten Konsens der deutschen Gesellschaft widerspiegeln würde.
Denn Schwarz-Rot-Gold als Zeichen gegen „Emanzipation“ und „Willkürherrschaft von Dynastien“ sind der blanke Hohn.
Denn die Farben schwarz-rot-gold erlangten ihre „Derühmtheit“ zuerst durch die Burschenschaft, speziell die Urburschenschaft an der Universität Jena, und wer der Überzeugung ist Burschenschaft, also reaktionären Männerbünden, emanzipatorisches Streben zuzuschreiben, der zeigt eher „weltfremde Arroganz“.
Verwiesen sei auf den guten Artikel von der Gruppe Antifa Aktion&Kritik, welcher am Ende dieses Artikels angehängt ist und im Reader der Gruppen Antifa Aktion & Kritik, redical M, A.L.I. und Gruppe Gegenstrom, sowie von EInzelpersonen „Werte, Wichs und Waffenbrüder“ zu finden ist.

Herr Porsch ist aber auch sehr klug und weiß uns mitzuteilen, dass wer „glaubwürdig gegen Fremdenfeindlichkeit auftreten“ will, nicht gleichzeitig „Symbole der eigenen Kultur hassen“ dürfe und stellt in den Raum „Dieser umgekehrte Nationalismus erreicht das Gegenteil von dem, was er als Ziel vorgibt“.“.
Dies wird nicht näher erläutert und man darf sich fragen was Herr Porsch will, mit der Fahne der BRD gegen die NPD demonstrieren, oder patriotisch und/oder nationalistisch agieren ohne sich jeder Kontinuität in Deutschland zu beachten und 1945 als „den Neuginn“ zu betracht, ab welchem in der BRD alles gut ist (außer das manches zu kommerziell zu sein scheint…).

Gute Vergleiche hat Herr Porsch auch immer parat „Ganz davon abgesehen, dass jeder Fußballverein eigene Fahnen hat, und die politische Losung, Fußballfahnen aus dem Verkehr ziehen zu wollen, von weltfremder Arroganz zeugt.“.
AHA sprich eine Fahne eines Fußballvereins hat die gleiche politische Tragweite wie die Fahne des Staates Deutschland.
Davon abgesehen scheint dem „netten“ Herrn bis jetzt noch nicht aufgefallen zu sein, dass auch im NS der Sport politisch geschickt eingesetzt wurde, der DFB seit jeher eine mehr als fragwürdige spielt und gespielt hat und in vielen Regionalligen Rassismus, Antisemitismus und Sexismus zum Alltag gehören, und somit auch die Fahne eines so auftretenden Fans ein politisches Gehalt erhält.
Nicht umsonst reagieren viele rechtsgesinnte Fußballfans äußerst agressiv auf Fans des Fc St. Pauli.

Schlussendlich klärt uns Porsch darüber auf, dass die „Linksfraktion.PDS und die ihr angehörenden Fußballfans sich wie Millionen andere an schönen Spielen in einer friedlichen und spannenden WM“ erfreuen würden.
Weltfremder kann man kaum sein…
Einige Spiele waren udn werden sicherlich auch spannend sein, jedoch ist das was im und ums Stadion passiert auch spannend, aber alles andere als friedlich sein!
Bestes Beispiel ist der Bericht eines Spiegel Redakteurs, welcher auf Grund von eienr polnischen Fahne während des Vorrundenspiels Polen vs BRD bepöbelt und angegriffen wurde.
Dies einzel Beispiel soll reichen um bei Fußballspielen auftretenden Rassismus zu illustrieren, des weiteren lässt sich die Palette um Sexismus, Antisemitismus, Chauvinismus und Nationalismus ergänzen, wenn es um reaktionäre und ständig bei Fußballspielen, insbesondere bei Nationalmannschaftsspielen, auftretenden Denkmuster geht.
Nicht von ungefähr wurde bei der WM in Frankreich ein Polizist von Deutschland-Holligans fast totgetreten und ist nun gelähmt.


