Archiv für Dezember 2007

Gesammeltes #4

Frohes Neues

Allen Leser_innen!

Hamburg

Bin ja noch ein paar Tage in der Hafenstadt.
Audiolith-Party auf der MS Stubnitz war der absolute Hammer!
Wobei ich The Dance Inc live unglaublich langweilig fand, die restliche Acts hingegen waren ein Genuss. Besonders Juri Gagarin haben gehalten, was mir versprochen wurde. Großartiger Auftritt!
Deren neues Album könnt ihr bei last.fm hören…

An Events steht anscheind erstmal nur noch dies an:
Schweinskecup
4. + 5.1.08 | Alsterdorfer Sporthalle Hamburg

Termine im neuen Jahr

Zeugnisse aus Stein
13. 01.08 | 11:30Uhr
Treffpunkt: Gerichtslinde, Kasseler Landstraße, bei der Einmündung der Straße „An der Gerichtslinde“
Führung über den Jüdischen Friedhof Göttingen durch Harald Jüttner
Männer werden gebeten, eine Kopfbedeckung mitzubringen
Veranstaltet von der Gesellschaft für christlich – jüdische Zusammenarbeit Göttingen e.V. in Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde

Schweizer Linke auf Verschwörungskurs und regressivem Antikapitalismus

Info Wallis „Dein Linksautonomes Nachrichtenportal“ ist mal wieder so ein Projekt im Internet, dass zeigt das manche Linke gegen jede Kritik und Reflexion imun sind und man in manchen autonome Szenen stumpf vor sich hinvegetiert.

Alex Jones’ unerreichter Dokumentarfilm über 9-11 und die “New World Order”-Agenda der globalen Elite zeigt, wie sich aus der Asche von 9/11 ein weltweites Regime erhebt, wie die globale Elite durch die Terroroperation unter falscher Flagge profitierte, welche Rolle der Großvater von George W. Bush bei der Finanzierung von Hitlers Aufstieg zur Macht hatte, warum die Spitzen der großen politischen Parteien austauschbare Figuren der Zentralbanker und Konzernchefs sind, welche Faszination die Elite für okkulte Religionen hat und vieles mehr.
So kündigt man dort eine Filmvorführung an. Könnte man zuerst noch glauben, dass dies um einer kritischen Betrachtung dieses Films geschiet, macht der Ankündigungstext (und im weiteren die ganze Seite) deutlich das man anscheind all dieses teilt.
So versucht man George W. Bush, auf Grund seines Vaters, erneut in die Nähe von Nazis zu rücken und dessen Vater als Steigbügelhelfer Hitlers darzustellen. Des weiteren sieht man sich aus den USA von einer anonymen Finanzmacht bedroht, welche, verbunden mit ihrer „Faszination [..] für okkulte Religionen“, die Welt zu lenken scheinen.

So preist man auf dieser Seite den Film an.
Persöhnlich bin ich beeindruckt wie man derart expliziten Antiamerikanismus mit ganz klar offenem Verbindungen zum Antisemitismus in einen Satz verpacken kann. Von einer Nazigleichsetzung, zum anonymen Finanzkapital, zur bedrohlichen (Welt)macht und schließlich zu bedrohlichen „okkulten Religionen“.

Der Macher des Films Alex Jones kann getrost zu den 9/11 Troofers und allgemein zur Verschwörungstheorieszene gezählt werden. Seine Erkenntnisse zu 9/11 werden z.bsp in dem hier schon mal verlinkten Film „9/11 Conspiracies: Fact or Fiction“ widerlegt.
Widerlich an diesem Film, den hier wohl gemerkt sich als antifaschistisch verstehende Linksradikale empfehlen, ist vor allen Dingen, neben dem offenen Antiamerikanismus und teilweise antisemitischen Denkmustern, die Versuche eine US-Elite in Verbindung mit Nazis zu bringen und vermeitliche Kooperationen und Parallelen aufzuzeigen. Zwar wird dann nicht explizit die Folgerung „konspirative Bünde in den USA = Nazis“ ausgesprochen, aber gerade die Nebeneinanderstellung impliziert derartiges und überlässt den Zuschauer_innen weitere „Schlüsse“ zu ziehen.

Bei dem „linksautonomen Nachrichtenportal“ scheint man sich ansonsten auf „scharfsinnige“ Kapitalismusanalysen spezialisiert zu haben, denn Texte in ähnlichen Niveau setzen sich fort, exemplarisch noch ein Beispiel…
Auch gegen das Davos-Treffen im Januar wird zum Protest aufgerufen, welcher (der Protest) mit einem Film zum letzten „Gipfelprotest“ beworben wird. Dieser hat den großartigen Titel „Das Treffen der Mächtigen“ und im Text darf man dann Sachen lesen wie:

„Alle Jahre wieder treffen sich die Mächtigen dieser Erde um in Davos ihren Kaffeeklatsch abzuhalten.“
„Die Reichen sollen in Ruhe die weitere Ausbeutung der Welt vorantreiben können.“
„Welche berühmt berüchtigten Gäste werden das WEF besuchen?“

Antisemitismus von Links

Antisemitismus und Antisemitismus innerhalb der Linken waren und sind sicherlich nicht das Lieblingsthema der Linken. Ignoriert man lange diese Themen geflissentlich und sah in Antisemitismus nur ein Ideologieisntrument der Herrschenden hat man sich inzwischen dazu durchgerungen sich oberflächlich mit dem Thema zu befassen. Faktum bleibt, dass dies aber zu keiner Relevanz innerhalb der eigenen Politik führt, da man dies in die linke Vergangenheit verschob oder nur bei vermeitlich uninteressant und marginalen Gruppen zu erkennen vermochte.
So bleibt Antisemitismus mehr oder minder das Thema einer sich als Antideutsch verstehenden und/oder gelabelten Strömung, welche gerade wegen diesem immer Feind der Mehrheitslinken blieb und zu bleiben scheint.

In Hamburg wurde das Thema Antisemitismus, speziell innerhalb der Linken, im Radio Freies Sender Kombinat nach dem ersten „Antisemitismusstreit“ anno ’99 Thema. Seid dem und weiteren Vorfällen war und ist Antisemitismus zum gegenwärtigen Thema in Teilen des Radios geworden. Produkt dieser Vorfälle und Auseinandersetzung sind 3 Sendungsreihen welche sich mit Antisemitismustheorien, Antisemitismus von Links und der Geschichte von Antisemitismus ausführlich beschäftigen. Unerwähnt sollte aber auch nicht bleiben, dass gerade diese vorangetriebene Auseinandersetzung durch Teile des Radios zu eklatanten Brüchen im Radio und der Hamburger Szene führten und das FSK vom Großteil der lokalen Szene als antideutsch, nicht links oder sonst wie böse und anders betrachtet wird. Gerade die Auseinandersetzung um einen der blinden Flecken der deutschen Linken, zeigt wie stark eine Auseinandersetzung mit dem Thema verweigert und als störend empfunden wird.
Im aktuellen Transmitter, dem Programmheft des Radios, werden dies drei Reihen erneut vorgestellt, dies soll als Anlass dienen, diese hier auch vorzustellen und zu verlinken.

Theorien des Antisemitismus

Antisemitismus an der Uni Hamburg

Antisemitismus an der Uni hat in Deutschland lange Tradition. Auch im Sommersemester 2005 sollte an der Universität eine Vorlesung zum Thema „Der ‚neue‘ Antisemitismus: Ein Weltproblem?“ stattfinden. Prof. Dr. Rolf Hanisch, Professor am Institut für Internationale Angelegentheiten, war auf dem besten Wege sich dieser langen Tradition anzuschließen.

