Zug der Erinnerung startet
Ausschnitte aus dem Artikel „Zug der Erinnerung“ vom 7.11.07 von German-Foreign-Policy zur am 8.11. startenden „Ausstellung“:
(Heraushebungen von mir…)Zug der Erinnerung
Drei Jahre nach Beginn einer schweren Auseinandersetzung um die Rolle der Deutschen Reichsbahn bei den europaweiten NS-Deportationen weicht das Berliner Nachfolgeunternehmen (Deutsche Bahn AG) dem internationalen Druck und gewährt die Nutzung seiner Bahnhofsanlagen für das Gedenken.[…]
Wie die Organisatoren mitteilen, wird der „Zug der Erinnerung“ am Vorabend des Gedenkens an die Reichspogromnacht (8./9. November 1938) auf Gleis 1a des Frankfurter Hauptbahnhofs der Öffentlichkeit übergeben. Dort hatten Bürgerinitiativen in den zurückliegenden Jahren wiederholt verlangt, dass sich die Deutsche Bahn AG der Vergangenheit ihres Vorgängerunternehmens stellen und das ungehinderte Gedenken an die Opfer der Reichsbahn-Deportationen zulassen müsse. Die Konzernspitze versuchte diesen Forderungen erst ausweichend („kein Geld“, „kein Platz“), dann mit Gewalt zu begegnen. So wurden am Auschwitz-Gedenktag 2007 Bilder der deportierten Kinder in einem DB-Bahnhof abgerissen oder Gedenkveranstaltungen massiv behindert, so in Würzburg.[1] Dass der „Zug der Erinnerung“ die Forderungen der Bürgerinitiativen jetzt durchsetzt, kommt einer schweren Niederlage der Berliner Konzernspitze gleich.[2]
Interesse
Die Initiativen hatten im April beschlossen, die Hausverbote der Bahn AG zu umgehen und das öffentliche Schienennetz zu nutzen. Sie mieteten mehrere Waggons und eine Lok an, um die geplante Ausstellung in die Bahnhöfe zu bringen. Bei Kosten in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro schien eine Realisierung anfangs fraglich. Durch Beteiligung der DGB-Bezirke Baden-Württemberg und Sachsen, die den Zug in ihre Regionen einluden, erhielt das Projekt ein tragfähiges Fundament. Inzwischen unterstützen nicht nur sympathisierende Organisationen die Kampagne; auch kommunale Träger fordern die Ausstellung im „Zug der Erinnerung“ an, so die Städte Bochum (Bundesland NRW) und Gotha (Bundesland Thüringen).[…]
Zurückgewinnen
Die Kampagne für die vom NS-Regime deportierten Kinder und Jugendlichen richtet sich ausdrücklich gegen den in Deutschland wieder aufflammenden Antisemitismus, gegen Fremdenhass und nationalen Größenwahn.[…]
Hoch angesehen
Beispielhaft für die Haltung staatlicher Institutionen sind die Manöver des Verkehrsministeriums, dem regierungsoffiziellen Fachorgan für Angelegenheiten der Bahn AG. Das Ministerium hatte sich seinen historischen Verpflichtungen anfangs völlig entzogen und die Bitten der Bürgerinitiativen um Unterstützung gegen die Bahn-Konzernspitze mit Floskeln beantwortet („nicht zuständig“).[…]
Nicht beantwortet
Der „Zug der Erinnerung“ will die Botschaft seiner morgen beginnenden Fahrt bis zur Gedenkstätte Auschwitz tragen. Dort soll der Deportierten im kommenden Frühjahr gedacht werden. Bis dahin könnte das Berliner Verkehrsministerium zu einer Antwort auf die Frage gefunden haben, warum es die Bitte um Unterstützung der deutschen Bürgerinitiativen erneut nicht beantwortet.[…]
Trailer über die Homepage der Kampagne: http://www.zug-der-erinnerung.eu/
Trailer als Jingle für Radios
Jingle via Radio Unerhört Marburg (RUM)
Dauer: 1:41 Minuten
Download unter freie-radios.net
Wie schon erwähnt:
Zug der Erinnerung in Göttingen
13. bis 16. Dezember | Bahnhof Göttingen
Der Zug der Erinnerung besteht aus mehreren Waggons, in denen die Geschichte der europäischen Deportationen, beispielhafte Fotos und Schicksale der Kinder sowie Video- und Filmsequenzen von Überlebenden gezeigt werden. Schwerpunkt der Ausstellung ist das Deportationsgeschehen in Deutschland: die Zustellung der Deportationsbescheide, das Herrichten und Verlassen der Wohnungen, der Weg zu den Sammellagern und von dort am helllichten Tag durch die Dörfer und Städte zu den wartenden Zügen. In einem der Mittelgänge hängen die noch leeren, durch die Recherche von Schulen und anderen Organisationen zu füllenden Tafeln mit den Fotos und Biographien einzelner Kinder aus den Gemeinden und Städten entlang der Fahrstrecke – Ergebnisse der Spurensuche.