so weltoffen zeigte sich Hamburg zur WM

Aber laut Herrn Porsch scheinen ja alle nur zu feiern und ihren Spaß in friedlicher Atmosphäre zu haben…

Zu guter Letzt wird er dann noch etwas Internationalismus los, wenn er abschließend festellt: „Gerade für die durch global agierendes Kapital benachteiligten kleinen Nationen ist die WM eine gute Gelegenheit, auf sich aufmerksam zu machen.“.
Genau Herr Porsch Argentinien machte es ja 1978 schon vor wie man als faschistische Diktatur sich mit Hilfe der FiFa das Image aufpolieren kann.

An dieser Stelle sei an folgende Zeitschriften zum Thema WM verwiesen
Phase 2.19 „Völkerball – Team und Nation in der Globalisierung“ (Frühjahr 2006)
und
Enough is Enough – Ausgabe Nr.25 / Sommer 2006 „Sonderausgabe zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006″


Völkische Ideologie

von der Gruppe Antifa Aktion & Kritik

Konservative, liberale, farbentragende, schlagende Verbindungen: Sie alle eint ihr offensiv positiver Bezug zum deutschen Vaterland.

Damit stehen sie nicht alleine, denn das möglichst unverkrampfte Bekenntnis zur Nation gilt mittlerweile als nicht zu begründende Selbstverständlichkeit. Ob sie nun als Fackeln tragende Burschis „Deutschland über alles” gröhlen oder zeitgemäßer als hippe Deutschpopper „MIA”s Ode an das geläuterte Vaterland mitsingen; ob sie als antifaschistische weltoffene BürgerInnen am 8. Mai in Berlin gegen Neonazis demonstrieren oder auf zahlreichen Demos gegen den Irakkrieg Deutschland als pazifistische Alternative zu den USA bejubeln: so unterschiedlich deutsche Nationalisten sind, wenn es drauf ankommt, stehen sie alle zu ihrem Vaterland.

Auf die Frage, wieso es Völker und Nationen im Allgemeinen und Deutschland im Besonderen gibt, folgen Unverständnis oder krude Erklärungen von der Naturhaftigkeit der Nation überhaupt oder der „Schicksalsgemeinschaft” (Lafontaine) der Deutschen. Das gebildete rot-grüne Milieu jedoch verweist lieber auf den „Verfassungspatriotismus” (Habermas), das Bekenntnis zu den Werten des Grundgesetzes. Auch wenn jene aufgeklärte PatriotInnen von der Standortgemeinschaft Deutschland sprechen und das völkische Modell mitunter anachronistisch wirkt, so bricht der Wunsch nach der Nation als Volksgemeinschaft immer wieder durch: als Dauerzustand in den „national befreiten Zonen”, als sich unter der Parole „Wir sind das Volk¡` versammelnde Montags-DemonstrantInnen oder eben im Denken der deutschen Burschenschaften. Deutsches Volk: jene Vorstellung, für die es keine vernünftige Begründung, sondern allenfalls eine historische Erklärung geben kann, soll im Folgenden Gegenstand unserer Kritik sein.

