NPD-HH weiter peinlich…

Über die aktuelle Entwicklung bei der Hamburger NPD berichtet Redok gut zusammenfassend:
(aktuelle Emails/Fax am Ende des Beitrags)

„Organisierte Kriminalität“ in der Hamburger NPD

Hamburg. An „organisierte Kriminalität“ und „SA-Methoden“ fühlt sich die geschäftsführende Landesvorsitzende der NPD Hamburg erinnert, wenn sie an ihre Parteifreunde um Thorsten de Vries denkt. In einem offenen Brief an Parteichef Udo Voigt beschrieb sie die Vorgänge in ihrem Landesverband als „einfach ungeheuerlich“. In der öffentlich ausgetragenen Schlammschlacht werden antisemitische Töne sogar gegen den Parteivize Peter Marx laut.

In ihrem heute veröffentlichten Brief an Voigt, der wie mittlerweile gewohnt bei einem Neonazi-Internetportal veröffentlicht wurde, nahm Anja Zysk kein Blatt vor den Mund. Gegenüber der Parteizentrale beschwerte sie sich vor allem, dass die Bedrohungen durch die Truppe um de Vries dem Parteivorstand schon seit Wochen bekannt waren, aber von dort keinerlei Reaktion erfolgte.

In dem Schreiben lieferte sie weitere drastische Beispiele für Mentalität und Methoden ihrer innerparteilichen Widersacher. So tauchte de Vries am 9. Januar mit einer Truppe von etwa 20 Kameradschafts-Neonazis bei einer Veranstaltung des NPD-Kreisverbands Harburg auf und verlangte von Zysk, die Strafanzeige gegen ihn zurückzunehmen. „Ansonsten würde er künftig jede Veranstaltung, an der ich teilnehme ’sprengen‘ lassen“, schrieb Zysk an ihren Parteichef. Dazu habe de Vries versucht, einen Veranstaltungsteilnehmer zu verprügeln. Der Referent der Veranstaltung sei am Vortage telefonisch bedroht worden.

„Einfach ungeheuerlich“ nannte sie diese „Vorgänge, wie sie nunmehr seit 3 Monaten im Landesverband Hamburg ablaufen“ und fühlte sich „mittlerweile mehr an organisierte Kriminalität als an eine politische Partei“ erinnert. De Vries und sein Anhang hätten offensichtlich „mit ihren SA-Methoden alle politisch Verantwortlichen in Hamburg derart eingeschüchtert, daß diese sich nicht mehr trauen, sich hiergegen zur Wehr zu setzen“.

Darüber hinaus forderte Zysk, die am 10. Februar in Bergedorf gegen den Bau einer Moschee demonstrieren wollte und dabei von ihren Gegnern abgeblockt wurde, ein klares Wort vom Parteivorstand zur politischen Linie gegenüber Moslems und Islamisten. „Sind auch Sie derselben Meinung wie Herr Rieger, daß die Islamisten in Deutschland unsere Freunde sind, mit denen wir es uns nicht verscherzen dürfen?“, fragte sie Voigt, der immerhin zugesagt habe, auf der geplanten Demonstration als Redner aufzutreten. Rieger warf sie die Haltung vor, „daß die Moslems ruhig in Deutschland ihre Moscheen bauen sollen, da sie ja gegen die USA und Israel sind“.

Als Motiv für die Attacken der Truppe um Wulff, de Vries und Rieger sieht Zysk auch „geschlechtliche Hintergründe“; möglicherweise hätten einige NPD-Männer ein Problem damit, einer Frau auf gleicher Augenhöhe gegenüberzutreten oder sogar unter ihr zu arbeiten. Jürgen Rieger habe ihr einmal gesagt, „Frauen sollten sich besser aus der Politik heraushalten und Kinder kriegen“.

Die erst gestern verhalten signalisierte Sympathie der NPD-Frauenorganisation „Ring Nationaler Frauen“ (RNF), die prompt von der NPD-Zentrale zensiert worden war, ist derweil schon wieder auf Parteilinie zurückgestutzt worden. Die von der RNF-Sprecherin und Parteivorstands-Mitglied Stella Palau unterzeichnete Erklärung ist heute ebenfalls wie bereits vorher die NPD-Fassung „gesäubert“ worden: die Hamburger Landesvorsitzende wird nicht mehr erwähnt.

Die Schlammschlacht in der NPD wird aber nicht nur von Parteifunktionären betrieben. Mittlerweile haben Neonazis hunderte von Beiträgen in Internetforen verfasst, in denen nicht selten Gewaltphantasien, purer Hass und selbst rabiater Antisemitismus deutlich werden.