Auch die Geschichte der Transporte wird in der bescheidenen Zugausstellung erzählt: von den Leiden der Reise ohne Nahrung und Wasser, von der furchtbaren Enge, von den Zwischenhalten auf den Nebengleisen der Bahnhöfe oder auf offener Strecke, von den fast unmöglichen Fluchten… Auch hier warten leere Tafeln im Mittelgang darauf, durch die Gesichter und Schicksale von Kindern zu den Besuchern zu sprechen.
Schließlich wird die Ankunft der Züge dargestellt.
Wenige ausgewählte Texte von Überlebenden, z.B. von Zeugen aus dem Frankfurter Auschwitz-Prozeß sollen den letzten Weg der Kinder verdeutlichen.
In einem der Wagenteile hält der Zug der Erinnerung eine Rechercheneinheit bereit: Computer und Handbibliothek laden zur Spurensuche ein. Hier besteht auch die Möglichkeit, über die Ausstellung zu sprechen und Erfahrungen auszutauschen.
http://www.zug-der-erinnerung.eu/
Ergänzung zur Göttinger Veranstaltungsreihe
Stadtrundgang zum Jüdischen Leben in Moringen mit Uwe Reinecke
16.11.07 | 14:30 Uhr | Moringen, KZ- Gedenkstätte, Lange Straße 58Der historische Rundgang stellt das wechselvolle jüdische Leben Moringens vom 16. Jahrhundert bis in die Zeit des Nationalsozialismus vor. Der Weg führt zu zahlreichen Wohn- und Geschäftshäusern früherer jüdischer Bürger, dem abgerissenen Schulgebäude, der ehemaligen Synagoge und zum jüdischen Friedhof.
Treffpunkt: Moringen, KZ-Gedenkstätte, Lange Straße 58
Weitere Infos hier (E-mail).
Veranstaltungsreihe „Kritische Wissenschaften“
Vom 7.11. bis 12.12 findet eine Veranstaltungsreihe der Göttinger Basisgruppen mit dem Titel „Kritische Wissenschaften“ statt.Die erste am 7.11. ist vom BG Beschichte:
Machtphantasie Deutschland
Einführung zur Kritik an Nation und Nationalismus
07.11.07 | 19:30 | ZHG004
„Nation“ ist täglich erfahrbar, sei es als Wir-Gefühl, wenn die „eigene“ Mannschaft in der internationalen Konkurrenz mal wieder den Sieg davon getragen hat. Sei es bei der selbstverständliche Unterscheidung von In- und Ausländer durch den Staat und die öffentliche Meinung. Deutschland und andere Nationen bilden nach innen eine scheinbar homogene Gemeinschaft,die an den Staats-grenzen ihr Ende findet. Weder Grenzen noch nationale Zusammengehörigkeit sind jedoch „natürlich“, sondern Ergebnis eines historischen Prozess. Der Vortrag beleuchtet die Entwicklung dieser „erfundenen Gemeinschaft“ und soll zeigen warum das Konzept „Nation“ kritisiert gehört.
Längere Veranstaltungsankündigung…





Dann werd ich wohl auch mal wieder in die Uni gehen. Vielleicht