Antisemitismus von Links

Antisemitismus und Antisemitismus innerhalb der Linken waren und sind sicherlich nicht das Lieblingsthema der Linken. Ignoriert man lange diese Themen geflissentlich und sah in Antisemitismus nur ein Ideologieisntrument der Herrschenden hat man sich inzwischen dazu durchgerungen sich oberflächlich mit dem Thema zu befassen. Faktum bleibt, dass dies aber zu keiner Relevanz innerhalb der eigenen Politik führt, da man dies in die linke Vergangenheit verschob oder nur bei vermeitlich uninteressant und marginalen Gruppen zu erkennen vermochte.
So bleibt Antisemitismus mehr oder minder das Thema einer sich als Antideutsch verstehenden und/oder gelabelten Strömung, welche gerade wegen diesem immer Feind der Mehrheitslinken blieb und zu bleiben scheint.

In Hamburg wurde das Thema Antisemitismus, speziell innerhalb der Linken, im Radio Freies Sender Kombinat nach dem ersten „Antisemitismusstreit“ anno ’99 Thema. Seid dem und weiteren Vorfällen war und ist Antisemitismus zum gegenwärtigen Thema in Teilen des Radios geworden. Produkt dieser Vorfälle und Auseinandersetzung sind 3 Sendungsreihen welche sich mit Antisemitismustheorien, Antisemitismus von Links und der Geschichte von Antisemitismus ausführlich beschäftigen. Unerwähnt sollte aber auch nicht bleiben, dass gerade diese vorangetriebene Auseinandersetzung durch Teile des Radios zu eklatanten Brüchen im Radio und der Hamburger Szene führten und das FSK vom Großteil der lokalen Szene als antideutsch, nicht links oder sonst wie böse und anders betrachtet wird. Gerade die Auseinandersetzung um einen der blinden Flecken der deutschen Linken, zeigt wie stark eine Auseinandersetzung mit dem Thema verweigert und als störend empfunden wird.
Im aktuellen Transmitter, dem Programmheft des Radios, werden dies drei Reihen erneut vorgestellt, dies soll als Anlass dienen, diese hier auch vorzustellen und zu verlinken.

Theorien des Antisemitismus

Antisemitismus an der Uni Hamburg

Antisemitismus an der Uni hat in Deutschland lange Tradition. Auch im Sommersemester 2005 sollte an der Universität eine Vorlesung zum Thema „Der ‚neue‘ Antisemitismus: Ein Weltproblem?“ stattfinden. Prof. Dr. Rolf Hanisch, Professor am Institut für Internationale Angelegentheiten, war auf dem besten Wege sich dieser langen Tradition anzuschließen.