Selbst der Bundes-Parteivize Peter Marx bleibt da nicht verschont, der von einigen Neonazis sogar mit antisemitischen Anspielungen überzogen wird. Nachdem bereits Anja Zysk als „Mosaische Levantiner Hexe“ beschimpft worden war, wird nun auch Marx seit einigen Tagen mit einem zusätzlichen Vornamen bedacht und als „Peter Jacob Marx“ tituliert. Nach alttestamentarischem Verständnis gilt Jacob als dritter Stammvater Israels und hatte den Beinamen „Israel“ erhalten. Eben diesen Vornamen zwangen die Nationalsozialisten im Dritten Reich allen männlichen Juden auf. Ein Kamerad „Beowulf“ gab nun in einem Neonazi-Forum zum Besten: „Das ganze erinnert mich an den historischen Film Jud Süß . Voigt gibt den alten senilen König und sein Einflüsterer Peter Jacob Marx gibt ihm die Befehle.“

Anhang:

Offener Brief der Hamburger NPD-Landesvorsitzenden Anja Zysk an den NPD-Bundesvorsitzenden Udo Voigt
(Quelle: hxxp://de.altermedia.info/general/offener-brief-der-hamburger-npd-landesvorsitzenden-anja-zysk-an-den-npd-bundesvorsitzenden-udo-voigt-110107_8371.html)

Sehr geehrter Herr Voigt,

ich finde es mehr als bedauerlich, wie die Dinge hier in Hamburg eskaliert sind und wie nun versucht wird, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen. Bezeichnenderweise scheint sich die Bundesführung mehr Gedanken über die BEKANNTGABE des Rücktrittes des Landesvorstandes zu machen, als über diesen Rücktritt selbst. Wie anders ist es zu erklären, daß seitens der Bundesführung im Fall de Vries wochenlanges Stillschweigen herrschte, während man jetzt vollkommen überreagiert?
Die Bundespartei war bereits seit Wochen über die Vorgänge in Hamburg informiert, es erfolgte aber leider nie eine Reaktion. Hätten Sie als Bundesvorsitzender einmal klar Stellung bezogen und ein Machtwort gesprochen, so gäbe es den Hamburger Landesvorstand wohl heute noch.

Auch die Drohung mit rechtlichen Schritten und Ordnungsmaßnahmen seitens Herrn Schwerdt sind für mich nicht ganz nachvollziehbar. Schließlich bin ich zur Zeit noch die geschäftsführende Landesvorsitzende und in dieser Angelegenheit entscheidungsbefugt. Was ist denn nun parteischädigend? Wenn jemand einen Landesverband „sprengt“ und sich krimineller Handlungen schuldig macht oder das Offenlegen solcher Schweinereien? Wir sind eine politische Partei und keine Geheimgesellschaft. Öffentlichkeit und Transparenz sind der beste Schutz vor Machtmißbrauch und Verbonzung. Die gegenwärtigen Ereignisse (nicht nur in Hamburg) geben der Bundesführung jetzt die Gelegenheit, dem (Partei-)Volk das zu vorzuleben, was sie bei den etablierten Parteien immer einfordert. Ob sie diese (vielleicht letzte) Chance zu einer Selbstreinigung nutzt, liegt bei ihr.

So habe ich auch keinerlei Geheimnisverrat begangen, sondern lediglich eine Erklärung über den Rücktritt unseres Vorstandes, sowie über die mir bekannten Hintergründe gegeben. Das halte ich bei einer Partei, die zu Wahlen antritt und sich aus Steuergeldern der Bürger teilfinanziert eigentlich für eine Selbstverständlichkeit. Erst der Versuch, diese Erklärung zu unterdrücken, hat ihr diese Aufmerksamkeit beschert. Durch die momentan praktizierte parteiinterne Zensur erwecken die Bundesführung und der ehemalige Hamburger Landesvorstand den Eindruck, es gäbe hier etwas zu verbergen. Vielleicht ist dem bei einigen Beteiligten ja auch so? Fragen Sie doch mal Ihren „persönlichen Referenten“.