Bereits im Vorfeld hatte die Hamburger Studienbibliothek (HSB) in einem kritischen Brief an die Universitätsleitung darauf hingewiesen, dass die Ankündigung der Vorlesung im Vorlesugnssemester eine antisemitische Ausrichtung der Vorlesung vermuten ließ. Hanisch kündigt an: „Der Dozent teilt allerdings wesentliche Befunden der aktuellen Antisemitismuskritik nicht und vertritt damit eine Minderheitenposition.“ Im Sitzungsplan waren Vorlesungen zu Themen wie „Sind Juden selbst schuld am Antisemitismus?“, „Das Lebensrecht Israels? Welches Israels?“ und „Ungerechtfertigte Kritik“ an Israel und Antisemitismus: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ vorgesehen. Schon aus diesen wenigen Zeilen ließen sich fast alle Denkmuster eines sekundären Antisemitismus, eines deutschen Antisemitismus nach Auschwitz, erkennen.
Die erste Vorlesung am 07. April 2005 war von einem bunt gemischten Publikum besucht, das sich bereits in der ersten Sitzung Statements wie „Der Vorwurf des Antisemitismus trifft meist die Falschen“ oder „Die richtigen Antisemiten werden nicht verfolgt, weil wir uns nur mit den halben Antisemiten beschäftigen. Und es wird viel tabuisiert, das schränkt die wissenschaftliche Meinungsfreiheit ein“ anhörte. „Der Hanisch“ – wie er sich sekbst stets nannte – ist für Hanisch („Ich kann nur sagen: Ich leugne meinen Antisemitismus“) ebenso wenig ein Antisemit, wie Walser, Möllemann oder Hohmann. DIe ZuhöhrerInnen machten – bis auf wenige Ausnahmen – keine Anstalten, dem irgendetwas entgegen zu setzen. Einzelne verließen den Raum, die Mehrheit jedoch schien an Hanisch lockerer und jovialer Art Gefallen zu finden. Mit zynischem Grinsen verteilte Hanisch Kopien des eingangs erwähnten Briefes mit dem Hinweis, „dieser Schmutzbrief trifft den Kern, dessen was ich hier versuche zu sagen“, und bezeichnete ihn als „Pflichtlektüre“.
Trotz umfangreicher Kritik und eines zweiten FLugblattes gab es auch nach der zweiten Vorlesung weder von Hanisch nochvon den ZuhöherInnen irgendwelche Anzeichen, sich mit den Vorwürfen auseinanderzusetzen. Daraufhin beschlossen KritikerInnen, die Vorlesung zu blockieren. Die dritte Sitzung wurde deshalb von einem eigens gebildeten Bündnis gegen antisemitische Lehrveranstaltungen (BgaL) aus studierenden und außeruniversitären AntifaschistInnen mit Transparenten und Trillerpfeifen gestört. Einzelne Studierende schlossen sich dem Protest an, die große Mehrheit regte sich über die Störaktion auf: „Das ist ja wie ’33″. In der Folge kam es zu fast tumultartigen Szenen übereifriger HöherInnen, die – wie ein älterer Kommilitone mitteilte – „endlich mal die Judenfrage diskutieren“ wollten. Bei der vierten Sitzung wurde das Gebäude von AntifaschistInnen blockiert, woraufhin der damalige Geschäftsführende Direktor des Institus für Politische Wissenschaft, Prof. Dr. Friedbert Rüb, die Hanisch zugeneigten TeilnehmerInnen mit ins Institutsgebäude nahme, nicht ohne sich über die „SA-Methoden“ der Blockierenden aufzuregen. Ab diesem Zeitpunkt fand die Vorlesung unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Blocksitzungen statt, damit die Frage nach dem „Lebensrecht Israels“, was laut Prof. Rüb ja auch „in der arabischen Welt wissenschaftlich diskutiert“ werde, geklärt werden konnte.
Als Skandal muss nicht nur angesehen werden, dass ein Professor in Hamburg 2005 eine antisemitische Lehrveranstaltung halten wollte, sondern dass dies weder für Universitätsgremien noch für die Öffentlichkeit, noch für eine nennenswerte Anzahl an Studierenden ein Problem darstellte.

Aufgrund dieser desatrösen Situation an der Uni Hamburg entschloss sich das BgaL in Zusammenarbeit mit der HSB, für das folgende Semester mti einer selbstorganisierten Veranstaltungsreihe mit begleitenden Lektürekurs im Rahmen der Freien Hamburger Hochschule (FHH) eine kritische Auseinandersetzung mit Antisemitismus anzustoßen. Für den Lektürekurs wurde ein Reader zusammengestellt und ein Konzept für 8 Sitzungen erarbeitet. In diesen wurde sich mit der Antisemitismuskritik der Kritischen Theorie sowie mit verschiedenen historischen Erscheinungsformen des Antisemitismus und ihrer theoretischen Analyse auseinandergesetzt. Obwohl die erste Sitzung dieses Lektürekurses sehr gut besucht war, kamen trotz massiver Werbung leider von Sitzung zu Sitzung weniger Menschen in das Seminar. Für die verbleibenden TeilnehmerInnen entstand jedoch ein produktiver Rahmen für eine intensive Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus, die im folgenden Semester mit einem Lektürekurs zum Thema „Psychoanalyse und Antisemitismuskritik“ fortgesetzt wurde.
Parallel zum Seminar wurde eine Vortragsreihe zur Kritik und Analyse des Antisemitismus mit fünf Vorträgen organisiert, die durchgehen gut besucht waren. Vier dieser fünf Vorträge wurden für das FSK aufgezeichnet, bearbeitet und gesendet.[…]

(Abschrift aus dem aktuellen Transmitter)

Christine Achinger „Das bürgerliche Subjekt und seine Feinde. Antisemitismus und Antifeminismus am Beispiel Otto Weininger“

Den Eröffnungsvortrag dieser Sendereihe bildet „Das bürgerliche Subjekt und seine Feinde. Antisemitismus und Antifeminismus bei Otto Weininger” von Christine Achinger (University of Warwick/UK). Darin analysiert sie die 1903 erschiene Dissertation „Geschlecht und Charakter”, in der Weininger seine Theorie zweier gegensätzlicher Prinzipien „M”(ännlich) und „W”(eiblich) entwarf. Achinger interpretiert dies als die Herstellung des bürgerlichen männlichen Subjekts durch Abwehr und Verfolgung des Naturhaften und Irrationalen im Prinzip „W”. In einem weiteren vielfach unbeachteten Kapitel führt Weininger auch das Prinzip „J”(üdisch) als die Verkörperung des Abstrakten ein, das das bürgerliche Subjekt gewissermaßen von der anderen Seite bedroht. So analysiert Achinger Weiningers Text mit Hilfe der „Dialektik der Aufklärung” als Versuch der Abwehr von Naturherrschaft im Prinzip „W” und von Kulturherrschaft im Prinzip „J”, das bürgerliche Subjekt somit als permanent prekäres, eingeklemmt zwischen zwei Fronten. (Otto Weininger selbst erschoss sich im Jahr der Erscheinung seines Buches.)
Achingers Vortrag bietet sowohl eine hervorragende Einleitung in die Grundkonzeption der Dialektik der Aufklärung, als auch eine außergewöhnlich spannende Analyse der Verknüpfung von Antifeminismus und Antisemitismus.