Bereits im Vorfeld hatte die Hamburger Studienbibliothek (HSB) in einem kritischen Brief an die Universitätsleitung darauf hingewiesen, dass die Ankündigung der Vorlesung im Vorlesugnssemester eine antisemitische Ausrichtung der Vorlesung vermuten ließ. Hanisch kündigt an: „Der Dozent teilt allerdings wesentliche Befunden der aktuellen Antisemitismuskritik nicht und vertritt damit eine Minderheitenposition.“ Im Sitzungsplan waren Vorlesungen zu Themen wie „Sind Juden selbst schuld am Antisemitismus?“, „Das Lebensrecht Israels? Welches Israels?“ und „Ungerechtfertigte Kritik“ an Israel und Antisemitismus: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ vorgesehen. Schon aus diesen wenigen Zeilen ließen sich fast alle Denkmuster eines sekundären Antisemitismus, eines deutschen Antisemitismus nach Auschwitz, erkennen.
Die erste Vorlesung am 07. April 2005 war von einem bunt gemischten Publikum besucht, das sich bereits in der ersten Sitzung Statements wie „Der Vorwurf des Antisemitismus trifft meist die Falschen“ oder „Die richtigen Antisemiten werden nicht verfolgt, weil wir uns nur mit den halben Antisemiten beschäftigen. Und es wird viel tabuisiert, das schränkt die wissenschaftliche Meinungsfreiheit ein“ anhörte. „Der Hanisch“ – wie er sich sekbst stets nannte – ist für Hanisch („Ich kann nur sagen: Ich leugne meinen Antisemitismus“) ebenso wenig ein Antisemit, wie Walser, Möllemann oder Hohmann. DIe ZuhöhrerInnen machten – bis auf wenige Ausnahmen – keine Anstalten, dem irgendetwas entgegen zu setzen. Einzelne verließen den Raum, die Mehrheit jedoch schien an Hanisch lockerer und jovialer Art Gefallen zu finden. Mit zynischem Grinsen verteilte Hanisch Kopien des eingangs erwähnten Briefes mit dem Hinweis, „dieser Schmutzbrief trifft den Kern, dessen was ich hier versuche zu sagen“, und bezeichnete ihn als „Pflichtlektüre“.
Trotz umfangreicher Kritik und eines zweiten FLugblattes gab es auch nach der zweiten Vorlesung weder von Hanisch nochvon den ZuhöherInnen irgendwelche Anzeichen, sich mit den Vorwürfen auseinanderzusetzen. Daraufhin beschlossen KritikerInnen, die Vorlesung zu blockieren. Die dritte Sitzung wurde deshalb von einem eigens gebildeten Bündnis gegen antisemitische Lehrveranstaltungen (BgaL) aus studierenden und außeruniversitären AntifaschistInnen mit Transparenten und Trillerpfeifen gestört. Einzelne Studierende schlossen sich dem Protest an, die große Mehrheit regte sich über die Störaktion auf: „Das ist ja wie ’33″. In der Folge kam es zu fast tumultartigen Szenen übereifriger HöherInnen, die – wie ein älterer Kommilitone mitteilte – „endlich mal die Judenfrage diskutieren“ wollten. Bei der vierten Sitzung wurde das Gebäude von AntifaschistInnen blockiert, woraufhin der damalige Geschäftsführende Direktor des Institus für Politische Wissenschaft, Prof. Dr. Friedbert Rüb, die Hanisch zugeneigten TeilnehmerInnen mit ins Institutsgebäude nahme, nicht ohne sich über die „SA-Methoden“ der Blockierenden aufzuregen. Ab diesem Zeitpunkt fand die Vorlesung unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Blocksitzungen statt, damit die Frage nach dem „Lebensrecht Israels“, was laut Prof. Rüb ja auch „in der arabischen Welt wissenschaftlich diskutiert“ werde, geklärt werden konnte.
Als Skandal muss nicht nur angesehen werden, dass ein Professor in Hamburg 2005 eine antisemitische Lehrveranstaltung halten wollte, sondern dass dies weder für Universitätsgremien noch für die Öffentlichkeit, noch für eine nennenswerte Anzahl an Studierenden ein Problem darstellte.

Aufgrund dieser desatrösen Situation an der Uni Hamburg entschloss sich das BgaL in Zusammenarbeit mit der HSB, für das folgende Semester mti einer selbstorganisierten Veranstaltungsreihe mit begleitenden Lektürekurs im Rahmen der Freien Hamburger Hochschule (FHH) eine kritische Auseinandersetzung mit Antisemitismus anzustoßen. Für den Lektürekurs wurde ein Reader zusammengestellt und ein Konzept für 8 Sitzungen erarbeitet. In diesen wurde sich mit der Antisemitismuskritik der Kritischen Theorie sowie mit verschiedenen historischen Erscheinungsformen des Antisemitismus und ihrer theoretischen Analyse auseinandergesetzt. Obwohl die erste Sitzung dieses Lektürekurses sehr gut besucht war, kamen trotz massiver Werbung leider von Sitzung zu Sitzung weniger Menschen in das Seminar. Für die verbleibenden TeilnehmerInnen entstand jedoch ein produktiver Rahmen für eine intensive Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus, die im folgenden Semester mit einem Lektürekurs zum Thema „Psychoanalyse und Antisemitismuskritik“ fortgesetzt wurde.
Parallel zum Seminar wurde eine Vortragsreihe zur Kritik und Analyse des Antisemitismus mit fünf Vorträgen organisiert, die durchgehen gut besucht waren. Vier dieser fünf Vorträge wurden für das FSK aufgezeichnet, bearbeitet und gesendet.[…]

(Abschrift aus dem aktuellen Transmitter)

Christine Achinger „Das bürgerliche Subjekt und seine Feinde. Antisemitismus und Antifeminismus am Beispiel Otto Weininger“