Nation building auf deutsch
Dass es ein „deutsches Volk” gäbe, war nämlich bis ins 19. Jahrhundert hinein keine besonders verbreitete Vorstellung. Das änderte sich um 1800, als sich die Ideen der Aufklärung verbreiteten und Napoleon dem ein wenig nachhalf und halb Europa besetzte. Im Gepäck hatte er den Code Napoleon, ein Bürgerliches Gesetzbuch, das auf den Ideen von „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit” aufgebaut war und gleichzeitig notwendige Rahmenbedingungen für kapitalistische Produktionsweise schuf. Die Autorität der deutschen Fürsten in den besetzten Gebieten wurde dadurch massiv eingeschränkt und ihre Herrschaft überhaupt in Frage gestellt. So appellierten sie an das „deutsche Volk” und meinten damit zum ersten mal eben all jene Menschen, die ihren Vorstellungen von „deutsch” entsprachen, um zum Aufstand gegen Napoleon zu mobilisieren. Einige Studenten ließen sich nur zu gern fürs Vaterland begeistern, gründeten „Corps” und engagierten sich besonders in den Kriegen gegen Napoleon. Als ihre eben noch geschürten Hoffnungen auf ein einiges Deutschland nach Napoleons Niederlage und im Zuge der Restauration nach dem Wiener Kongress enttäuscht wurden, begannen sie sich in Burschenschaften zu organisieren und den Prozess eines einigen Vaterlandes selbst in die Hand zu nehmen. So kämpften sie sowohl gegen die absolutistisch regierenden Fürsten, die nicht bereit waren, ihren Herrschaftsanspruch an einen gemeinsamen deutschen Souverän abzutreten, auf der anderen Seite gegen den Einfluss von „außen”, den Ideen der Französischen Revolution. Die Aufklärung und die erfolgreiche Gründung einer Französischen Republik führten jedoch zu unterschiedlichen Einschätzungen unter den Studenten, wie denn Deutschland verwirklicht werden könne, sich entweder am französischen Modell zu orientieren oder in Abgrenzung dazu. Es setzten sich diejenigen durch, die einen auf Kultur und Abstammung beruhenden Weg zum Nationalstaat gehen wollten. Eine erste öffentlichkeitswirksame Demonstration dessen, was sie darunter verstanden, lieferten sie im Oktober 1817 beim Wartburgfest, wo sich ca. 500 Burschenschaftler versammelten, um unter anderem den Sieg über Napoleon zu feiern. Im Laufe des Fests veranstalteten einige Studenten eine Bücherverbrennung. Verbrannt wurde das Buch des jüdischen Schriftstellers Saul Ascher „Germanomanie” mit den Worten: „Wehe über die Juden, so da festhalten an ihrem Judenthum und wollen über unser Volksthum schmähen und spotten!”29, des weiteren der Code Napoleon sowie weitere sogenannte antideutsche, liberale aber auch konservative30 Bücher und Symbole. Hier zeigt sich, dass schon mit der Gründung der ersten Burschenschaften ein völkisch-nationalistisches Denken Wirkung entfaltete, welches sich bis heute wie ein roter Faden durch die Geschichte des deutschen Verbindungswesens zieht; entgegen der bis heute verbreiteten Vorstellung, alle studentischen Verbindungen seien zumindest in ihren Anfängen, liberale, demokratische „Freiheitskämpfer” gewesen.

Die ideologische Grundlage dieses völkischen Nationalismus bildete der deutsche Idealismus von Fichte und Schelling, welche die organische und naturhafte Gemeinschaft der Deutschen halluzinierten und diese mit einer langen Abstammungskette bis hin zu den Germanen und Ur-Ariern zurückverfolgen wollten. Demnach sei das deutsche Volk auch keine „Willensgemeinschaft”, als rein politisches Wesen, wie die Nation etwa in Frankreich begründet wurde, sondern ausdrücklich eine archaische, vorpolitisch begriffene Gemeinschaft. Dass die Deutschen alle etwas ganz besonderes gemeinsam hätten, nämlich ihr Blut, sei die Grundlage, auf der eine deutsche Nation zu errichten sei. Darüber hinaus galt das „deutsche Blut” als Träger von Charaktereigenschaften, Sprache, Kultur und Aussehen.

Bis dieses Deutschland dann aber gegründet wurde, dauerte es noch über ein halbes Jahrhundert und schließlich konnte dieser Schritt, der doch eigentlich die Umsetzung dessen sein sollte, was von Natur aus eh notwendig sei, nur mit Gewalt erreicht werden.