Teil 1
Dauer: 62:09 min

Download unter http://www.freie-radios.net/

Teil 2
Dauer: 58:55 min

Download unter http://www.freie-radios.net/

Matthias Küntzel „Islamismus, Antisemitismus und Nationalsozialismus“

Im zweiten Vortrag dieser Sendereihe mit dem Titel „Islamismus, Antisemitismus und Nationalsozialismus” erläuterte der Politologe Matthias Küntzel (SICSA/Hebrew University of Jerusalem) die historische Verbindung des arabischen mit dem nationalsozialistischen Antisemitismus. Insbesondere den Ideologietransfer Nazi-Deutschlands, das über „Radio Zeesen” ein speziell entwickeltes arabisch-sprachiges Programm in den Nahen und Mittleren Osten ausstrahlte, interpretiert Küntzel als Verbindungslinie zwischen Nazis und der frühen palästinensischen Nationalbewegung unter Mufti Mohammed Amin al-Husseini.
Küntzels Vortrag ist eher historisch angelegt und sei besonders jenen empfohlen, die sich über die guten Verbindungen zwischen der Führung des Dritten Reichs und den ersten palästinensischen Nationalisten informieren wollen.

Dauer: 61:29 min

Download unter http://www.freie-radios.net/

Klaus Briegleb „„Fayngolds ‚Opfervergleich’: Über den lüstern erzählten Antisemitismus des Günter Grass”“

Der dritte Vortrag von Klaus Briegleb (Berlin) trug den Titel „Fayngolds ‚Opfervergleich’: Über den lüstern erzählten Antisemitismus des Günter Grass”.
An Günther Grass’ Roman „Blechtrommel” zeigt Briegleb exemplarisch die Verschränkung von Opferdarstellung und Obszönität. Mit der „engführenden Lektüre” einzelner Textpassagen zeigt er auf wie Antisemitismus sich unbewusst-bewusst fortschreibt. Insbesondere die Rolle des Romans in der bundesrepublikanischen Rezeption wird von Briegleb als Versuch deutscher Schuldabwehr interpretiert.

Teil 1
Dauer: 59:57 min

Download unter http://www.freie-radios.net/

Teil 2
Dauer: 60:27 min

Download unter http://www.freie-radios.net/

Frank Oliver Sobich „Wallstreet, Westbank, Weltverschwörung. Über den Zusammenhang von Antisemitismus und Antiamerikanismus“

Der vierte Vortrag dieser Sendereihe von Frank-Oliver Sobich (Bremen) zum Thema „Wallstreet, Westbank, Weltverschwörung. Über den Zusammenhang von Antisemitismus und Antiamerikanismus” geht auf die Paralellen von antiamerikanischem und antisemitischem Verschwörungsdenken ein. Sobich interpretiert beide Ressentiments als „konformistische Rebellion”, also als vemeintlich rebellischen Aufstand „ehrlicher deutscher Bürger” gegen „amerikanische Unkultur” und „seelenlosen Materialismus”. Der Antiamerikanismus gilt ihm dabei als Musterbeispiel einer Auslagerung gesellschaftlicher Konflikte in das außereuropäische Ausland, zum Beispiel wenn ständig auf die unmenschlichen Haftbedingungen im Gefangenenlager Guantanamo hingewiesen wird, dabei aber die Bedingungen in den deutschen Abschiebeknästen in unmittelbarer Nähe nicht erwähnt werden.
Sobichs Vortrag trifft eine sehr aktuelle Problematik, da eine verkürzte Kapitalismuskritik gegen „Heuschrecken” und „US-Finanzinvestoren” in breiten Teilen der Linken immer noch vertreten wird, ohne die problematischen Anknüpfungspunkte an antisemitische Stereotype zu reflektieren.

Teil 1
Dauer: 62:59 min

Download unter http://www.freie-radios.net/

Teil 2
Dauer: 47:04 min

Download unter http://www.freie-radios.net/

Geschichte und Kritik des Antisemitismus

Sendereihe zur „Geschichte und Kritik des Antisemitismus“

Die dritte Sendereihe, die derzeit zum Thema Antisemitismus auf FSK zu hören ist, ist aus der Vortragsreihe „Geschichte und Kritik des Antisemitismus“ entstanden, die im Sommersemester 2007 an der Hamburger Universität gehalten wurde und von Volker Weiß (Evangelisches Seminar Villigst), Kirsten Heinsohn (Historisches Seminar / Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg) und Gesine Carl (Historisches Seminar) organisiert und veranstaltet wurde. Hier ein Auszug des Ankündigungstextes zur Veranstaltungsreihe:

„Mit der Shoah hat der Antisemitismus im 20. Jahrhundert seinen destruktiven Höhepunkt erreicht. Die Umsetzung des nationalsozialistischen Vernichtungsantisemitismus war jedoch nur auf Basis systematischer Durchdringung weiter Teile der deutschen Bevölkerung mit antisemitischen Ressentiments in den Jahrzehnten davor möglich. Dass diese nach 1945 nicht verschwanden, sondern sich tradierten und heute in unerwartetem Ausmaß wieder an die Oberfläche zu treten vermögen, demonstriert die wandelbare Gestalt des antisemitischen Ressentiments. Seine Langlebigkeit legt nahe, dass es sich nicht um ein einfaches Vorurteil handelt. Die israelische Historikerin Shulamit Volkov prägte daher die Formel vom Antisemitismus als „kulturellem Code“. Vom religiösen Judenhass über das Phantasma rassischer und kultureller Überlegenheit bis hin zur gerecht und solidarisch sich gebenden sozialen Rebellion erweist sich das antijüdische Ressentiment als flexibel und zeitgemäß. Dass es dabei dennoch meist bestimmte Grundmuster perpetuiert, gehört zum Geheimnis seines Erfolgs.“

Im Rahmen dieser Sendereihen haben wir drei Vorträge aufgenommen, die uns besonders hörenswert erschienen und die sich dem Phänomen des Antisemitismus, seiner historischen und gesellschaftlichen Genese sowie seinen kulturellen Erscheindungsformen von unterschiedlichen Betrachtungspunkten aus nähren. Wir haben zudem versucht, bei allen Vorträgen die wichtigsten Fragen der jeweils anschließenden Diskussion zu bündeln udn zum Teil weitere Überlegungen und Diskussionspunkte einzubringen.[…]

Klaus Holz „Die Gegenwart des Antisemitismus“

Der Vortrag von Klaus Holz „Die Gegenwart des Antisemitismus“ bildete den Auftakt der Vortragsreihe und sei jeder und jedem als verständliche Einführung in die Thematik des modernen Antisemitismus empfohlen. Im ersten Teil steht die Erläuterung der „Figur des Dritten“ im modernen Antisemitismus im Vordergrund. Klaus Holz verdeutlicht seine These, inwiefern der moderne Antisemitismus strukturell ein nationaler Antisemitismus ist und welche dominanten Erscheinungsformen er gegenwärtig ausprägt.

(Abschrift aus dem aktuellen Transmitter)

Teil 1
Dauer: 59:58 min

Download unter http://www.freie-radios.net/

Teil 2
Dauer: 60:57 min

Download unter http://www.freie-radios.net/

Christine Achinger „Ambivalente Moderne. Judenbild und Nation bei Gustav Freytag“

Der zweite Vortrag der Sendereihe „Geschichte und Kritik des Antisemitismus“, gehalten von Christine Achinger, ist ein Versuch der Analyse literarischen Antisemitismus. Am Beispiel des Romans „Soll und Haben“ von Gustav Freytag zeigt Achinger die ambivalente Stellung der Moderne – sprich: das Narrativ einer „guten” (deutschen) und einer moralisch „verwerflichen” (jüdischen) Moderne – im liberalen antisemitischen Weltbild auf. Der Vortrag zeigt eindrucksvoll die Komplexität und argumentative Geschlossenheit des (modernen) antisemitischen Stereotyps auf.

