Archiv für August 2007

Alles bleibt wie immer…

Noch nichts vor?

Dann lädt folgendes Straßenfest doch zu einem Besuch ein:

Kann ich persöhnlich nur empfehlen! Bestes Entertaiment für einen Nachmittag mit Beschau von allmöglichen Splittergruppen die man schon für lange tod hielt.

Mügeln steht da wo es hingehört…

Der NPD-Blog berichtet über das Interviews welche Bürgermeister Deuse für die neurechte Jungen Freiheit gegeben hat…

Mügeln: Nazis freuen sich über FDP-Bürgermeister
Der Bürgermeister der sächsischen Stadt Mügeln scheint sich an die öffentliche Aufmerksamkeit doch gewöhnt zu haben – oder noch dusseliger als bereits angenommen zu sein. Nachdem sich die Aufregung um Mügeln nach dem Angriff auf acht Inder wieder gelegt hatte, gab Bürgermeister Deuse nun der neurechten Jungen Freiheit ein Interview. Dort traf er offenbar endlich auf sehr verständnisvolle Gesprächspartner, die ihm seine Verharmlosungen gerne durchgehen ließen – und keine unangenehmen Fragen stellten.

So passt die JF gleich steil auf rechts außen: Wieso spricht dann der ehemalige Regierungssprecher und Vorsitzende des Vereins „Gesicht zeigen!“, Uwe-Karsten Heye, mit Blick auf Mügeln von Meidezonen für Ausländer, sogenannten „no-go areas“, in den neuen Bundesländern? Deuse versenkt diese Vorlage ansatzlos: Ich weiß nicht, ob es solche Zonen überhaupt gibt, mir zumindest sind keine bekannt. Und weiter gehts in dem munteren Spielchen: Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo wiederum wirft Ihnen vor, daß Sie Rechtsextremismus als Ursache für den Vorfall ausgeschlossen haben. Deuse: Ja, ich sage klipp und klar: Rechtsextremismus schließe ich aus. Denn es besteht ein Unterschied zwischen ausländerfeindlichen Parolen von Betroffenen und Rechtsextremismus. `Ausländerfeindliche Parolen von Betroffenen` – man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen… Kein Wunder, dass Deuse findet, jedem könne mal ein `Ausländer raus!` rausrutschen… [more]

Whats up

Rock´ das Dorf

In S-H scheint mal wieder dringend eine Strafexpedition auf´s Dorf von nöten. Diesmal ist das sehr beschauliche Rieseby, im Norden von Eckernförde, dran.

…aber Döner-Imbisse müssen in Rieseby schon mal schließen: Vor einigen Jahren wurde ein solcher mehrmals Ziel von Naziangriffen und die Betreiber mussten aus Angst den Betrieb aufgeben. Auch sonst ist das Dörfchen alles andere als sein äußerer Anschein erahnen lässt.

Chronologie zur barbarischen Entwicklung in Rieseby…

Auch wenn der Aufruf eher mau ist, Zeitvertreib muss sein und lokale Antifastrukturen gehören dann und wann auch mal unterstützt…

mehr Infos beim: Bündnis Autonomer Antifas Nord

ps: jetzt hat Genosse Phex schon dazu gebloggt

Ab in die Hauptstadt

Vom 10. bis 12. September findet in die „Sommeruniversität gegen Antisemitismus: Antizionismus, Israelfeindschaft, islamistischer Judenhass“ des Zentrum für Antisemitismusforschung in Berlin statt.

Die zweite Sommeruniversität gegen Antisemitismus richtet sich an Multiplikatoren aus Medien, Schule, Erwachsenen- und Berufsschulbildung sowie aus Politik und Gewerkschaften, denen die notwendige Kompetenz zur argumentativen Behandlung des Themas vermittelt werden soll. Schwerpunkte werden in diesem Jahr die Problemfelder Antizionismus und Israelfeindschaft im radikalen Islamismus sein. Die Geschichte und Gegenwart der Judenfeindschaft in der islamischen Welt, sowie die historischen und aktuellen Wechselwirkungen und Parallelen zwischen christlicher und islamischer Judenfeindschaft werden ebenso Thema sein wie Fragen der Annäherung und Vernetzung von radikalen Islamisten und Rechtsextremen, insbesondere mit Blick auf das World Wide Web, sowie Antizionismus in der Linken.

Programm gibt es hier.