Den Eröffnungsvortrag dieser Sendereihe bildet „Das bürgerliche Subjekt und seine Feinde. Antisemitismus und Antifeminismus bei Otto Weininger” von Christine Achinger (University of Warwick/UK). Darin analysiert sie die 1903 erschiene Dissertation „Geschlecht und Charakter”, in der Weininger seine Theorie zweier gegensätzlicher Prinzipien „M”(ännlich) und „W”(eiblich) entwarf. Achinger interpretiert dies als die Herstellung des bürgerlichen männlichen Subjekts durch Abwehr und Verfolgung des Naturhaften und Irrationalen im Prinzip „W”. In einem weiteren vielfach unbeachteten Kapitel führt Weininger auch das Prinzip „J”(üdisch) als die Verkörperung des Abstrakten ein, das das bürgerliche Subjekt gewissermaßen von der anderen Seite bedroht. So analysiert Achinger Weiningers Text mit Hilfe der „Dialektik der Aufklärung” als Versuch der Abwehr von Naturherrschaft im Prinzip „W” und von Kulturherrschaft im Prinzip „J”, das bürgerliche Subjekt somit als permanent prekäres, eingeklemmt zwischen zwei Fronten. (Otto Weininger selbst erschoss sich im Jahr der Erscheinung seines Buches.)
Achingers Vortrag bietet sowohl eine hervorragende Einleitung in die Grundkonzeption der Dialektik der Aufklärung, als auch eine außergewöhnlich spannende Analyse der Verknüpfung von Antifeminismus und Antisemitismus.

Teil 1
Dauer: 62:09 min

Download unter http://www.freie-radios.net/

Teil 2
Dauer: 58:55 min

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Matthias Küntzel „Islamismus, Antisemitismus und Nationalsozialismus“

Im zweiten Vortrag dieser Sendereihe mit dem Titel „Islamismus, Antisemitismus und Nationalsozialismus” erläuterte der Politologe Matthias Küntzel (SICSA/Hebrew University of Jerusalem) die historische Verbindung des arabischen mit dem nationalsozialistischen Antisemitismus. Insbesondere den Ideologietransfer Nazi-Deutschlands, das über „Radio Zeesen” ein speziell entwickeltes arabisch-sprachiges Programm in den Nahen und Mittleren Osten ausstrahlte, interpretiert Küntzel als Verbindungslinie zwischen Nazis und der frühen palästinensischen Nationalbewegung unter Mufti Mohammed Amin al-Husseini.
Küntzels Vortrag ist eher historisch angelegt und sei besonders jenen empfohlen, die sich über die guten Verbindungen zwischen der Führung des Dritten Reichs und den ersten palästinensischen Nationalisten informieren wollen.

Dauer: 61:29 min

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Klaus Briegleb „„Fayngolds ‚Opfervergleich’: Über den lüstern erzählten Antisemitismus des Günter Grass”“

Der dritte Vortrag von Klaus Briegleb (Berlin) trug den Titel „Fayngolds ‚Opfervergleich’: Über den lüstern erzählten Antisemitismus des Günter Grass”.
An Günther Grass’ Roman „Blechtrommel” zeigt Briegleb exemplarisch die Verschränkung von Opferdarstellung und Obszönität. Mit der „engführenden Lektüre” einzelner Textpassagen zeigt er auf wie Antisemitismus sich unbewusst-bewusst fortschreibt. Insbesondere die Rolle des Romans in der bundesrepublikanischen Rezeption wird von Briegleb als Versuch deutscher Schuldabwehr interpretiert.

Teil 1
Dauer: 59:57 min

Download unter http://www.freie-radios.net/

Teil 2
Dauer: 60:27 min

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Frank Oliver Sobich „Wallstreet, Westbank, Weltverschwörung. Über den Zusammenhang von Antisemitismus und Antiamerikanismus“