Nachdem sich Preußen gegen Österreich um die Vorherrschaft des erwünschten Deutschlands durchgesetzt hatte (bis dahin war auch nicht klar was denn nun alles dazugehören sollte) und nachdem Preußen Dänemark und Frankreich besiegt hatte, konnte die Gründung Deutschlands „von oben” vollzogen werden. Der Mythos von der organischen Volksgemeinschaft wurde beibehalten und fand als offizielle Staatsdoktrin mit dem ius sanguis ihren Niederschlag im Reichsgesetz. Das ius sanguis ist das preußische Bluts- und Abstammungsgesetz von 1842, demzufolge deutscher Staatsbürger nur sein kann, wer deutsche Vorfahren hat also „deutsches Blut”. Das deutsche Kaiserreich war die Blütezeit des deutschen Verbindungswesens, stellten sie doch einen Großteil der gesellschaftlichen Elite. So war Bismarck, der die Reichsgründung 1871 umgesetzt hat, Mitglied in der Corps Hannovera Göttingen. (Zur weiteren Bedeutung von Burschenschaften im Kaiserreich der Weimarer Republik und im NS siehe Abschnitt „Seilschaften – Netzwerke – Verbindungen”)

Nur mit einer Homogenisierung nach innen und Abgrenzung nach außen konnte sich der völkische Nationalismus durchsetzen. Die Homogenisierung wurde unter anderem durch das ius sanguis herbeigeführt. Die ab Mitte des 19. Jahrhunderts sich durchsetzenden Rassentheorien ermöglichten völkischen Deutschen die wissenschaftliche Legitimiation ihres Denkens. Wurde die Trennung zwischen „Deutschen” und „Franzosen” hauptsächlich über Kultur vollzogen, wurde die „jüdische Rasse” als absolutes Gegenstück zur „deutschen” betrachtet. Bei der deutschen Burschenschaft sah das gegen Ende des 19. Jhd. so aus, dass diese in ihrer Postille „Burschenschaftliche Blätter” feststellten, „dass gegenwärtig die deutsche aktive Burschenschaft, […] den Kampf gegen das Judentum als eine nationale Aufgabe ansehen an deren Lösung sich die Burschenschaft beteiligen soll.”31 Einzig aus diesem Grund entstand der „Verein Deutscher Studenten” (siehe [*]). Auch in anderen Verbindungen kam es seit diesem Zeitpunkt vermehrt zum Ausschluss jüdischer Studenten, was zur Folge hatte, dass 1895 diese in der Deutschen Burschenschaft nicht mehr vertreten waren.

Schon 1879 entbrannten (später als „Antisemitismusstreit” bezeichnete) Auseinandersetzungen an den Universitäten darüber, ob sich assimilierende Juden Teil der deutschen Nation sein könnten. Die verschiedenen Burschenschaften ergriffen einhellig die Partei für Professor von Treitschke, der in diesem Zusammenhang den folgenschweren Satz „die Juden sind unser Unglück” formulieren sollte.

„Antisemitismus verrät uns nichts über die Juden, aber eine Menge über die Antisemiten und die Kultur, die sie hervorbringt.” (Daniel Jonah Goldhagen)
„Jawohl die Völkischen hassen die Juden, aber nicht die Juden als mechanisch wirkende Krankheitserreger; sondern den jüdischen Geist, der mit seinem Intellektualismus die Welt entgöttert, die Kulturen zersetzt, die historisch-soziale Ordnung auflöst, eine ästhetische Genießerphilosophie verbreitet, die reinen Geschlechtsbeziehungen des Germanen pervertiert und dank seiner Eignung zu abstrakten Geldgeschäften die Völker – ob bewußt oder unbewußt […] – zu Knechten macht.”32

Die gewaltsame Durchsetzung und Universalisierung kapitalistischer Warenvergesellschaftung wurde von vielen Menschen als Bedrohung oder als Katastrophe empfunden, weil sie alle bisherigen gesellschaftlichen Verhältnisse und Beziehungen aufbrach. Insbesondere in jenen Gesellschaften, in denen die kapitalistische Modernisierung durch den Staat durchgeführt wurde, entstand das Bedürfnis, eine Zusammengehörigkeit zu finden, die auf mehr beruht als auf dem Zufall der Unterworfenheit aller einzelner unter die selbe abstrakte Herrschaft. In Deutschland war es der Wunsch nach konkreter, und „natürlicher” Gemeinschaft einerseits und der Identität der „guten” Herrschaft mit den Beherrschten anderseits, dem „Volksstaat” (U. Enderwitz).