The Kids are allright

werde ich mir wohl die ganze Zeit einreden müssen, wenn ich am Fr dorthin gehen werde:

Das Lineup verspricht auch so einiges:

Nevada Tan, Ich + Ich, Scooter, Azad feat. Adel Tawil, Sido, Marquess, US5, Bushido, LaFee, Culcha Candela, Darin, Killerpilze, Sabrina Setlur, Tommy Reeve, Jörn Schlönvoigt, beFour, Sha, Lexington Bridge, Kate Hall & Ben, Milk & Honey und Cinema Bizarre!

Und wehe ich kriege kein Autogramm von Hans-Peter Scooter!
Mal schauen ob ich nen Fotobericht hinbekomme…

Realsatire…

Wenn nicht jemand wie Schill schon mal in HH massiv Stimmen bekommen hätte, könnte ich noch mehr über diesen Herrn lachen:

Heitmeyer zu Mügeln

Interview mit Wilhelm Heitmeyer bei der Tagesschau, via NPD-Blog.
Interessante und treffende Aussagen ausschnitthaft:

Wie schätzen Sie die Hetzjagd in Mügeln ein?

Heitmeyer: Dies ist ein trauriger Normalfall. Als Konsequenz muss der Blick nun endlich auf die Stadtgesellschaften gerichtet werden, denn die feindseligen Mentalitäten werden vor allem von den Älteren vertreten – und die Jüngeren bringen dann die Gewalt ins Spiel. Und dann wird eine Gesellschaft plötzlich nervös. Was die Älteren an Denkmustern jeden Tag am Stamm- oder am Abendbrottisch transportieren, das wird überhaupt nicht thematisiert. Es geht nicht darum, sich gegen rechtsextreme Gruppen zu versammeln, sondern die Stadtgesellschaft ist das Problem.

Was muss konkret passieren?

Heitmeyer: Man braucht Stadtanalysen. Denn sonst passiert das, was der Bürgermeister von Mügeln noch immer tut: Er nennt ausländerfeindliche Sprüche normal. Genau das ist das Problem. Die Stadt muss erst einmal über sich selbst diskutieren, über die Frage: In welcher Stadt wollen wir eigentlich leben? Das passiert zurzeit aber nicht. Die Bürgermeister machen Image-Politik.

Viel wurde an der Förderstruktur kritisiert, da jetzt die Kommunen Geld beantragen, die Initiativen können dies nicht mehr tun.

Heitmeyer: Bei den kommunalen Trägern gibt es das Problem, dass mehr Bürokratie entsteht. Und durch diese bürokratischen Abläufe soll gewährleistet werden, dass Ruhe im Karton ist. Aber bei der Lage in Ostdeutschland braucht man Unruhe! Die kleinen Initiativen, die immer wieder mahnen, die müssen ermuntert und nicht über Bürokratie gebremst werden. Die Schweigespirale muss unterbrochen werden. Schweigespirale heißt: Alles was als normal gilt, das wird nicht mehr problematisiert. Und wenn sich gewisse Normalitäten, noch abgesichert durch einen Bürgermeister, herausstellen, dann werden rechte Einstellungen weiter verstärkt.

Auch wenn Heitmeyer vieles richtig analysiert sind seine Lösungsvorschläge doch sehr fragwürdig, auch wenn sie weitergehen, als das was „verordnet“ werden wird, nämlich nen bischen mehr Kohle für Extremismusbekämpfung. Da bleibt dann eigentlich nur LizasWelt zu zitieren:

Da runde Tische, Exit-Programme, Zivilcourage-Workshops und andere sozialarbeiterische Sperenzchen offenkundig und nachweislich nicht fruchten, muss es – vor allem kurzfristig – darum gehen, spontane wie organisierte Angriffe auf Leib und Leben möglichst effektiv zu unterbinden. Ob dazu die Alliierten wieder einmarschieren müssen oder es auch von der Bundeswehr überwachte Ausgangssperren tun, wird sich weisen. Wenn schon verordneter Antifaschismus, dann so einer.

Mügeln und die Deutschen

Auf der Spiegel Online gibt es inzwischen ein ganz interessantes Video (kein Direktlink, Videotitel: „Inder klagen an“), in welchem Kulvir Singh, der Besitzer der Pizzeria, Vorwürfe gegen die Polizei erhebt und seine Sicht des Pogroms darstellt.

Die Polizei habe sich nach dem Übergriff nicht ausreichend um sie gekümmert. Das ist der Hauptvorwurf, den die in Mügeln verletzten Inder heute geäußert haben. Kulvir Singh, der Besitzer des Restaurants, in das die acht Inder sich vor den Angreifern geflüchtet hatten, sagte, er habe mit seinen Freunden sechs bis acht Stunden auf dem Revier in Oschatz gesessen.
Medizinische Hilfe habe ihm niemand angeboten. „Niemand hat uns gefragt, ob wir Schmerzen haben oder ob jemand von uns ins Krankenhaus möchte.“ Singh wurde bei der Hetzjagd ebenso verletzt wie die anderen sieben Inder.

