Unglaublich idiotisch…

Wie schon gestern abend berichtet, wurde der Holocaustleunger David Irving, welcher im September auf Grund von „Wiederbetätigung im Sinne des Nationalsozialismus“ verurteilt worden war, am 20.12. auf Bewährung freigelassen.
Der Berufungsrichter Ernest Maurer begründet die

Bewährung mit dem «bisher untadeligen Wandel (Führung in der Haft)» des Briten und die Tatsache, dass die ihm zur Last gelegte Straftat zeitlich bereits so weit zurückliege.

Quelle
So wurde Irvings Berufung stattgegeben und dies

verkürzte seine Strafe von ursprünglich drei auf zwei Jahre Haft, ein Jahr davon auf Bewährung. Irving hat bereits 13 Monate in Untersuchungshaft gesessen. Da diese Zeit auf die Haftstrafe angerechnet wird, kann er das Gefängnis sofort verlassen.

Quelle
Gegen ihn war 1989 schon ein Haftbefehl erlassen worden, da er auf zwei Reden in Leoben und Wien die Existenz von Gaskammern geleugnet hatte.

Irving soll damals gesagt haben, einige zehntausend Juden seien dort „eines natürlichen Todes gestorben.“

(Quelle)
Diesem Haftbefehl entging Irving, daer Österreich verließ. 2005 kehrte er wieder nach Österreich zurück und wurde festgenommen, als er auf dem Weg zu rechtsextremen Bruschenschaft Olympia in eine Straßenkontorlle geriet. Über die Festnahme und die Haftbedingungen sgate er später aus, dass er

„im modernen Europa mit Gestapo-Methoden behandelt worden“

In dem folgenden Verfahren bekannte sich Irving schuldig und gab sich dem Gericht gegenüber geläutert, äußerte jedoch, dass er

nur noch an Einzelheiten, zweifle aber grundsätzlich nicht mehr an der Massenvernichtung der Juden.

In Interviews nach seiner Verurteilung stellte er erneut die Opferzahlen in Auschwitz in Frage und bezeichnete die organisierte Vernichtung von Juden durch die Nationalsozialisten als „absolut falsch und nicht nachweisbar“.

Quelle
Außerdem hatte er erklärt, Hitler sei „nicht zielbewusst gegen die Juden vorgegangen“. Vielmehr gebe es „keinen Beweis für eine organisierte Massenvernichtung“. (Quelle)

Anscheind um sich nicht weiter mit Irving rumschlagen zu müssen und jegliche Verantwortung von sich weisen zu können sprach das Innenministerium Irving ein unbefristetes Aufenthaltsverbot aus und nahm Irving in Abschiebehaft, so dass er um 18.49 Uhr MEZ in ein Flugzeug nach London besteigen musste. (Quelle) Irving sagte außerdem aus, dass er nicht vorhabe, nach Österreich zurück zu kehren.
Wen wundert das, nachdem er hier strafrechtlich Probleme bekam.

Es stellen sich mehrere Fragen.
Die erste wäre, wieso Irving im Verfahren im September nur zu 3Jahren Haft verurteilt wurde und nicht zu den möglichen 10 Jahren, die das Gesetz als Höchststrafe vorsieht.
Denn klar ist, dass Irving eine „Ikone der rechtsradikalen Szene“ war und ist, wie die Staatsanwältin richtig feststellte. Auch wenn sein Ansehen in der rechtsextremen Scene darunter gelitten hat, dass er während des Verfahrens, sich als geläutert gab. Trotzdem war auch der rechten Scene klar, dass diese Aussagen taktisch getätigt waren, was Irving durch Interviews nach dem Verfahren auch wieder deutlich machte.