Teil 1
Dauer: 60:00 min

Download unter http://www.freie-radios.net/

Teil 2
Dauer: 61:14 min

Download unter http://www.freie-radios.net/

Ole Frahm „Populäres Bild – Stereotyp – Antisemitismus“

Der Vortrag von Ole Frahm unter dem Titel „ Populäres Bild – Stereotyp – Antisemitismus“ widmet sich der literarischen Repräsentation antisemitischer Codes, allerdings in der graphischen Literatur. Im Mittelpunkt des Vortrags steht die Analyse eines Comics aus der Reihe „Tim und Struppi“ von Hergé, zu dem Ole Frahm verschiedene Interpretationen anbietet und sogar die Möglichkeit einer subversiven, sprich anti-antisemitischen Lesart eröffnet.

Teil 1
Dauer: 59:46 min

Download unter http://www.freie-radios.net/

Teil 2
Dauer: 65:39 min

Download unter http://www.freie-radios.net/

Antisemitismus von Links

“Über einen Antisemitismus von links ist viel gestritten worden, und viele Bekenntnisse sind gemacht worden. Strittig ist weniger die Frage, ob es aus den Reihen der politischen Linken antisemitische Statements und Aktionen gegeben hat oder gibt, sondern vielmehr, wie solche Äußerungen und Taten zu bewerten sind: Handelt es sich dabei um Verfehlungen einzelner Personen, oder verweisen antisemitische Denkweisen innerhalb der anarchistischen, sozialistischen und kommunistischen Linken auf einen tiefergehenden, strukturellen Zusammenhang? In der folgenden Sendereihe der Redaktion 3 des Freien Sender-Kombinats soll die wissenschaftliche Literatur vorgestellt werden, die es zu diesem Thema gibt. Besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Zeit vor 1945, also noch bevor das Erschrecken über den Holocaust verdeutlichen konnte, welche Folgen Judenfeindschaft haben kann. In den einstündigen Beiträgen zu dieser losen Sendereihe werden jeweils ein Buch oder mehrere Bücher zum Antisemitismus von links vorgestellt; jede Folge soll dabei für sich stehen, und zum Verständnis einer Sendung soll die Kenntnis der anderen Beiträge nicht notwendig sein.”

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Gesammeltes #3

Ab in die Hansestadt

Tja, ab morgen heißtz Szene und Familie besuchen.
Meet me @ the Dancefloor oder in der Lounge ^^

RischRusch – Club Tel Aviv letztes Mal in 07!
22.12. | 22Uhr | Konsum Hamburg
Hamburgs one and only Israeli Music Night

Hang with the Djs!
27.12. | MS Stubnitz Hamburg
The Dance Inc.Supershirt.Bratze.Juri Gagarin System Boogie Dj M.i.a.m.i Kiss Kiss Club Fairliebt Tshirts. JG Releaseparty!!!!

Hasenklang 2.0 feat Alec Empire (Double DJ-Set)
28.12. | Hafenklang Hamburg
Elektro-Floor:
Alec Empire (Elektro-Set)
H:Rex (Sportbrigade Sparwasser)
Deo & Z-Man (Palom Club)
Emi (Tübingen)

Hardcorefloor:
Alec Empire (Digital Hardcore/Breakcore-Set)
Icam (Drum‘n Bass/Breakcore)
Dealer Thomas Heck (NoiseHop)
0_zPot (Experimantal/Breakcore)

Schweinskecup
4. + 5.1.08 | ALsterdorfer Sporthalle Hamburg

Böses Hamburg #1

Der iranische Journalist, Autor und Dichter Freidoun Gilani von deutschen Polizisten brutal angegriffen

Letzten Samstag den 14ten Dezember um 19.30 Uhr wurde der iranische Journalist, Autor und Dichter Freidoun Gilani von deutschen Polizisten brutal angegriffen. Dies ereignete sich vor dem Burger King in der Mönkebergstraße in Hamburg. Nach Aussage des Bundeswehrkrankenhauses in Hamburg wurde sein rechtes Ohr schwer verletzt. Der Rechtsanwalt Dr. Heinz Jürgen Schneider hat Anklage gegen die Polizei erhoben. Dabei werden zwei Reporter als Zeugen benannt. Der Bericht des Krankenhauses wurde vom Rechtsanwalt dem General-Staatsanwalt übermittelt.

Bilder des Zwischenfalls können auf der Website http://www.jonbesh-iran.com eingesehen werden. (momentan erster Eintrag)

Der Angriff der Polizei fand wenige Stunden nach einer Demonstration gegen die umstrittenen Paragrafen § 129a und § 129b statt, die unter anderem politische Exil-Organisationen und deren Aktivitäten kriminalisieren. Der Journalist hatte zuvor dagegen protestiert, dass die Polizei junge Leute zusammenschlug und versucht, weitere Gewalt zu verhindern.

Im Moment gibt es gegen diese Gewalt Protest von Seiten des Iranischen Exilschriftstellerverbandes, des Internationalen Pen Centers Sektion Iran und Iranern der ganzen Welt.

Wenn Sie gegen das Vorgehen der Polizei gegen den Journalisten protestieren, schicken Sie bitte eine Kopie an den Rechtsanwalt: Fax.: 040 85 13 116, rechtsanwalt-schneider@gmx.de und an F. Gilani: Fax.: 040 209 73 001 oder gilani@f-gilani.com.

(Quelle: Socialist Party of Iran)


Foto von Shahin Noroozi und Lili Deilami

Böses Hamburg #2

Bin ich eigentlich eine der wenigen Personen der mal wieder bezeichnend fand, was sich im Verlaufe der so unglaublich gehypten Demo in Hamburg sonst so abgespielt hat?
Ich meine das Abfackeln zweier „Luxus-Autos“ und den Angriff auf die Haspa-Filiale im Schanzenviertel. Das übliche Ressentiment gegen den Konsum „der anderen“ und der Hass auf Luxus zeigt hier mal wieder sein hässliches Gesicht. Wobei das ganze auch keine Überraschung darstellt, da schon in Aufrufen zu der Demo die vermeitlich bösen Konsummeilen verteufelt und von der bösen Konsumwelt der Mehrheitsgesellschaft gefaselt.

Besondere Komik/Tragik erhält der Angriff auf die Haspa-Filiale, denn eben diese ist auch das von der Hamburger Linken wohl am meisten genutzte Geldinstitut. Es stellt sich doch die Frage wie die Autonomen jedes Mal beim Geldabheben um Bier zum Solipreis in der Flora zu kaufen ihr schlechtes Gewissen überwinden müssen…

Nachbesprechung der Demo in Hamburg

Erste Bilanz beim FSK nach der Demo.

Studiorunde zur Bewertung des polizeilichen Demonstrationsverbots und dessen Durchbrechung in der Innenstadt. Die Stimmen gegen die Repression vervielfältigen.

Teil 1
26:55 Minuten
Download bei freie-radios.org

Teil 2
31:51 Minuten
Download bei freie-radios.org

DIG-Jugend ruft zum Umtausch auf

Die Jugendorganisation der DIG hat inzwischen auch keine Lust mehr das schwarz-weiß Stoffelend zu ertragen und ruft zu einer doch sehr begrüßenswerten Umtauschaktion auf:

Revolution ohne Reue
Seit diesem Herbst ist das Palästinensertuch auch in den Modeketten angekommen. Das Jugendforum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Hamburg bietet den Umtausch an – gegen einen politisch korrekten American-Apparel-Schal
Die Kaufhauskette C & A ahnte wohl, was auf sie zukommen würde. Kaum waren die Palästinensertücher vergangenes Jahr in den Schaufenstern aufgetaucht, waren sie wieder verschwunden. Der Konzern wolle in seinem Sortiment auf „politische, religiöse oder weltanschauliche Symbolik“ verzichten, zitierte der Stern das C & A-Management.