Im Video äußert er auch, dass ihnen nicht mal zu Trinken angeboten wurde, dies wohlgemerkt in der Zeit von 3 bis 11Uhr am folgenden Vormittag. Und zu den Konstruktionen des deutschen Mobs und der ermittelnden Polizei zu den Übergriffen:

(er) verwahrte sich indes gegen Spekulationen von Seiten der Ermittler, die Gewalt sei an dem Abend nicht nur von den Deutschen, sondern auch von ihm oder seinen Freunden ausgegangen. Von einer „normalen Bierzeltschlägerei“, wie sie der Bürgermeister von Mügeln dargestellt hatte, will Singh nichts wissen. „Wir haben dort friedlich getanzt“, sagte er. Und dies habe offenbar einigen auf dem Festzelt nicht gepasst. Als sich die Situation dann zuspitzte, habe er mit seinen Freunden das Zelt verlassen. Am Ausgang habe dann die Gruppe Deutscher auf sie gewartet.

Eine absolute Frechheit bleibt die Stellungnahme der Polizei zu dem Pogrom, die ernsthaft folgendes behauptet, in einer Situation wo 100 bis 200 Personen die Pizzeria belagerten

Nach bisherigen Ermittlungen geht die Polizei davon aus, dass es sich bei dem Gewaltausbruch in der Nacht zu Sonntag nicht um einen ursächlich rechtsextremen Angriff auf die Ausländer gehandelt hat. Auslöser soll eine Rangelei im Festzelt gewesen sein, die eskalierte.

(Quelle: Spon)

Immerhin gibt es anscheind jetzt Hoffnung für einige Opferberatungsinitiativen im Osten, da die Bundesregierung anscheind immer mehr um ihr Ansehen fürchtet.

„Wir nehmen den Kampf gegen den Rechtsextremismus sehr ernst“, sagte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) unmittelbar vor Beginn der Kabinettsklausur im Schloss Meseberg.

Die Mittel werden nach ihren Worten um fünf Millionen Euro erhöht und bislang befristete Programme auf eine dauerhafte Basis gestellt

Auf diese doch positive Entscheidung ist man, wie das in Deutschland sich so gehört, erst gekommen, als nun bekannt wurde:

Durch Medienberichte war bekannt geworden, dass der sächsische Landkreis Torgau-Oschatz, zu dem der Ort Mügeln gehört, sich für 2007 vergeblich um Fördergelder aus dem Programm der Bundesregierung gegen Rechtsextremismus bemüht hatte. „Am 25. April erhielten wir aus Berlin die endgültige Ablehnung unseres Antrags“, sagte der Sozialdezernent des Landkreises, Hans-Günter Sirrenberg. Ministerin von der Leyen sah die Verantwortung dafür beim Land Sachsen. Nach üblicher Vorgehensweise schicke das Land eine Prioritätenliste an das Ministerium. Auf dieser Liste sei der Landkreis Torgau-Oschatz nicht aufgetaucht.

Wo sowas inhaltlich dann hinführen wird, ist ziemlich leicht vorherzusagen und wurde ja schon die Kürzungen und Neuvergabe der Gelder in letzter Zeit deutlich geworden…

Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) hatte laut einem Bericht des „MDR Sachsenspiegel“ darauf hingewiesen, dass – unabhängig von dem Vorfall in Mügeln – für November eine Beratung mit Vertretern sächsischer Kommunen über Maßnahmen gegen Gewalt und Extremismus geplant ist.

(Quelle: Sueddeutsche Zeitung)
Ansonsten lassen wir zur Illustustration deutscher Zustände noch mal Bürgermeister Gotthard Deuse zu „Ausländer raus!“-Rufen zu Worte kommen:

„Solche Parolen können jedem mal über die Lippen kommen.“

(Quelle: Welt/Financial Times)

15 Jahre Lichtenhagen auf Blogs: Starblog + CliffCosmos + Subwave + Negation + DorfDisco + Kreutergarten + Tofu

Presseschau bei Uglydreden

Mügeln von der Karte streichen

Nachdem ja schon so einiges zu Mügeln geschrieben wurde:
girlsetsfire + subwave + uglydresden + lokale Antifa + antibuerokratieteam + waiting 1 + waiting 2 + bestimmt noch viele mehr

Nun gabs ne Spontandemo von 200 Antifas in der Mügelner-Barbarei:

Die Linken sind da. Rund 200 Antifaschisten aus ganz Sachsen suchen am frühen Dienstagabend die Kleinstadt Mügeln im Landkreis Torgau-Oschatz heim. Die Sammelanreise in privaten Pkw bis zu einem Supermarktparkplatz am Ortsrand haben sie bestens organisiert, und so stehen sie sie um kurz nach halb sieben wie aus dem Nichts in der Nähe des Marktplatzes.