Der vierte Vortrag dieser Sendereihe von Frank-Oliver Sobich (Bremen) zum Thema „Wallstreet, Westbank, Weltverschwörung. Über den Zusammenhang von Antisemitismus und Antiamerikanismus” geht auf die Paralellen von antiamerikanischem und antisemitischem Verschwörungsdenken ein. Sobich interpretiert beide Ressentiments als „konformistische Rebellion”, also als vemeintlich rebellischen Aufstand „ehrlicher deutscher Bürger” gegen „amerikanische Unkultur” und „seelenlosen Materialismus”. Der Antiamerikanismus gilt ihm dabei als Musterbeispiel einer Auslagerung gesellschaftlicher Konflikte in das außereuropäische Ausland, zum Beispiel wenn ständig auf die unmenschlichen Haftbedingungen im Gefangenenlager Guantanamo hingewiesen wird, dabei aber die Bedingungen in den deutschen Abschiebeknästen in unmittelbarer Nähe nicht erwähnt werden.
Sobichs Vortrag trifft eine sehr aktuelle Problematik, da eine verkürzte Kapitalismuskritik gegen „Heuschrecken” und „US-Finanzinvestoren” in breiten Teilen der Linken immer noch vertreten wird, ohne die problematischen Anknüpfungspunkte an antisemitische Stereotype zu reflektieren.

Teil 1
Dauer: 62:59 min

Download unter http://www.freie-radios.net/

Teil 2
Dauer: 47:04 min

Download unter http://www.freie-radios.net/

Geschichte und Kritik des Antisemitismus

Sendereihe zur „Geschichte und Kritik des Antisemitismus“

Die dritte Sendereihe, die derzeit zum Thema Antisemitismus auf FSK zu hören ist, ist aus der Vortragsreihe „Geschichte und Kritik des Antisemitismus“ entstanden, die im Sommersemester 2007 an der Hamburger Universität gehalten wurde und von Volker Weiß (Evangelisches Seminar Villigst), Kirsten Heinsohn (Historisches Seminar / Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg) und Gesine Carl (Historisches Seminar) organisiert und veranstaltet wurde. Hier ein Auszug des Ankündigungstextes zur Veranstaltungsreihe:

„Mit der Shoah hat der Antisemitismus im 20. Jahrhundert seinen destruktiven Höhepunkt erreicht. Die Umsetzung des nationalsozialistischen Vernichtungsantisemitismus war jedoch nur auf Basis systematischer Durchdringung weiter Teile der deutschen Bevölkerung mit antisemitischen Ressentiments in den Jahrzehnten davor möglich. Dass diese nach 1945 nicht verschwanden, sondern sich tradierten und heute in unerwartetem Ausmaß wieder an die Oberfläche zu treten vermögen, demonstriert die wandelbare Gestalt des antisemitischen Ressentiments. Seine Langlebigkeit legt nahe, dass es sich nicht um ein einfaches Vorurteil handelt. Die israelische Historikerin Shulamit Volkov prägte daher die Formel vom Antisemitismus als „kulturellem Code“. Vom religiösen Judenhass über das Phantasma rassischer und kultureller Überlegenheit bis hin zur gerecht und solidarisch sich gebenden sozialen Rebellion erweist sich das antijüdische Ressentiment als flexibel und zeitgemäß. Dass es dabei dennoch meist bestimmte Grundmuster perpetuiert, gehört zum Geheimnis seines Erfolgs.“

Im Rahmen dieser Sendereihen haben wir drei Vorträge aufgenommen, die uns besonders hörenswert erschienen und die sich dem Phänomen des Antisemitismus, seiner historischen und gesellschaftlichen Genese sowie seinen kulturellen Erscheindungsformen von unterschiedlichen Betrachtungspunkten aus nähren. Wir haben zudem versucht, bei allen Vorträgen die wichtigsten Fragen der jeweils anschließenden Diskussion zu bündeln udn zum Teil weitere Überlegungen und Diskussionspunkte einzubringen.[…]

Klaus Holz „Die Gegenwart des Antisemitismus“

Der Vortrag von Klaus Holz „Die Gegenwart des Antisemitismus“ bildete den Auftakt der Vortragsreihe und sei jeder und jedem als verständliche Einführung in die Thematik des modernen Antisemitismus empfohlen. Im ersten Teil steht die Erläuterung der „Figur des Dritten“ im modernen Antisemitismus im Vordergrund. Klaus Holz verdeutlicht seine These, inwiefern der moderne Antisemitismus strukturell ein nationaler Antisemitismus ist und welche dominanten Erscheinungsformen er gegenwärtig ausprägt.

