Heitmeyer zu Mügeln

Interview mit Wilhelm Heitmeyer bei der Tagesschau, via NPD-Blog.
Interessante und treffende Aussagen ausschnitthaft:

Wie schätzen Sie die Hetzjagd in Mügeln ein?

Heitmeyer: Dies ist ein trauriger Normalfall. Als Konsequenz muss der Blick nun endlich auf die Stadtgesellschaften gerichtet werden, denn die feindseligen Mentalitäten werden vor allem von den Älteren vertreten – und die Jüngeren bringen dann die Gewalt ins Spiel. Und dann wird eine Gesellschaft plötzlich nervös. Was die Älteren an Denkmustern jeden Tag am Stamm- oder am Abendbrottisch transportieren, das wird überhaupt nicht thematisiert. Es geht nicht darum, sich gegen rechtsextreme Gruppen zu versammeln, sondern die Stadtgesellschaft ist das Problem.

Was muss konkret passieren?

Heitmeyer: Man braucht Stadtanalysen. Denn sonst passiert das, was der Bürgermeister von Mügeln noch immer tut: Er nennt ausländerfeindliche Sprüche normal. Genau das ist das Problem. Die Stadt muss erst einmal über sich selbst diskutieren, über die Frage: In welcher Stadt wollen wir eigentlich leben? Das passiert zurzeit aber nicht. Die Bürgermeister machen Image-Politik.

Viel wurde an der Förderstruktur kritisiert, da jetzt die Kommunen Geld beantragen, die Initiativen können dies nicht mehr tun.

Heitmeyer: Bei den kommunalen Trägern gibt es das Problem, dass mehr Bürokratie entsteht. Und durch diese bürokratischen Abläufe soll gewährleistet werden, dass Ruhe im Karton ist. Aber bei der Lage in Ostdeutschland braucht man Unruhe! Die kleinen Initiativen, die immer wieder mahnen, die müssen ermuntert und nicht über Bürokratie gebremst werden. Die Schweigespirale muss unterbrochen werden. Schweigespirale heißt: Alles was als normal gilt, das wird nicht mehr problematisiert. Und wenn sich gewisse Normalitäten, noch abgesichert durch einen Bürgermeister, herausstellen, dann werden rechte Einstellungen weiter verstärkt.

Auch wenn Heitmeyer vieles richtig analysiert sind seine Lösungsvorschläge doch sehr fragwürdig, auch wenn sie weitergehen, als das was „verordnet“ werden wird, nämlich nen bischen mehr Kohle für Extremismusbekämpfung. Da bleibt dann eigentlich nur LizasWelt zu zitieren:
Da runde Tische, Exit-Programme, Zivilcourage-Workshops und andere sozialarbeiterische Sperenzchen offenkundig und nachweislich nicht fruchten, muss es – vor allem kurzfristig – darum gehen, spontane wie organisierte Angriffe auf Leib und Leben möglichst effektiv zu unterbinden. Ob dazu die Alliierten wieder einmarschieren müssen oder es auch von der Bundeswehr überwachte Ausgangssperren tun, wird sich weisen. Wenn schon verordneter Antifaschismus, dann so einer.


3 Antworten auf “Heitmeyer zu Mügeln”


  1. 1 noergel 24. August 2007 um 13:56 Uhr

    teilst du die aussage von lizas welt ernsthaft?

  2. 2 besserscheitern 29. August 2007 um 15:43 Uhr

    Also, ich halte das für ne (bewusst) ätzende Polemik, aber was hältst du denn für angemessen angesichts des nun medial präsenten rassistischen Alltags?

  1. 1 Mügeln,Mügeln unter anderem… oder deutsche Realität im Postfaschismus | worldschmerz Pingback am 29. August 2007 um 12:16 Uhr

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