Zum Thema keine Rechtsextreme Szene in dieser Stadt, bleibt nur zu sagen: „nein, keine rechstextremen, sondern einfach nur deutscher mob“:

Am Rande des Demonstrationszuges offenbaren sich tiefe Gräben, die der Vorfall vom Wochenende in der Bevölkerung Mügelns gerissen hat. Während einige Einheimische sich in den Protestzug einreihen, Beifall klatschen oder bereitwillig Münzen oder Scheine in die Spendendose stecken, die für die Opfer des Übergriffs in der Menge herumgereicht wird, schütteln etliche Schaulustige mit dem Kopf.

Die anderen haben eine ganz klare Meinung von den Protestierern: „Was will dieses Pack hier?“, pöbelt ein Mittvierziger am Straßenrand, „Gesocks“, schimpft eine Frau in den Fünfzigern.

Ein offensichtlich angetrunkener Mann im grünen Arbeitsoverall hebt den Arm kurz grinsend zum Hitler-Gruß. Von den Demonstranten bekommt es niemand mit. „Was wissen die denn schon, die waren doch gar nicht dabei“, ereifert sich der Mann neben ihm – auch ihn hüllt eine Alkoholfahne ein.

(Quelle: Spon)
Und Mügelns Bürgermeister weiß trotz allem:

„Aber Mügeln ist nicht rechtsextrem.“ Es seien keine Einheimischen gewesen, die bei dem Angriff ausländerfeindliche Parolen gerufen hätten. „Ich kenne unsere Jugendlichen, da ist kein Rechtsextremer dabei.“[…]Als unerträglich empfindet Deuse, dass behauptet werde, die Inder seien durch die Mügelner Altstadt gejagt worden. „Schauen Sie doch selbst: Die Pizzeria, in die sich die Leute geflüchtet haben, ist vielleicht 20 Meter entfernt vom Marktplatz.“

(Quelle: FAZ)
null
(Foto via Spon)

Video bei der Tagesschau
Video bei N24, Thierse erkennt das „wahre“ Problem, der deutsche Standort wird gefährdet…

Nachrichten-Videos bei Youtube:
Tagesschau-SWR am 20.8.
N-TV am 20.8.
ARD Tagesthemen
***Update***
ZDF heute Journal
ZDF Frontal 21
ARD tagesthemen

Artikel der Antifa RDL zur Demo:

Kühe, Schweine, Ostdeutschland …

Etwa 250 AntifaschistInnen problematisieren die unerträgliche Situation vor Ort durch eine spontane Demonstration:

In den frühen Abendstunden des 21. August protestierten etwa 250 AntifaschistInnen im sächsischen Mügeln gegen die rassistischen Ausschreitungen des vergangenen Wochenendes. Nur einige wenige Mügelner BürgerInnen betrachteten den Demonstrationszug, zumeist mit skeptischen Blicken. Die Mehrzahl hatte sich wohl schon in ihren Fernsehsessel begeben. Auch der Aufforderung, doch gefälligst Geld für die betroffenen Menschen zu spenden, kamen nur sehr wenige nach. Stattdessen sahen sich die DemonstrantInnen mit einer allgemeinen Ablehnung konfrontiert. Diese zu erwartende Ignoranz der Mügelner Bevölkerung zeigt sich noch viel deutlicher in den kruden Aussagen ihres Bürgermeisters, der nach wie vor einen neonazistischen Hintergrund leugnet.[…weiter]


mehr Fotos zur Demo….

Radio Corax dazu:

„Wenn, wie jetzt im sächsischen Mügeln geschehen, eine Gruppe von acht Indern von einer halben Hundertschaft über den Marktplatz gejagt wird, dann ist die mediale Aufmerksamkeit garantiert. Seit der Debatte über sogenannte No-go-Areas im Vorfeld der vergangenen Fußball-WM hat aber auch die Sensibilität zugenommen für den ganz alltäglichen Rassismus in Deutschland, der sich in vielen kleineren Vorfällen zeigt. Verharmlost werden diese heute nur noch selten. Immerhin. Am Telefon hatte Georg von Radio Corax Friedemann Bringt. Er ist Mitarbeiter im Kulturbüro Sachsen.“


Dauer: 8:18 min
Download/Stream unter http://www.freie-radios.net/