Andere Ketten hatten weniger Skrupel, bei H & M, Zara und anderen gibt es inzwischen Palästinensertücher – sehr zum Ärger des Jugendforums der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Dessen Bundesvorsitzender Stefan Hensel hat über das Hamburger Büro der Organisation zu einer Umtauschaktion aufgerufen: „In den kommenden Tagen nehmen wir das so genannte ‚Palituch‘ entgegen und verlosen wirklich modische Schals“, heißt es in dem Aufruf, der diese Woche erschien. Die Aktion geht bis zum 20. Dezember, verlost werden Schals der Marke „Amercian Apparel“. Das Unternehmen aus Los Angeles gilt als politisch korrekt, weil es in Los Angeles selbst produzieren lässt und Mindestlöhne garantiert.

Das Palästinensertuch erfahre ein „Comeback als hippes Accessoire“, konstatiert das deutsch-israelische Jugendforum. Die „meistens jüngeren Träger“ machten sich nicht klar, dass das Tuch 1936 vom damaligen Großmufti von Jerusalem mit Gewalt gegen die eigene Bevölkerung durchgesetzt worden sei, die damals gerne europäische Hüte trug. Außerdem impliziere das Tuch „eine Sympathiebekundung mit denjenigen terroristischen Kräften, die sich mit Anschlägen vor allem gegen die Zivilbevölkerung in Israel richten“.

Die Aktion der deutsch-israelischen Jugendorganisation ist nicht die erste ihrer Art. Bereits 2002 kursierte in Berlin ein Flugblatt der zum linken „antideutschen“ Spektrum gehörenden JungedemokratInnen / Junge Linke, das „Coole Kids tragen kein Pali-Tuch“ überschrieben war. „Okay, Du bist etwas verwundert. Du trägst ein Pali-Tuch. Du bist jung, Du nennst Dich radikal, oder auch nicht. Du nennst Dich antifaschistisch, oder auch nicht. Jedenfalls trägst Du ein Pali-Tuch“, heißt es in dem Pamphlet, dass in der Szene einige Berühmtheit erlangt hat. Im Folgen wird erklärt, dass es problematisch sei, als Linker anti-israelische Positionen zu vertreten denn in der arabischen Welt gehe es Schwulen, Lesben, Feministinnen und Atheisten schlecht. Da könne man ja wohl nicht die Palästinenser verteidigen.

Offiziell hat die Deutsch-Israelische Gesellschaft, in deren Präsidium verdiente Bundespolitiker sitzen, mit der antideutschen Linken nichts zu tun. „Ich verfolge nicht deren Diskussionen“, sagt Hensel, der Initiator der Hamburger Umtauschaktion. Er fände es aber auch nicht schlimm, punktuell mit den Antideutschen übereinzustimmen. Das Tragen von Palitüchern sei in seinen Augen eine „Geschmacklosigkeit“, wenn die „Enkel der Täter“ die Träger sind.[…]

(Quelle: Taz Hamburg)

Der Aufruf des Jugendforum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft:

Jugendforum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft in Hamburg tauscht „Pali-
Schals“ aus.

Das „Pali-Tuch“ wurde seit den 1970er Jahren als Zeichen der Solidarität mit den vom Imperialismus unterdrückten vor allem von „linken“ Menschen getragen. Heute ist es immer stärker auch in der rechtsradikalen Szene als Ausdruck eines manifesten Antisemitismus vertreten, und erfährt gleichzeitig ein modisches Comeback als hippes Accessoire. Der Schal wurde diesen Herbst selbst bei Modediscountern wie „Zara“ im Schaufenster gesehen. Viele der meistens jüngeren Träger machen sich nicht klar, dass der Schal ursprünglich vor allem diktatorisch erzwungene, völkische Zugehörigkeit symbolisiert. Bereits zwischen 1936
und 1939 wurde das Kleidungsstück, das ursprünglich nur die ländlichen Fedayin Arabiens trugen, vom Großmufti von Jerusalem unter Strafandrohung bei der eigenen Bevölkerung durchgesetzt. Das Tragen europäischer Hüte wurde verboten. Diejenigen die sich wehrten, wurden verprügelt oder erschossen. Nicht zuletzt impliziert das „Palituch“ eine Sympathiebekundung mit denjenigen terroristischen Kräften, die sich durch Anschläge gegen vermeintliche Unterdrücker gezielt gegen die zivile Bevölkerung vor allem in Israel richten. Das Jugendforum der Deutsch-Israelischen Gesellschaft ruft deshalb dazu auf: Schickt uns euer „Palituch“ bis zum 20. Dezember 2007. Unter den Einsendern werden 10 Schals der Marke „American Apparel“ verlost* sowie fünf Bücher von Anetta Kahane, die aufzeigt, dass man als Antirassistin auch ohne „Palituch“ auskommen kann.
*Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Weitere Informationen zur Arbeit des Jugendforums erhaltet ihr unter:
www.deutsch-israelisches-jugendforum.de

Dein „Palituch“ schickst Du an:
Deutsch-Israelisches Jugendforum Hamburg
Krayenkamp 4c
20459 Hamburg

(Quelle: DIG-Jugendforum (pdf-Datei))

Bezeichnend ist der Rest des Artikels:

[…]Genau in diesem Punkt konvergieren die offiziell israelische und die anti-deutsche Wahrnehmung des Palituchs. Die Kinder und Kindeskinder der Täter sollen sich nicht mit denjenigen solidarisieren, die sich gegen die Kinder und Kindeskinder der Opfer stellen. So fragwürdig diese binäre Logik ist, so berechtigt ist die Frage, die sie gebiert: Kann es cool sein, Palituch zu tragen? Es ist ja nicht unbedingt notwendig, die Gleichung Palästinenser = Selbstmordattentäter aufzustellen. Es ist sogar denkbar, die israelische Besatzungspolitik zu kritisieren und trotzdem festzustellen, dass der berühmteste Palituchträger Yassir Arafat nicht nur ein glorreicher Befreiungsheld war, und dass das Leben in Palästina nicht nur wegen der Israelis schwierig sein kann, sondern auch wegen religiöser Fanatiker im palästinensischen Lager.[…]

Kollektivschuldthesen-Projektion auf die Palästinenser und als Volstrecker erneut die bösen Antideutschen und Juden? Bis auf wenige Verwirrte wird diese These von niemand vertreten. Und so gleich fühlt sich der Deutsche von der Antisemitismuskeule bedroht, wenn er mit Kritik am Antisemitismus + Antizionismus konfrontiert wird und auf die Geschichte eines Stückes Stoff wie das Pali-Tuch hingewiesen wird.

Das Bewusstsein der hiesigen Palituchträger weiß von derlei Problemen freilich nichts. „Die, die das entsprechende politische Bewusstsein haben, tragen keine Palitücher mehr, und die, die sie tragen, haben überhaupt keinen Bezug mehr dazu“, heißt es dazu aus dem Mitali Fashion Shop im Hamburger Karolinen-Viertel, einem Hauptumschlagsplatz für die Tücher mit dem Rautenmuster. Auch die Farbenlehre der Tücher – weiß-schwarz für die normalen Demonstranten / Hausbesetzer, weiß-rot für das anarchistische Lager – ist in Vergessenheit geraten. Man verkauft im Hamburger Karo-Viertel Palitücher in weiß-pink, rot-pink, in schwarz-blau und schwarz-gelb, es gibt sogar welche mit Totenkopfmuster. Mit der Vervielfältigung der Farben ist aus ihnen die Bedeutung entschwunden. Im übrigen, sagt der Verkäufer, lasse der Hype schon wieder nach, der Höhepunkt war im Herbst.

Wie immer, wenn Zeichen aus dem oppositionellen Raum in die Verwertungskette eingespeist werden, ist das Zeichen selbst nicht gleichgültig. Gerade seine verschwindende Bedeutung produziert seinen Mehrwert. Auch wenn die Träger der Palitücher davon nichts mehr zu wissen glauben, vernehmen sie von ferne einen Hauch von Revolution, von Gefahr und bewaffnetem Kampf. Es ist eine Musik, die so leise klingt, dass sie keine Angst mehr macht, aber für ein leichtes Kribbeln sorgt sie doch.