In diesem Zusammenhang finde ich es auch bedauerlich, daß Sie mich zu der nächsten Bundesvorstandssitzung wieder ausladen. Immerhin bin ich noch geschäftsführend im Amt und beabsichtige, auf dem nächsten Landesparteitag wieder zu kandidieren. Sollte ich dort gewählt werden, so müssen Sie noch einmal 2 Jahre mit mir auskommen. Wenn man mir nun nicht einmal die Gelegenheit gibt, mich zu den Vorgängen in meinem Landesverband, den ich mit Sicherheit besser kenne, als alle anderen Anwesenden, zu äußern, und damit verhindert, daß sich die übrigen Bundesvorstände ein objektives Bild machen können, so ist das ja immerhin endlich einmal eine eindeutige Positionierung Ihrerseits.
Ihre Annahme, ich könnte Unterlagen zur Sitzung des Parteivorstandes nicht vertraulich behandeln, entbehrt übrigens jeder Grundlage. Die Rücktrittserklärung und ihre Hintergründe, sowie die Strafanzeige gegen Thorsten de Vries sind in meinen Augen keine Interna, sondern gehen die Mitglieder und die Öffentlichkeit etwas an.

Apropos Weitergabe von Interna: Vor einigen Wochen schrieb Ihnen Matthias Faust einen Beschwerdebrief, da er von Thorsten de Vries beleidigt und bedroht worden war. Er erhielt sogar eine Antwort – nämlich von Thorsten de Vries. Sollten da etwa Parteiinterna nach außen getragen worden sein? Fragen Sie doch einmal Ihren „persönlichen Referenten“, ob er darüber etwas weiß. Und fragen Sie ihn doch bitte auch einmal, warum er Inhalte aus Vorstandssitzungen meines Landesverbandes, an denen er gar nicht teilgenommen hat, wortgetreu zitieren kann. Auch hätte ich gerne einmal gewußt, ob Herr Wulff am 04.01. von Ihnen oder vom Bundespräsidium legitimiert worden ist, auf der Vorstandsssitzung in Hamburg zu erscheinen. Wenn nicht, dann bitte ich darum, auch gegen Herrn Wulff einmal Parteiordnungsmaßnahmen in Erwägung zu ziehen. Schließlich hat er sein Amt als Bundesvorstandsmitglied mißbraucht, um sich in die inneren Angelegenheiten eines juristisch und politisch eigenständigen Landesverbandes massiv einzumischen. Zudem hat er Hausfriedensbruch begangen, als er sich trotz meiner dringenden Aufforderung weigerte, den Raum zu verlassen. Nach allem, was ich so höre, soll Herr Wulff so etwas auch in anderen Landesverbänden unerwünschter Weise schon versucht haben. Bitte unterrichten Sie über das Verhalten des Herrn Wulff auch die anderen Bundesvorstandsmitglieder, da Sie mir hierzu die Möglichkeit nehmen!

Hier noch eine Schilderung der Ereignisse auf der letzten Veranstaltung des KV Harburg am 09.01.2007, der ein bezeichnendes Licht auf die momentanen (hoffentlich nicht auch künftigen) Zustände im LV Hamburg wirft. Ich bitte Sie, diese Vorkommnisse auch den anderen Bundesvorstandsmitgliedern zur Kenntnis zu geben.

Am 09.01.2007 führte der NPD Kreisverband Harburg in der Gaststätte xxx in Hamburg-Harburg eine Vortragsveranstaltung durch. Kurz nach Beginn um ca. 19.45 Uhr erschien das ehemalige Landesvorstandsmitglied Thorsten de Vries in Begleitung von etwa zwanzig der freien Kameradschaftsszene und der NPD angehörenden Personen im Lokal. Mit drohender Stimme warf er mir vor „Kameraden verraten“ zu haben. Ich hätte „vertrauliche“ E-Mails von ihm bei altermedia veröffentlichen lassen und ihn angezeigt. Er drohte mir, daß ich nie mehr in Hamburg öffentlich auftreten könne, wenn ich die Strafanzeige gegen ihn nicht unverzüglich zurückziehen und dies öffentlich bekanntmachen würde. Ansonsten würde er künftig jede Veranstaltung, an der ich teilnehme „sprengen“ lassen. Anschließend versuchte er, einen Teilnehmer der Veranstaltung zu verprügeln, was nur dadurch verhindert werden konnte, daß man ihn festhielt. Der Gastredner obiger Veranstaltung wurde einen Tag zuvor vom ehemaligen Landesvorstandsmitglied Karl-Heinrich Göbel, einem Parteigänger von de Vries angerufen. Göbel legte ihm freundlich nahe, nicht an einer von mir organisierten Veranstaltung teilzunehmen. Er solle sich gut überlegen, auf wessen Seite er stehe und wer der bessere Landesvorsitzende sei: Anja Zysk oder Jürgen Rieger. Ein weiterer Anrufer wurde noch deutlicher und sprach von einer „Warnung“. Das ist also die Vorstellung, die hohe Funktionsträger des LV Hamburg von innerparteilicher Demokratie haben. Wenn bereits Referenten derart eingeschüchtert werden, so ist zu befürchten, daß der de Vries/Rieger-Flügel versuchen wird, die Wahlentsscheidung der Delegierten zum Landesparteitag auf ähnliche Art und Weise zu beeeinflussen. Ob solche Wahlen noch den Anforderungen des Parteiengesetzes entsprechen, will ich zum jetzigen Zeitpunkt einmal dahingestellt lassen.