(Abschrift aus dem aktuellen Transmitter)

Teil 1
Dauer: 59:58 min

Download unter http://www.freie-radios.net/

Teil 2
Dauer: 60:57 min

Download unter http://www.freie-radios.net/

Christine Achinger „Ambivalente Moderne. Judenbild und Nation bei Gustav Freytag“

Der zweite Vortrag der Sendereihe „Geschichte und Kritik des Antisemitismus“, gehalten von Christine Achinger, ist ein Versuch der Analyse literarischen Antisemitismus. Am Beispiel des Romans „Soll und Haben“ von Gustav Freytag zeigt Achinger die ambivalente Stellung der Moderne – sprich: das Narrativ einer „guten” (deutschen) und einer moralisch „verwerflichen” (jüdischen) Moderne – im liberalen antisemitischen Weltbild auf. Der Vortrag zeigt eindrucksvoll die Komplexität und argumentative Geschlossenheit des (modernen) antisemitischen Stereotyps auf.

Teil 1
Dauer: 60:00 min

Download unter http://www.freie-radios.net/

Teil 2
Dauer: 61:14 min

Download unter http://www.freie-radios.net/

Ole Frahm „Populäres Bild – Stereotyp – Antisemitismus“

Der Vortrag von Ole Frahm unter dem Titel „ Populäres Bild – Stereotyp – Antisemitismus“ widmet sich der literarischen Repräsentation antisemitischer Codes, allerdings in der graphischen Literatur. Im Mittelpunkt des Vortrags steht die Analyse eines Comics aus der Reihe „Tim und Struppi“ von Hergé, zu dem Ole Frahm verschiedene Interpretationen anbietet und sogar die Möglichkeit einer subversiven, sprich anti-antisemitischen Lesart eröffnet.

Teil 1
Dauer: 59:46 min

Download unter http://www.freie-radios.net/

Teil 2
Dauer: 65:39 min

Download unter http://www.freie-radios.net/

Antisemitismus von Links

“Über einen Antisemitismus von links ist viel gestritten worden, und viele Bekenntnisse sind gemacht worden. Strittig ist weniger die Frage, ob es aus den Reihen der politischen Linken antisemitische Statements und Aktionen gegeben hat oder gibt, sondern vielmehr, wie solche Äußerungen und Taten zu bewerten sind: Handelt es sich dabei um Verfehlungen einzelner Personen, oder verweisen antisemitische Denkweisen innerhalb der anarchistischen, sozialistischen und kommunistischen Linken auf einen tiefergehenden, strukturellen Zusammenhang? In der folgenden Sendereihe der Redaktion 3 des Freien Sender-Kombinats soll die wissenschaftliche Literatur vorgestellt werden, die es zu diesem Thema gibt. Besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf der Zeit vor 1945, also noch bevor das Erschrecken über den Holocaust verdeutlichen konnte, welche Folgen Judenfeindschaft haben kann. In den einstündigen Beiträgen zu dieser losen Sendereihe werden jeweils ein Buch oder mehrere Bücher zum Antisemitismus von links vorgestellt; jede Folge soll dabei für sich stehen, und zum Verständnis einer Sendung soll die Kenntnis der anderen Beiträge nicht notwendig sein.”


Brumlik/ Kiesel/ Reisch – Der Antisemitismus und die Linke (1991)
Vorgestellt wird das Buch von Micha Brumlik, Doron Kiesel und Linda Reisch „Der Antisemitismus und die Linke“ (Frankfurt am Main 1991)
AutorIN: Redaktion 3 (im Freies Sender Kombinat (FSK), Hamburg 93 MHz http://www.fsk-hh.org/)
Dauer: 53:44 Minuten
Sprache: Deutsch

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22570 kB

Niewyk – Socialist, Anti-Semite, and Jew (1971)
Vorgestellt wird das Buch von Donald L. Niewyk „Socialist, Anti-Semite, and Jew. German Social Democracy Confronts the Problem of Anti-Semitism“ (1918-1933 Baton Rouge 1971)
AutorIN: Redaktion 3 (im Freies Sender Kombinat (FSK), Hamburg 93 MHz http://www.fsk-hh.org/)
Dauer: 61:02 Minuten
Sprache: Deutsch