Selbst den Produzenten aber ist der Zusammenhang mittlerweile entschwunden. Eines der Modelabels, das im vergangenen Jahr den Palitücher-Boom lostrat, ist Lala Berlin. Mode und Politik hätten nichts miteinander zu tun, erklärt die Designerin (und Inhaberin) des Labels, Leyla Piedayesh. „Es lohnt sich nicht mehr, politisches Bewusstsein zu haben, wenn Ihnen das noch nicht aufgefallen ist“. Außerdem seien ihre Kaschmirtücher keineswegs Palitücher, Palitücher hätten Rauten, ihre nicht, als Vorlage hätte sie ein ägyptisches Modell genommen, die Kufiya genannte Kopfbedeckung sei schließlich im ganzen arabischen Raum verbreitet.

Andererseits: auf die Idee zu ihren Tüchern kam die Designerin, als sie ein Foto mit Johnny Depp sah, der ein Palästinensertuch trug. „Einfach nur cool“ habe sie das gefunden, erzählte Piedayesh dem Stern im März dieses Jahres. „2008 haben wir kein politisches Bewusstsein“, sagt sie jetzt. Es ist ihr abschließendes Wort zu dem Thema.

Bei „Quartier de Luxe“, einem Versandhandel mit Adresse in Prenzlauer Berg, der unter anderem die Kreationen von Lala Berlin vertreibt, sind die Tücher von Piedayesh in den Farben blau, grau und „salz for men“ aufgelistet, unter der Bezeichnung „Palituch Kaschmir“. Die Designerin hat darauf keinen Einfluss. Ein Zufall ist es aber kaum.

(den Artikel in einem Stück bei der Taz lesen…)

So kann man unter dem Deckmantel des Unpolitischen udn Unwissens alles verwischen und sich bequem zurücklehnen. Eine Beschäftigung mit der Geschichte der eigenen Eltern+Großeltern und deren Kollaborateure scheint wie gehabt unerwünscht und störend in dem neuen deutschen Bewußtsein zu sein und der „Unverkrampftheit“ der neuen Deutschen weichen zu sollen.

Aber auch die deutsche Linke scheint unwillig zu sein, sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen. So pöbelt man in verschiedensten Blogs gegen die als antideusch erkannten und ist unfähig von dem Feudel ablassen zu wollen. Die häufig richtige Erkenntnis, dass nicht das Stück Stoff antisemitisch ist wird dazu verkehrt jegliche Kritik abzuwehren. Und so verwundert es auch nicht, dass man sich nicht damit beschäftigt, dass die deutsche Linke das Pali-Tuch gerade wegen seiner politischen Bedeutung im vermeitlich guten antiimperialistischen Kampf in dem jegliche Kritik an Antisemitismus unter den Tisch fiehl und immer noch fällt. Das Lieblingskind der 68er der Antizionismus, über den schon Jean Amery schrieb: „Der Antisemitismus, enthalten im Anti-Israelismus oder Anti-Zionismus wie das Gewitter in der Wolke, ist wiederum ehrbar.“ wird heute zwar kurzweilig anerkannt, aber nur um ihn dann als Störfaktor im Hass auf Antideutsche und andere wieder vergessen zu können.

Valdimir Jankelevitch schrieb 1971 in seinem Essay „Pardonner ?“, der in vielerlei Hinsicht immer noch brandaktuell ist:

Wie werden sie sich von ihrem latenten Schuldgefühl befreien? Der Antizionismus ist in dieser Hinsicht ein ungesuchter Glücksfall, denn er gibt uns die Erlaubnis und sogar das Recht, ja selbst die Pflicht, im Namen der Demokratie Antisemit zu sein! Der Antizionismus ist der gerechtfertigte, schließlich jedermann verständlich gemachte Antisemitismus. Er ist die Erlaubnis, demokratischerweise Antisemit zu sein. Und wenn die Juden selbst Nazis wären? Das wäre wunderbar. Es wäre nicht länger nötig, sie zu bedauern; sie hätten ihr Los verdient. So entlasten sich unsere Zeitgenossen von ihrer Sorge. Denn alle Alibis sind recht, die es ihnen letztendlich gestatten, an etwas anderes zu denken. Auf den folgenden Seiten beabsichtigen wir, sie an diese Sorge zu erinnern.
Bei einem Juden kann man sich alles erlauben. Wenn es sich um einen Juden handelt, ist das Sein nicht se selbstverständlich. Die Feinde Israels »anerkennen« die Existent Israels nicht: Israel ist durchsichtig, inexistent. Man verhandelt nicht ,man führt keinen Dialog mit jemandem, der nicht existiert. Nun ist es keineswegs evident, daß ein Jude existieren darf: Ein Jude muß sich immer rechtfertigen, sich entschuldigen dafür, daß er lebt und atmet; sein Anspruch zu kämpfen um fortzubestehen und zu überleben, ist an sich ein unbegreiflicher Skandal und hat etwas Maßloses; die Vorstellung, daß die »Untermenschen« sich verteidigen könnten, erfüllt die Übermenschen mit empörter Verblüffung. Ein Jude hat nicht das Recht zu sein; seine Sünde ist, zu existieren.

Wie mans nicht machen sollte…

First: Göttingen

Am 13.12.07 fand die Kundgebung „It ’s all a little bit of history revised“ der OLAfA (Offene Linke – Alles für Alle) auf´m Jakobikirchhof statt.
An sich ein sehr gutes Anliegen im Kontext der „Wander“-Ausstellung „Zug der Erinnerung“ in Göttingen als antifaschistische Szene dazu Position zu beziehen. Der Aufruf kosntaiert auch richtig:

Die deutsche Schuld wird zur “deutschen Verantwortung” umgedeutet und macht Deutschland insbesondere außenpolitisch handlungsfähiger. Sich der Vergangenheit zu stellen scheint auch einen weiteren Schritt zu legitimieren, der vormals als vermeintliches Tabu formuliert wurde: endlich auch der deutschen Opfer zu gedenken.

So werden Entrechtete, Verfolgte und Ermordete des Nazi-Regimes mit deutschen TäterInnen gleichgesetzt und zu einem Opferbrei verkocht. Förderlich ist dies dem kollektiven Gedächtnis der deutschen Mehrheitsbevölkerung, welche einem Gedenken an Oma und Opa schon lange zugeneigt ist.

Folgerichtig wurden dann auch in Redebeiträgen auf dies erneut eingegangen (OLAfA), die deutsche Zwangsarbeiterentschädigung (BG Geschichte), deutsche Opfermythen beispielhaft an Dresden (Gruppe Gegenstrom) und gesellschaftliche (Wechsel-)Wirkung von Nazis (Redical[m]) thematisiert.

Fragen muss man sich jedoch, wie es dazu kommen kann, dass die Kundgebung neben bzw nach einer „Mahnwache“ der Gesellschaft für bedrohte Völker stattfand. Bzw. wieso man brav neben diesen deren Ende abwartete um dann die eigene Kundgebung durchzuführen.
Zugestehen muss man den Organisatoren, dass sie kurz auf die „problematischen Positionen“ der GfbV verwiesen.
Trotzdem stellt sich die Frage, wie man eine derartige Kundgebung neben dieser völkischen und revansistischen Gruppierung durchführen konnte, ohne dies zu problematisieren und eine direkte Kritik zu formulieren. Es stellt sich hier schon die Frage wieso einer Konfrontation mit dieser widerlichen NGO aus dem Weg gegangen wird, obwohl sie eine bundesweite aber auch lokale Manifestation von deutschen Revanchismus und völkischem Denken darstellt.
Wäre man böswillig könnte man auch unterstellen, dass der vermeitlich linksliberale Gestus der GfbV dieser zum Schutz vor einer antifaschistischen Kritik in Göttingen reicht, bestes Beispiel sei hier erneut das Online-Magazin goest.de, welches in einem extra Artikel die GfbV vor Kritik in Schutz nimmt. Oder man befürchtet andere bürgerliche Kräfte durch eine derartige Kritik zu verärgern.