So stellt sich als nächstes die Frage wieso der Berufungsrichter Irving auf Grund von „tadelloser Führung“ auf freien Fuß setzte. Denn klar sollte sein, dass Irivng seine „historische Arbeit“ und Vorträge fortsetzen wird. Aber anscheind wollte man, wie die Abschiebung deutlich macht, ihn möglichst schnell loswerden.
Sollte der Richter ernsthaft Irvings angebliche Rehabilitierung geglaubt haben, braucht eigentlich nur Ausschnitt darauf verwiesen werden um wen es sich bei Irving handelt:

1996 verklagte Irving Penguin Books und die US-amerikanische Religionswissenschaftlerin Deborah Lipstadt, die ihn in einem Buch als „einen der gefährlichsten Holocaustleugner“ bezeichnet hatte, in Großbritannien wegen Verleumdung. Irving verlor diesen Prozess im Jahr 2000. Von den Gutachtern, darunter Richard Evans, wurden Irving zahlreiche Verfälschungen von Quellen nachgewiesen. Er wird im Urteil des Londoner High Court als „Lügner“, als „Rassist“ und als „Antisemit“ bezeichnet. Ein gegen das Urteil angestrengtes Berufungsverfahren scheiterte im Jahr 2001.

Quelle

Aber wie schon öfters deutlich geworden ist, nimmt es die österreichische Staatsanwalt nicht so genau, wenn es um Holocaustleugnung und Relativierung von NS-Verbrechen geht:

Gesetzlich ist festgelegt, dass nur die „gröbliche“ Verharmlosung von NS-Verbrechen strafbar ist, und bislang hat man schon einige Prominente mit dieser Begründung bzw. Ausrede nicht angeklagt, so zum Beispiel Richard Nimmerrichter („Staberl“), den damaligen Kommentator der meistgelesenen österreichischen Tageszeitung Neue Kronenzeitung. Nimmerrichter hatte am 10. Mai 1992 einen Beitrag mit dem Titel „Methoden eines Massenmords“ veröffentlicht, in dem er behauptete, es seien „nur verhältnismäßig wenige der jüdischen Opfer“ tatsächlich „vergast“ worden; „die anderen sind verhungert oder erschlagen worden“. Doch er wurde nicht verurteilt, da er die nationalsozialistischen Gewaltverbrechen nicht „gröblich“ verharmlost habe.

Quelle

Die rechtsextreme Scene freut sich natürlich

Eine „Geständnis“-Strategie, die ihm freilich weder etwas vor dem Untersuchungsrichter, noch vor dem Wiener Schwurgericht etwas brachte, sondern lediglich nicht wenige seiner Anhänger von ihm abstieß, die von ihm mindestens so ein Verhalten erwartet hatten, wie man es derzeit bei Männern wie Ernst Zündel oder Germar Rudolf erleben kann.

Hier dürfte Irving in der Tat wohl noch einige Antworten schuldig sein. Da es jedoch nicht umsonst heißt, im Zweifel für den Angeklagten, so wollen wir davon ausgehen, daß seine fragwürdigen Erklärungen auf menschlich nachvollziehbarer Angst vor dem Gefängnis beruhten und daher nichts weiter sind als gewöhnliche Lippenbekenntnisse. (aus dem Störtebeker-Netz)

Derartige Aussagen machen zum einen deutlich, dass die rechtsextreme Scene hinter „historischen Arbeiten“ wie der Irvings stehen und gleichzeitig auch erkennen, dass seine Aussagen vor Gericht Schutzaussagen waren. So wird sein Ansehen nur ein wenig angeknackst sein, da er nicht wie z.Bsp. Zündel auch vor Gericht in antisemitische und revisionistische Aussagen zurückgriff.

Abschließend…
Lord Janner, der Vize-Präsident des „World Jewish Congress“ und Präsident des „Commonwealth Jewish Council“ sagte der BBC

„I am sorry that he did not serve out his full term.“

und stellte weiter richtig fest:

„I do not believe that he was put in prison because he was a historian. And historians should be treated in the same way as anyone else.“


2 Antworten auf “Unglaublich idiotisch…”


  1. 1 ungdomhuset blirs 23. Dezember 2006 um 2:55 Uhr

    Da könnte man direkt wieder kotzen.
    Und dass auch noch vor Weihnachten…
    Diese Richter haben echt kein Herz :-(

    Naja. Vielleicht verstösst er irgendwann mal wieder gegen irgendwas und muss wieder in den Bau. Und am besten nimmt er Mahler etc direkt mit

  2. 2 subakut 23. Dezember 2006 um 18:12 Uhr

    desweiteren soll irving back in gb zur presse über sein gefängnis gesagt haben: „full of foreigners…“
    und vors un-gericht für menschenrechte möchte er österreich stellen (mehr), warum genau wird allerdings nicht deutlich.

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