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25635 kB

Silberner – Kommunisten zur Judenfrage (1983)
Vorgestellt wird das Buch von Edmund Silberner „Kommunisten zur Judenfrage. Zur Geschichte von Theorie und Praxis des Kommunismus“ (Opladen 1983)
AutorIN: Redaktion 3 (im Freies Sender Kombinat (FSK), Hamburg 93 MHz http://www.fsk-hh.org/)
Dauer: 60:27 Minuten
Sprache: Deutsch

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25391 kB

Traverso – Marxisten und jüdische Frage (1995)
Vorgestellt wird das Buch von Enzo Traverso „Die Marxisten und die Jüdische Frage. Geschichte einer Debatte (1843-1943)“ (übersetzt von Astrid St. Germain, Mainz 1995 )
AutorIN: Redaktion 3 (im Freies Sender Kombinat (FSK), Hamburg 93 MHz http://www.fsk-hh.org/)
Dauer: 59:46 Minuten
Sprache: Deutsch

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25103 kB

Gruppe MAGMA – „…denn Angriff ist die beste Verteidigung“ (2001)
Vorgestellt wird das Buch von der Gruppe Magma: „… denn Angriff ist die beste Verteidigung. Die KPD Zwischen Revolution und Faschismus (Bonn 2001)
AutorIN: Redaktion 3 (im Freies Sender Kombinat (FSK), Hamburg 93 MHz http://www.fsk-hh.org/)
Dauer: 60:13 Minuten
Sprache: Deutsch

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25296 kB

Knütter – Juden und deutsche Linke (1972)
Vorgestellt wird das Buch von Hans–Helmuth Knütter „Die Juden und die Deustche Linke in der Weimarer Republik 1918-1933″ (Düsseldorf 1971)
AutorIN: Redaktion 3 (im Freies Sender Kombinat (FSK), Hamburg 93 MHz http://www.fsk-hh.org/)
Dauer: 61:52 Minuten
Sprache: Deutsch

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25988 kB

Schatz/Woeldike – Freiheit und Wahn… (2001) / Campbell – Joy in Work, German Work (1989)
Vorgestellt werden die Bücher von Holger Schatz und Andrea Woeldike „Freiheit und Wahn Deutscher Arbeit. Zur Historischen Aktualität einer Folgenreichen Antisemitischen Projektion“ (Hamburg/Münster 2001) und
Joan Campbell „German Work. The National Debate 1800-1945″ (New Jersey 1989).
AutorIN: Redaktion 3 (im Freies Sender Kombinat (FSK), Hamburg 93 MHz http://www.fsk-hh.org/)
Dauer: 60:20 Minuten
Sprache: Deutsch

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25346 kB

Kautsky: Rasse und Judentum (1914)
Vorgestellt wird dasBuch von Kautsky „Rasse und Judentum“ (Berlin/Stuttgart 1914)
AutorIN: Redaktion 3 (im Freies Sender Kombinat (FSK), Hamburg 93 MHz http://www.fsk-hh.org/)
Dauer: 58:37 Minuten
Sprache: Deutsch

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24620 kB

Nationaler Antisemitismus (2001)
Vorgestellt wird dasBuch von Klaus Holz „Nationaler Antisemitismus. Wissenssoziologie einer Weltanschauung“ (Hamburg 2001).
AutorIN: Redaktion 3 (im Freies Sender Kombinat (FSK), Hamburg 93 MHz http://www.fsk-hh.org/)
Dauer: 62:21 Minuten
Sprache: Deutsch

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26190 kB

Haury – Antisemitismus von links (2002)
Vorgestellt wird das Buch von Thomas Haury „Antisemitismus von Links. Nationalismus, Kommunistische Ideologie und Antizionismus in der frühen DDR“ (Hamburg 2002)
AutorIN: Redaktion 3 (im Freies Sender Kombinat (FSK), Hamburg 93 MHz http://www.fsk-hh.org/)
Dauer: 58:39 Minuten
Sprache: Deutsch

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24634 kB

Andresen: Außerparlamentarische Linke in der BRD der 1970er-Jahre
Vorgestellt wird das Buch von Knud Andresen „Antisemitismus von links? Die Außerparlamentarische Linke in der Bundesrepublik Deutschland der 1970er-Jahre“ (2003).
AutorIN: Redaktion 3 (im Freies Sender Kombinat (FSK), Hamburg 93 MHz http://www.fsk-hh.org/)
Dauer: 59:09 Minuten
Sprache: Deutsch