Die Göttinger Phase2 Redaktion schrieb in der Phase2 09/2003 zur GfbV:

[…]Eine der zivilgesellschaftlichen VorreiterInnen im Interesse des »Bundes der Vertriebenen« und deren revisionistischen und revanchistischen Forderungen in der Debatte um das »Zentrum gegen Vertreibung« ist die zweitgrößte Menschenrechtsorganisation »Gesellschaft für bedrohte Völker« (GfbV).[…]
Tillmann Zülch, Gründer (1970) und amtierender Präsident der GfbV, wurde vom »Bund der Vertriebenen« in deren Beratungsgremium zum Aufbau des Zentrums in Berlin berufen. Besonders geeignet scheint Zülch einerseits, weil er als Vorsitzender einer Menschenrechtsorganisation, also hauptamtlicher Gutmensch, offiziell keine politischen Interessen vertritt, und sich andererseits im Engagement beider Organisationen für die Interessen des »deutschen Volkes« eine größtmögliche Schnittstelle bietet, denn in den Augen der GfbV werden die Deutschen zu einem der meist bedrohten Völker der Welt hochstilisiert. Wenig überraschend ist diese Laison auch nachdem der BdV Zülch schon 2001 die Plakette »für den Einsatz um die Menscherechte der deutschen Vertriebenen« verliehen hatte, weil Zülch sich 2001 bezüglich der EU-Beitrittsländer für die Rücknahme der Verordnungen und Gesetze, die die »Vertreibung« der Deutschen nach dem 2.Weltkrieg anordneten bzw. legalisierten, eingesetzt hatte. Mit dem »Zentrum gegen Vertreibung« will Zülch der angeblichen Verdrängung der »Massenvertreibung der Deutschen« innerhalb der Bundesrepublik entgegen treten, um gleichzeitig einen wesentlichen Beitrag zur weltweiten Ächtung von Vertreibung zu leisten und den gegenwärtigen Opfern von Vertreibung Tribut zu zollen.[…]

Insbesondere fordert die GfbV die Förderung der Zuwanderung deutscher Volksangehöriger, sprich Spätaussiedler bzw. Russlanddeutschen und Rumäniendeutschen, da sie nach wie vor als »Volksgruppe kollektiv Opfer der Politik der Gewaltregime Hitlers und Stalin geworden« seien.Die Absurdität, Deutsche als Opfer der Politik Hitlers zu begreifen, bedarf an dieser Stelle keiner weiteren Erklärungen, und auch dass die GfbV infolge dieser schlichtweg falschen Behauptung sich in Bezug auf sogenannte »Volksdeutsche« für gleiche Maßstäbe, wie sie bei Opfern von Naziverbrechen gelten, einsetzt, kann nur als die bewusste und weitgehende Relativierung des Vernichtungskriegs der Deutschen verstanden werden. Tillmann Zülch erklärte hierzu in aller Deutlichkeit: »In der Weltgeschichte ist die Vertreibung der Deutschen aus Osteuropa 1945 bis 1948 der schwerste Fall.« Dem Holocaust jedoch, werde ein zu großer Stellenwert eingeräumt.Und obwohl die GfbV jedes »Volk« irgendeiner Bedrohung ausgesetzt sieht, bleibt das »jüdische Volk« weitgehend unerwähnt, es handelt sich hierbei also nicht um ein »Volk«, das es zu schützen gilt. Man ahnt, wohin die Reise geht, und kann sich in einer Stellungnahme der GfbV zum Friedensprozess im Nahen Osten überzeugen: »… durch Ariel Sharon samt seiner rechtsnationalistischen Freunde dreht sich die Spirale der Gewalt«, »die Menschenrechtsverletzungen seitens Israel gehen unvermindert weiter« in »einem brutalen Krieg gegen das palästinensische Volk« und die »antikolonialistische Revolte« der Al-Aqsa-Initfada.

Eine antifaschistische Linke, welche in Gedenkpolitik und Erinnerungsdiskurs intervenieren will, muss eine umfassende Kritik der bürgerlichen Erinnerungspolitik forcieren. Dabei kann es nicht darum gehen durch das Gerede von einer „gesellschaftlichen Marginalisierung“ der Linken eine Entschärfung der Kritik oder selbst Beschränkung dieser zu betreiben.
Der Diskurs der deutschen Gesellschaft muss umfassend angegriffen werden, auch wenn das in letzter Konsequenz bedeutet (partielle) bürgerliche Bündnispartner oder linke Gruppierung in diese mit einzubeziehen.

Second: Ali

Die Ali ruft zur Demo in Bad Lauterberg im Harz auf um gegen „immer offensiver auftretende Neonazistrukturen“ zu demonstrieren. Wieder ein an sich gutes Anliegen und auch die Unterstützung der lokalen Antifa im Harz ist auch zu befürworten.
Jedoch versucht sich die Ali in einer Analyse von Anknüpfpunkten der Naziszene in der deutschen Gesellschaft:

Die verbrecherische Ideologie der Neonazis knüpft an weit verbreitete Politikvorstellungen in der Gesellschaft an. Nationalismus, Antisemitismus und Rassismus entstehen auch aus der Mitte dieser Gesellschaft. Neonazistrukturen können sich dort ausbreiten, wo ihnen bisher nur wenig Widerstände entgegen gesetzt wurden, in einem Klima des Wegschauens und Verschweigens.

Wow welch Analyse, Nazistrukturen erstarken also nur dort wo es keine starke Linke gebe und Ideologien wie Antisemitismus, Rassismus und Nationalismus sind allein durch „Wegschauen und Verschweigen“ bedingt?

Genug der Polemik, solche Texte spiegeln wieder, wo man sich immer noch analytisch bewegt und das man aus dem Scheitern der Antifabewegung und auch aus der „Teil-Entmachtung“ in Bezug auf Antinaziarbeit durch das neue Deutschland nichts gelernt hat. Und das, obwohl es eine doch sehr kontroverse Diskussion zum Antifakonzept gab.
Hier sei auf die Analysen des BGR Leipzig verwiesen, welche in ihren Texten zum rechten Konsens das Entstehen und Etablieren von diesem analysierte und zum Umgang mit lokalen Naziszenen und Gegeninitiativen meiner Meinung nach immer noch aktuell analysierte:

Die schwache inhaltliche Auseinandersetzung mit Nazipositionen in der Öffentlichkeit signalisiert das Scheitern des Projekts zivilgesellschaftlicher Reaktionen auf die erstarkte Naziszene, das im Ergebnis eines Bombenanschlags auf jüdische EinwanderInnen im Sommer 2000 und des sich anschließenden „Aufstands der Anständigen“ verfolgt wurde und bis heute mit Geldern des Bundes und der Länder unterstützt wird. Das Scheitern des zivilgesellschaftlichen
Antinaziprojekts verdeutlicht die gesamtgesellschaftliche Dimension des Naziproblems.
Während die gegen Nazis gerichteten Demonstrationen für Deutschland immer noch erfolgreich durchführbar sind, wie zuletzt der von Antifa bis CSU von Gewerkschaften bis Verband der deutschen Industrie in Szene gesetzte „Tag für Demokratie“ am 8. Mai bewies, ist der „Aufstand der Anständigen“ samt seiner institutionellen Ausformungen in den Naziprovinzen ohne Wirkung geblieben. Dabei schien gerade in den Bündnissen, Netzwerken und Zentren für die Opfer der Nazigewalt das Potential zu liegen, das die Antifabewegung nie erreichte, den Nazis vor Ort permanent entgegentreten zu können, ihre Aktivitäten nicht nur zu beobachten, sondern so zu thematisieren, dass lokale oder regionale Behörden zum Einschreiten gegen Nazistrukturen bzw. zur Unterstützung oder wenigstens dem Schutz von Initiativen, die sich nicht in den rechten Konsens integrieren lassen, gezwungen sind.
Die Ergebnisse sind nach knapp fünf Jahren ernüchternd. Über die Aufklärungsarbeit, was eigentlich Nazis sind, und die gelegentliche Veranstaltung von Multikultifesten oder nazifreien Diskos gehen die Aktivitäten faktisch nicht hinaus. Die notwendige Skandalisierung des rechten Konsens
kann von den zivilgesellschaftlichen Initiativen nicht erreicht werden, noch weniger gelingt es ihnen erkennbaren Druck auf Kommunen oder Verantwortliche auf Landesebene aufzubauen. Statt dessen organisiert sich das an den Fördertöpfen hängende Spektrum von Intiativen und AktivistInnen in Kreisen wie dem „Bündnis tolerantes Sachsen“, wo das Hauptaugenmerk neben der Imagepflege auf dem Kampf gegen „Gewalt“ und „Extremismus“ liegt. Damit wird auf der Ebene des inhaltlich maßgeblichen Netzwerks das Naziproblem bereits entnannt, die Mitte der Gesellschaft, aus der es – wie seit im Sommer 2000
breit anerkannt wurde – stammt, wird dort zum erhaltenswerten Kern, der gegen den „Extremismus“ zu verteidigen sei.
[…]
Gegenkonzepte
Lag bisher der Fokus unserer Kritik an der Zivilgesellschaft auf ihren Zielen, die auch dann kritikwürdig wären, wenn den zivilgesellschaftlichen Initiativen ein effektives Vorgehen gegen die Nazibewegung zugesprochen werden könnte, müssen diese Initiativen heute auch kritisiert werden, weil sich an ihnen zeigt, dass Nazihegemonie und rechter Konsens nur bekämpft werden können, wenn das Naziproblem nicht nur als gesellschaftliches benannt, sondern auch behandelt wird. Die offensive Entgegensetzung zu den zivilgesellschaftlichen Ansätzen muss Bestandteil antifaschistischer Interventionen sein, sollen diese nicht von Anti-„Extremismus“- und Anti-„Gewalt“-Bündnissen vereinnahmt werden. Mit einer solchen Haltung kehrte antifaschistische Bündnispolitik wieder zu ihren Grundlagen zurück, sich nämlich nur unter der Bedingung auf die Zusammenarbeit mit anderen Kräften gegen die Nazis einzulassen,
wenn in dieser Zusammenarbeit die inhaltliche Eindeutigkeit der vertretenen Position erkennbar bleibt.
Und das heißt bezogen auf die Nazis immer noch, nicht den einzelnen organisatorischen Nazizusammenhang oder gar einzelne Nazis ins Zentrum des Interesses zu rücken, sondern die gesellschaftliche Situation anzugreifen, in der sich Nazipositionen ins allgemeine Meinungsbild einfügen, Nazipositionen nicht inhaltlich widersprochen werden kann und Nazistrukturen als Bestandteil der gesellschaftlichen Ordnung akzeptiert sind.
Doch diese Grundforderungen an antifaschistisches Handeln verweisen nur auf das Problem, sie stellen noch keine Strategie zu seiner Lösung dar. Sollte die konkrete Bedrohung durch Nazis den Angriff auf diese notwendig machen, muss die Reaktion, um nicht völlig ins Leere zu gehen, die gesellschaftliche Situation thematisieren und auf ihre Veränderung drängen, damit wenigstens die unmittelbare Unterstützung der gewalttätigen Nazicliquen
unterbrochen wird. Nur so kommt es zur bürgerlichen Abgrenzung von der „ganz normalen“ Nazijugend, zur Schließung von Nazitreffpunkten etc.
[…]Die Skandalisierung des Nazitums, die bis dahin das Mittel der Wahl war, um durch äußeren Druck eine lokale Veränderung zu bewirken, erwies sich nur als bedingt tauglich. Zum einen, weil die Skandalisierungen nie dazu führten, dass über den lokal thematisierten Punkt hinaus ein gesellschaftlicher Veränderungsprozess eingesetzt hätte, zum anderen, weil die durch die Skandalisierung erreichten Veränderungen keine dauerhafte Wirkung entfalten konnten, so dass sich in der Regel rasch eine Verlagerung des Naziproblems zeigte.
Für eine breitere Wirkung der Skandalisierungen wäre es nötig gewesen, dass sich die mit ihnen verbundene gesellschaftliche Analyse tiefer durchgesetzt hätte, als es in der nicht mit Inhalt gefüllten Formulierung vom „Naziproblem aus der Mitte der Gesellschaft“ erfolgte. Die von uns favorisierte Variante war deshalb in den letzten Jahren, neben punktuellen Reaktionen auf Naziaktivitäten verstärkt den gesellschaftlichen Konsens und Verschiebungen in ihm zu thematisieren.

Anstatt die gesellschaftlichen Zustände zu bekämpfen in denen hier die Naziszene floriert reiht man sich lieber in die Anti-Nazi-Front ein und spielt Antifa für die deutsche Republik.

Third: Ali Reloaded

So leicht verliert man die Solidarität der Göttinger Internationalisten, wenn man „plötzlich“ auf der Seite deren „politischen Hauptfeindes“ steht.

Auf der anderen Seite geht es uns keineswegs um eine Solidarisierung mit dem Programm des Kongra-Gel bzw. der PKK, die mit ihrer Befürwortung des US-Angriffskrieges gegen den Irak viele Sympathien verspielt hat. Angesichts der rassistischen Übergriffe müssen solche Differenzen aber zurückstehen.
Eine Lösung für die kurdische Bevölkerung in der Türkei wird der EU-Beitritt nicht bringen, das haben die letzten Jahre gezeigt. Vielmehr deutet sich an, dass eine Verbesserung der Situation der KurdInnen nur im Rahmen einer allgemeinen Demokratisierung des Nahen Ostens stattfinden kann. Autoritäre Regime und ihre westlichen Bündnispartner sowie der durch militärische Interventionen gewachsene islamistische Terrorismus* haben dort in den vergangenen Jahren alle Wege verbaut. Dass das US-Konzept „Demokratisierung durch Krieg“ keine Antwort ist, zeigt der Irak-Krieg und dessen Folgen sowie die Intervention in Afghanistan.

Deshalb: Schluss mit Krieg und Besatzung im Nahen Osten! Solidarität mit den Kurden und Kurdinnen! Keine türkische Intervention im Nordirak!

(Quelle: Ali)

Das die Intervention im Irak, was auch immer man von dieser hält, für eine partielle Autonomie des kurdischen Irak gesorgt hat, kann man sich wohl hier nicht mal ansatzweise eingestehen.
Was diese mit „Autoritäre Regime und ihre westlichen Bündnispartner“ und „Schluss mit Krieg und Besatzung im Nahen Osten!“ kann man spekulieren, aber ich glaube da erübrigt sich jegliches Kommentar. Es spricht schon für sich, was für einen Rundumschlag man hier auf Basis eines derartigen Themas schafft. Widerlich präsentiert sich auch die „Analyse“ von Terrorismus wenn dieser als „durch militärische Interventionen gewachsene islamistische Terrorismus“ bezeichnet wird.