Ich finde solche Vorgänge, wie sie nunmehr seit 3 Monaten im Landesverband Hamburg ablaufen, einfach ungeheuerlich. Das Ganze erinnert mittlerweile mehr an organisierte Kriminalität als an eine politische Partei. Offensichtlich haben de Vries und sein Anhang mit ihren SA-Methoden alle politisch Verantwortlichen in Hamburg derart eingeschüchtert, daß diese sich nicht mehr trauen, sich hiergegen zur Wehr zu setzen. Sollten solche subkulturellen Gestalten wie de Vries und sein Kumpan Wulff künftig den LV Hamburg dominieren, so bezweifle ich, daß dieser überhaupt noch eine politische Zukunft hat. Viele Menschen, die sich uns anschließen wollen, um in Deutschland etwas zu verändern, werden durch solches erbärmliche Intrigantentum und asoziales Gehabe abgeschreckt. Die Möglichkeit, sich zu einer Volkspartei zu etablieren, wäre damit verbaut.

Da der geplante Protest gegen einen Moscheebau in Hamburg der offizielle Auslöser für den gegen mich inszenierten Putsch war, wäre es interessant, einmal zu erfahren, wie die NPD-Führung sich zu dem Thema positioniert. Auch hier vermisse ich ein klares Wort und eine stringente Linie des Bundesvorsitzenden, der ja immerhin die politische Richtlinienkompetenz hat. Sind auch Sie derselben Meinung wie Herr Rieger, daß die Islamisten in Deutschland unsere Freunde sind, mit denen wir es uns nicht verscherzen dürfen? Gehen Sie als Bundesvorsitzender einer Partei, die sich den Erhalt des deutschen Volkes und seiner Kultur ins Parteiprogramm geschrieben hat, mit Herrn Rieger darin konform, daß die Moslems ruhig in Deutschland ihre Moscheen bauen sollen, da sie ja gegen die USA und Israel sind? Immerhin hatten Sie mir zugesagt, auf der ursprünglich für Januar geplanten Kundgebung zu sprechen.

Die Vorgänge im Landesverband Hamburg sind eine schlechte Werbung für die NPD und mit Sicherheit keine Ermutigung für Frauen, sich hier zu engagieren. Viele Mitglieder machen sich bereits darüber Gedanken, ob meine Demontage nicht auch geschlechtliche Hintergründe hat. Vielleicht haben einige Leute in der NPD ja ein Problem damit, einer Frau auf gleicher Augenhöhe gegenüberzutreten oder sogar unter ihr zu arbeiten. Herr Rieger äußerte mir gegenüber in einmal, Frauen sollten sich besser aus der Politik heraushalten und Kinder kriegen. Sicher auch ein fundamental wichtiges Thema, das für eine anregende öffentliche Diskussion geeignet ist.

Über eine Stellungnahme Ihrerseits würde ich mich freuen, wäre aber nicht überrascht, wenn sie auch diesmal ausbleiben würde.

Mit freundlichen Grüßen,
Anja Zysk
(Geschäftsführende Landesvorsitzende)


3 Antworten auf “NPD-HH weiter peinlich…”


  1. 1 Phex 12. Januar 2007 um 20:13 Uhr

    die sind zu komisch… sollen sich gerne selber ihre Veranstaltungen sprengen und so! :)

  2. 2 streichelzoo 14. Januar 2007 um 17:27 Uhr

    bin beim lesen nicht mehr aus dem lachen rausgekommen.
    ich hoffe, dass sich der npd-eigene zersetzungsdrang auch in anderen kreisverbänden fortsetzt :-)

  1. 1 dissidenz.olifani.de » Blog Archive » npd: delete yourself ! Pingback am 23. April 2007 um 21:41 Uhr
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