Zug der Erinnerung reloaded
Erneut Artikel bei GermanForeignPolicy.com zum Zug der Erinnerung, unter dem Titel „Geleugnete Kontinuitäten“ geht es um die nun doch klägliche Zahlung der Bahn an das Projekt und der Versuch die Auseinandersetzung mit der Beteiligung der Reichsbahn an der Shoa zu be- und verhindern.Öffentliche Auseinandersetzungen um das Gedenken an die europäischen Opfer der NS-Massendeportationen begleiten die gestrige Eröffnung einer Bahn-Ausstellung in der deutschen Hauptstadt. Die Ausstellung soll der rund drei Millionen Menschen gedenken, die vom NS-“Reichsverkehrsministerium“ und der „Deutschen Reichsbahn“ in die Vernichtungslager verschleppt wurden. Der deutsche Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, der historischer Erbe der „Reichsbahn“ ist, war zur Eröffnung nicht erschienen. Das von ihm geleitete Unternehmen (Deutsche Bahn AG) hatte jedes öffentliche Gedenken auf den früheren Deportationsbahnhöfen jahrelang bekämpft. In der jetzt eröffneten Ausstellung, die nach internationalen Protesten und Demonstrationen deutscher Bürgerinitiativen unvermeidlich wurde, wird die Nachkriegstätigkeit der „Reichsbahn“-Verantwortlichen in vier Sätzen abgehandelt. Maßgebliche Mordgehilfen, die ihre Karrieren bei der Bundesbahn fortsetzten, werden nicht erwähnt. Über der Ausstellung liege „ein Schatten“, heißt es in ersten Pressereaktionen. Die Bahn AG, größter europäischer Logistikkonzern, entziehe sich weiterhin einer umfassenden Auseinandersetzung mit den Massenverbrechen des NS-Vorgängerunternehmens und leugne die historischen Kontinuitäten. Deswegen behindere der Bahnvorstand den „Zug der Erinnerung“, der gegenwärtig in über 40 deutsche Bahnhöfe fährt und in seiner mobilen Ausstellung auch auf die ungetilgte Schuld der „Reichsbahn“ hinweist: Ihre kriminellen Transportspezialisten wurden vom deutschen Staat bis in die 1990er Jahre geehrt.Weitere Artikel zum Thema bei GermanForeignPolicy.com.
Zu den Übergiff auf jüdische Jugendliche in Berlin
Bericht von Polylux (via Karwan Baschi)Polylog juedische schueler @ www.polylog.tv/videothek
Artikel bei Hagalil: „Antisemitismus in Berlin: Punks hetzen Hund auf Schulkinder“ 18.01.08
Presseerklärung des Zentralrats der Juden „Zentralrat äußert Entsetzen über Angriff auf jüdische Schüler“ 17.01.08
Hamburgs Stolpersteine im Internet
Die Internetseite enthält eine Datenbank mit den mehr als 2.000 Stolpersteinen, die bisher in Hamburg verlegt wurden; Opfernamen und Adressen sind darin verzeichnet. Suchfunktionen ermöglichen die Recherche nach unterschiedlichen Kriterien wie Name, Straße, Stadtteil oder Bezirk. Darüber hinaus finden sich hier auch Literaturhinweise, Presseberichte und ergänzende Materialien. Für rund 20 Opfer sind bereits Kurzbiographien und Photos in die Seiten eingebunden. Diese Kurzbiographien sollen schrittweise vervollständigt werden. (via Hagalil)Zu erreichen ist die Seite über: http://www.stolpersteine-hamburg.de/
Deutschlandwunder und Kittkritik
Vor kurzem erschien das Buch „Deutschlandwunder. Wunsch und Wahn in der postnazistischen Kultur“ des Autor_innen-Kollektivs Kittkritik im Ventil-Verlag.Seit 1945 sind kulturindustrielle Medien Austragungsort der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. Die Fokussierung auf die deutsche Bevölkerung als Opfer im derzeitigen Boom von Büchern und Filmen, die sich mit dem Alltag im NS beschäftigen, ist kein neues Phänomen. Aktuell ist aber der Entwurf eines historischen Selbstverständnisses einer nach 1989 entstandenen nationalen Identität, die Auschwitz in die (Re-)Inszenierungen der deutschen Erinnerungsarbeit integriert. Die Berliner Republik ist zu einer Erzählgemeinschaft geworden, in der jeder „Zeitzeuge“ und jede „Zeitzeugin“ seinen bzw. ihren Platz hat. Egal ob jüdisches Opfer, sowjetischer Soldat oder deutsche Trümmerfrau, im neuen deutschen Erinnerungsdiskurs hat sich längst durchgesetzt, dass jede Erfahrung subjektiv und jedes Leid gleichwertig ist.Achja, das Buch kostet 14,90€ und ist über die bekannten Bestellservices, euren örtlichen Buchladen oder via info@kittkritik.net erhältlich.