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24844 kB

Friese: „Kauf nicht beim Juden“
Vorgestellt wird das Buch von Morten Friese „“Kauf nicht beim Juden“ auf antiimperialistisch“ (2003).
AutorIN: Redaktion 3 (im Freies Sender Kombinat (FSK), Hamburg 93 MHz http://www.fsk-hh.org/)
Dauer: 59:14 Minuten
Sprache: Deutsch

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24884 kB

Olaf Kistenmacher: Von „Judas“ zum „Judenkapital“. Antisemitismus i. d. KPD
Vorgestellt wird das Buch von Olaf Kistenmacher „Von „Judas“ zum „Judenkapital“. Antisemitische Denkformnen in der KPD der Weimarer Republik 1919-1933″ (Hamburg 2004).
AutorIN: Redaktion 3 (im Freies Sender Kombinat (FSK), Hamburg 93 MHz http://www.fsk-hh.org/)
Dauer: 59:15 Minuten
Sprache: Deutsch

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24887 kB

Ingrid Strobl: Das unbegriffene Erbe.
Vorgestellt wird „Das unbegriffene Erbe. Bemerkungen zum Antisemitismus in der Linken (1994)“ in „Strobl: Das Feld des Vergessens“ (Berlin/Amsterdam 1995 Edition ID-Archiv)
AutorIN: Redaktion 3 (im Freies Sender Kombinat (FSK), Hamburg 93 MHz http://www.fsk-hh.org/)
Dauer: 61:26 Minuten
Sprache: Deutsch

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25803 kB


4 Antworten auf “Antisemitismus von Links”


  1. 1 ... 24. Dezember 2007 um 12:24 Uhr

    naja ich weiss ja nicht, in welcher linken du dich bewegst aber so ganz stimmt die sache ja nun auch nicht. natürlich kann man immer sagen mit y wird sich zuwenig beschäftigt und das stimmt sicher auch immer, aber gerade beim antisemitismus hat sich doch einiges getan… auch abgesehen von dem teil der linken die sich mit garnichts anderem mehr beschäftigen ist antisemitismus durchaus ein thema… das es die leute/gruppen gibt enen das scheissegaöl ist oder schlimmer positionen in die richtung vertreten ist klar.

    nur muss man ein wenig differenzierter blicken als das häufig getan wird. die oft richtige einforderung der beschätigung mit der antisemitismus verkommt hier bösartig gesagt schon zum hobby und geht and der empirischen wirklichkeit eben genau vorbei. es wäre für eine linke natürlich gut eine selbstkritische reflexion zu betreiben, aber wie es hier und da gefordert und oder praktiziert wird das thema antisemitismus zum dreh und angelpunkt jeder politik zu machen basiert vielleicht auf einem löblichen ansatz ist allerdings analytischer unsinn, da es die zustände in der gesellschaft, als nicht simpel gestaltete antisemitismusgesell. oder mehrteilig aus dem antisemitismus zu erklärenden gesell., verkennt.

    der ein ode andere vortrag klingt aber in der tat sehr interessant… sind ja auch ein paar klassiker dabei…

  2. 2 mumm 24. Dezember 2007 um 17:29 Uhr

    mohoin,

    ich glaub da ist dir ein kleiner fehler unterlaufen:

    alle direktlinks auf die mp3s von freie-radios.net verlinken auf freie-radios.info

    z.b. Brumlik/ Kiesel/ Reisch – Der Antisemitismus und die Linke (1991)
    http://freie-radios.info/mp3/20030708-antisemitism-04527.mp3

    diese .info seite exisitert -bei mir zumindest- nicht oder nur als domainplatzhalter. wenn ich die domain von .info im link mit .net ändere scheints wieder zu gehen.

    erstma :)

  3. 3 Administrator 24. Dezember 2007 um 18:15 Uhr

    @mumm: danke für den hinweis.
    das problem gabs zum glück nur bei den älteren „antisemitismus von links“ vorträgen, da ich da noch die alten einträge benutzt habe, sollte jetzt alles korrigiert sein.

  4. 4 paule 21. Februar 2008 um 17:22 Uhr

    Ah, sehr gut – danke für’s sortieren. Sich nicht durchs Chaosarchiv der Freien Radios quälen zu müssen, macht den Tag besser. :)

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