Der gegen Ende des 19. Jahrhunderts als politische Massenbewegung aufkommende moderne Antisemitismus unterscheidet sich von seinem Vorgänger, dem sich religiös legitimierenden Antijudaismus insbesondere darin, dass er die Vorstellung globaler Macht zum Inhalt hat; der moderne Antisemitismus ist „die prominenteste Verschwörungstheorie, um den Weltmarkt zu erklären” (M. Postone). Darin liegt der fundamentale Unterschied zum Rassismus, der „die anderen” als unterlegen abwertet, sollen doch „die Juden” eine universale, unfassbare Macht darstellen, die eine Gefahr für alle authentischen Völker bedeutet.

Dem Antisemitismus zugrunde liegt die rigide Trennung zwischen Wesen und Erscheinung des Kapitalismus: die als konkret empfundene Seite kapitaler Vergesellschaftung gilt dem Alltagsbewusstsein als natürlich und nicht zu hinterfragen, als bedrohlich gilt ausschließlich das Abstrakte, nur jene Seite erscheint überhaupt als kapitalistisch.

Der moderne Antisemitismus formuliert den Gegensatz von stofflich Konkretem und dem Abstrakten als „rassischen” Gegensatz zwischen Deutschen und Juden, er vollzieht die Biologisierung des Kapitalismus als „Weltjudentum”. Bezogen auf die Nation bedeutet dies, dass Jüdinnen und Juden zwar deutsche StaatsbürgerInnen, aber eben keine Deutschen waren. Sie galten ausschließlich auf der abstrakt rechtlichen Ebene als Teil der Nation, jedoch nicht als konkrete Individuen. Das Konstrukt des „Juden” erfüllte vielmehr die Funktion des „Anti-Volkes” (Améry 1990, 201) und der „Gegenrasse” (Rosenberg 1934, 462), als dessen negativer Doppelgänger „der Deutsche” bzw. „der Arier” gesetzt wurde.

Als Konstitutionsprinzip des Volkes gilt jener Ideologie zusätzlich der spezifisch deutsche Begriff von „Arbeit”. Die Vorstellung einer ehrlichen, fleißigen deutschen Arbeit lieferte die Grundlage der Projektion einer raffenden jüdischen Nicht-Arbeit: eine Projektion, die auch bei Teilen der sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeiterbewegung nicht nur auf Ablehnung stieß. Das völkische Denken impliziert zudem notwendig, dass Klassengegensätze innerhalb der deutschen Gesellschaft verschleiert werden. Die völkische Homogenität darf nicht durch partikulare Klasseninteressen beeinträchtigt werden, daher gilt es, diese zu negieren. Das nationale „Bündnis zwischen Kapital und Arbeit” im Nationalsozialismus wurde nach 1945 transformiert in das korporatistische Gesellschaftsmodell der BRD. Vor dem Hintergrund dieser „klassenlosen Klassengesellschaft” (T.W. Adorno) laufen auch heute noch die sozialpolitischen Auseinandersetzungen in Deutschland ab.

„Größer als die BRD…”
Wie bereits oben erwähnt, wird im völkischen Denken, die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft über scheinbar natürliche und organische Eigenschaften definiert. Wichtigstes Kriterium stellen demnach das Blut bzw. in der modernen Form die Gene da. Jetzt ist Blut aber bei allen Menschen rot, hat einen Rhesusfaktor oder nicht und weltweit gibt es die Blutgruppen 0, A, AB und B. Charaktereigenschaften oder Aussehen haben damit nichts zu tun. Die Herleitung, die Deutschen seien die direkten Nachfahren der Germanen, rührt aus einem solchen Denken. Demnach seien die Charaktereigenschaften, die bei den Germanen zu finden gewesen wären, wie Stolz, Fleiß, Mut, Treue, Ehre usw. alles auch Eigenschaften, die sie direkt weiter an die Deutschen vererbt hätten. Nun klingen diese Ideen heute doch ziemlich albern und längst überholt. Wer dazu gehört wird jedoch immer noch in etwas abgewandelter Form nach dem ius sanguis (s.o.) bestimmt. Für die Deutsche Burschenschaft ist demnach auch klar, wer denn „deutsch” und wo „Deutschland” überall ist.