Diese Tendenz korrespondiert mit einer stärkeren Öffnung von Jugend- und Populärkultur hin zu nationalen und historischen Themen. In der Musik, im Computerspiel oder im Hörspiel werden jene Geschichtsbilder mitverhandelt, die auch auf der Kinoleinwand und im Fernsehen zu bewundern sind. Auf der medialen Bühne der nationalen Inszenierung hat die dritte Tätergeneration einen privilegierten Platz: Die neue Unbefangenheit im Umgang mit der Geschichte, in der Auseinandersetzung mit den Erfahrungen der eigenen Großeltern, der Wunsch, bei der Weltmeisterschaft auch einmal unbeschwert „Schwarz-Rot-Geil“ zu sein, macht diese Generation zum Protagonisten eines neuen postnazistischen Nationalgefühls, das in jener Kultur entstand und sich aus dieser entwickelte, die nach 1945 wesentliche Elemente des nationalsozialistischen Bewusstseins, Strukturen der Entwirklichung, des Antisemitismus und des autoritären Charakters in die demokratische bzw. sozialistische Nachkriegsgesellschaft überführte.
„Deutschlandwunder – Wunsch und Wahn in der postnazistischen Kultur“ untersucht die Bedeutung von Familie, Generation, Geschlecht, das Verhältnis von Individuum und Masse, von Antisemitismus und Opferdiskurs in Literatur, bildende Kunst, Popmusik, Hörspiel, Film und Computerspiel von den 50er Jahren bis in die Gegenwart.Die HerausgeberInnen – J – P. Baeck, V. Beeck, T. Ebbrecht, R. Krolczyk, J. Müller, E. Peters, S. Witte, D. Wittenberg – arbeiten bereits seit einigen Jahren zusammen. „Deutschlandwunder“ ist die erste Veröffentlichung unter dem Projektnamen kittkritik, und stellt den Versuch dar, die gemeinsame Auseinandersetzung mit deutscher Vergangenheitsbewältigung in der Geschichte des Films zu bündeln und fortzuführen und gleichzeitig – mit Unterstützung weiterer AutorInnen – um die mit anderen Medien zu ergänzen. Dies trägt dem Anspruch der Gruppe Rechnung, die gesellschaftliche Bedeutung kulturindustrieller Produkte zum Erkenntnisgegenstand zu nehmen und damit eben keine irgendwie „angemessenere Ästhetik“ oder „kritischere Rezeption“ zu fordern. Nicht die postulierte postmoderne Heterogenität der Medien und der endlose Interpretationsraum der RezipientInnen stehen zur Debatte, sondern die Funktion der Kulturindustrie als gesellschaftlichem Kitt.
Es gab im JungleWorld Dossier eien gekürzte Fassung des Vorwortes zum reinlesen:
„Neues deutsches Land – Wie in der Gegenwartskultur die deutsche Vergangenheit recycelt wird“
Auch kann man auf der Homepage zum Buch in kurze Abstracts aus den Artikeln reinlesen.
Und Radio Corax führt ein Interview mit einem der Autoren:
Dauer: 12:17 min
Download unter http://www.freie-radios.net/
Außerdem watch out for:
Deutschlandwunder – Wunsch und Wahn in der postnazistischen KulturKongress über das Verhältnis von Nation und Generation
in der kulturindustriellen Vergangenheitsbewältigung
in Bremen (9.-11.5.08)Die HerausgeberInnengruppe kittkritik des Sammelbandes „Deutschlandwunder“ lädt zum gleichnamigen Kongress nach Bremen ein, der vom 9.-11.5.08 stattfinden wird. In Vorträgen und Workshops werden die Autorinnen und Autoren des Buches anhand der Präsentation von Beispielen u.a. aus Filmen, Hör- und Computerspielen und Romanen ihre Beiträge präsentieren und zur Diskussion stellen.
Die unterschiedlichen Ansätze, die sich mit der Bedeutung von Familie, Generationen- und Geschlechterverhältnis, postfaschistischer Subjektstruktur, Antisemitismus, deutschem Opferdiskurs etc. in verschiedenen Bereichen der Kunst und Kulturindustrie auseinandersetzen, analysieren mediale Repräsentationen des Nationalsozialismus als gesellschaftlichen ‚Kitt’, in der die Nation zum kollektiven Objekt der Identifizierung wird. Die Schnittstelle der Buchbeiträge, den Zusammenhang von Nationalismus und deutscher Vergangenheitsbewältigung als Kern der Kritik an kollektiven und individuellen Schuldabwehrstrategien zu reflektieren, verbindet sich mit dem Focus auf die Bedeutung des deutschen Generationenverhältnisses und insbesondere der Rolle der dritten Generation für ein nach 1990 erstarkendes deutsches Nationalbewusstsein.
Der Kongress wird ermöglicht durch die freundliche Unterstützung durch die Rosa-Luxemburg-Initiative Bremen und durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung.Anmeldung per Mail an: info@kittkritik.net.