„Die Deutsche Burschenschaft sieht das deutsche Vaterland unabhängig von staatlichen Grenzen in einem freien und einigen Europa, welches Osteuropa einschließt. Sie setzt sich für eine enge Verbundenheit aller Teile des deutschen Volkes in Freiheit ein […]. Unter dem Volk versteht sie die Gemeinschaft, die durch gleiches geschichtliches Schicksal, gleiche Kultur, verwandtes Brauchtum und gleiche Sprache verbunden ist. Pflicht der Burschenschaften ist das dauernde rechtsstaatliche Wirken für die freie Entfaltung deutschen Volkstums”.33

Entsprechend wurden in den letzten Jahren in Osteuropa Verbindungen gegründet und in die Deutsche Burschenschaft mit aufgenommen. Mit ihrer Forderung nach „dem Recht jedes einzelnen und jedes Volksteiles auf seine angestammte Heimat”34 wird folgendes deutlich: Die Grenzen der BRD seien nicht die wahren Grenzen, sondern das „deutsche Volk” habe seine Heimat auch den ehemaligen Ostgebieten des Deutschen Reiches, so werden die „neuen Bundesländer” gerne auch als „Mitteldeutschland” bezeichnet. Diese Meinung teilen Verbindungen mit revisionistischen Gruppen wie dem Bund der Vertriebenen, der sich der Unterstützung von Teilen der bürgerlichen Mitte sicher sein kann.

„Deutschland? Nie wieder!” (Marlene Dietrich)
Ziel einer Kritik des völkischen Nationalismus deutscher Burschenschaften ist keineswegs die Propagierung eines besseren, weil aufgeklärten Bezugs zur Nation. Dies sei der rot-grünen Zivilgesellschaft zur Rationalisierung ihres Nationalstolzes überlassen. Jedoch kann gerade in Deutschland die Kritik der Nation keine ausschließlich allgemeine sein, sie muss nicht zuletzt eine spezifische Kritik des regressivsten Konzepts von Nation, und zwar dem völkisch-deutschen, sein.

Die deutsche Volksgemeinschaft wurde verwirklicht durch „das nationale Projekt der Deutschen” (Goldhagen), die Vernichtung der Jüdinnen und Juden. In heutiger Zeit zieht der deutsche Nationalismus seine vermeintliche Legitimität aus dem Bekenntnis zur deutschen Schuld und einem hieraus resultierenden antifaschistischen Selbstverständnis. Zugleich dient der Diskurs über die Leichen der Deutschen im Zweiten Weltkrieg dazu, die Grenzen zwischen Tätern und Opfern zu verwischen. Während des Gedenkens an die „deutschen Opfer” des alliierten „Bombenkriegs” in Dresden und anderen Städten vollzieht sich der gesellschaftliche Schulterschluss zwischen den Generationen. Die deutsche Mehrheitsgesellschaft mag sich noch sehr um Abgrenzung zur offen neonazistischen Minderheit bemüht sein; indem sie sich jedoch als Opfer des alliierten Luftkriegs oder des amerikanischen Heuschrecken-Kapitalismus (Müntefering) stilisiert, halluziniert sie sich immer wieder aufs neue als Gemeinschaft, der von außen durch finstere Mächte übel mitgespielt wird. Gegen die deutsche Nation und die in ihr stets enthaltenen Möglichkeit völkischer Barbarei setzt emanzipatorische Kritik das Konzept der „Assoziation freier Individuen” (Marx), den Kommunismus. Eine solche Gesellschaft, die „Differenz ohne Angst” (Adorno) ermöglicht, ist ohne die Absage an das nationale Kollektiv jedoch nicht zu haben.