Archiv für Januar 2008

Gesammeltes #6

Zug der Erinnerung reloaded

Erneut Artikel bei GermanForeignPolicy.com zum Zug der Erinnerung, unter dem Titel „Geleugnete Kontinuitäten“ geht es um die nun doch klägliche Zahlung der Bahn an das Projekt und der Versuch die Auseinandersetzung mit der Beteiligung der Reichsbahn an der Shoa zu be- und verhindern.

Öffentliche Auseinandersetzungen um das Gedenken an die europäischen Opfer der NS-Massendeportationen begleiten die gestrige Eröffnung einer Bahn-Ausstellung in der deutschen Hauptstadt. Die Ausstellung soll der rund drei Millionen Menschen gedenken, die vom NS-“Reichsverkehrsministerium“ und der „Deutschen Reichsbahn“ in die Vernichtungslager verschleppt wurden. Der deutsche Bahn-Chef Hartmut Mehdorn, der historischer Erbe der „Reichsbahn“ ist, war zur Eröffnung nicht erschienen. Das von ihm geleitete Unternehmen (Deutsche Bahn AG) hatte jedes öffentliche Gedenken auf den früheren Deportationsbahnhöfen jahrelang bekämpft. In der jetzt eröffneten Ausstellung, die nach internationalen Protesten und Demonstrationen deutscher Bürgerinitiativen unvermeidlich wurde, wird die Nachkriegstätigkeit der „Reichsbahn“-Verantwortlichen in vier Sätzen abgehandelt. Maßgebliche Mordgehilfen, die ihre Karrieren bei der Bundesbahn fortsetzten, werden nicht erwähnt. Über der Ausstellung liege „ein Schatten“, heißt es in ersten Pressereaktionen. Die Bahn AG, größter europäischer Logistikkonzern, entziehe sich weiterhin einer umfassenden Auseinandersetzung mit den Massenverbrechen des NS-Vorgängerunternehmens und leugne die historischen Kontinuitäten. Deswegen behindere der Bahnvorstand den „Zug der Erinnerung“, der gegenwärtig in über 40 deutsche Bahnhöfe fährt und in seiner mobilen Ausstellung auch auf die ungetilgte Schuld der „Reichsbahn“ hinweist: Ihre kriminellen Transportspezialisten wurden vom deutschen Staat bis in die 1990er Jahre geehrt.

Weitere Artikel zum Thema bei GermanForeignPolicy.com.

Zu den Übergiff auf jüdische Jugendliche in Berlin

Bericht von Polylux (via Karwan Baschi)

Polylog juedische schueler @ www.polylog.tv/videothek

Artikel bei Hagalil: „Antisemitismus in Berlin: Punks hetzen Hund auf Schulkinder“ 18.01.08
Presseerklärung des Zentralrats der Juden „Zentralrat äußert Entsetzen über Angriff auf jüdische Schüler“ 17.01.08

Hamburgs Stolpersteine im Internet

Die Internetseite enthält eine Datenbank mit den mehr als 2.000 Stolpersteinen, die bisher in Hamburg verlegt wurden; Opfernamen und Adressen sind darin verzeichnet. Suchfunktionen ermöglichen die Recherche nach unterschiedlichen Kriterien wie Name, Straße, Stadtteil oder Bezirk. Darüber hinaus finden sich hier auch Literaturhinweise, Presseberichte und ergänzende Materialien. Für rund 20 Opfer sind bereits Kurzbiographien und Photos in die Seiten eingebunden. Diese Kurzbiographien sollen schrittweise vervollständigt werden. (via Hagalil)

Zu erreichen ist die Seite über: http://www.stolpersteine-hamburg.de/

Deutschlandwunder und Kittkritik

Vor kurzem erschien das Buch „Deutschlandwunder. Wunsch und Wahn in der postnazistischen Kultur“ des Autor_innen-Kollektivs Kittkritik im Ventil-Verlag.

Seit 1945 sind kulturindustrielle Medien Austragungsort der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit. Die Fokussierung auf die deutsche Bevölkerung als Opfer im derzeitigen Boom von Büchern und Filmen, die sich mit dem Alltag im NS beschäftigen, ist kein neues Phänomen. Aktuell ist aber der Entwurf eines historischen Selbstverständnisses einer nach 1989 entstandenen nationalen Identität, die Auschwitz in die (Re-)Inszenierungen der deutschen Erinnerungsarbeit integriert. Die Berliner Republik ist zu einer Erzählgemeinschaft geworden, in der jeder „Zeitzeuge“ und jede „Zeitzeugin“ seinen bzw. ihren Platz hat. Egal ob jüdisches Opfer, sowjetischer Soldat oder deutsche Trümmerfrau, im neuen deutschen Erinnerungsdiskurs hat sich längst durchgesetzt, dass jede Erfahrung subjektiv und jedes Leid gleichwertig ist.
Diese Tendenz korrespondiert mit einer stärkeren Öffnung von Jugend- und Populärkultur hin zu nationalen und historischen Themen. In der Musik, im Computerspiel oder im Hörspiel werden jene Geschichtsbilder mitverhandelt, die auch auf der Kinoleinwand und im Fernsehen zu bewundern sind. Auf der medialen Bühne der nationalen Inszenierung hat die dritte Tätergeneration einen privilegierten Platz: Die neue Unbefangenheit im Umgang mit der Geschichte, in der Auseinandersetzung mit den Erfahrungen der eigenen Großeltern, der Wunsch, bei der Weltmeisterschaft auch einmal unbeschwert „Schwarz-Rot-Geil“ zu sein, macht diese Generation zum Protagonisten eines neuen postnazistischen Nationalgefühls, das in jener Kultur entstand und sich aus dieser entwickelte, die nach 1945 wesentliche Elemente des nationalsozialistischen Bewusstseins, Strukturen der Entwirklichung, des Antisemitismus und des autoritären Charakters in die demokratische bzw. sozialistische Nachkriegsgesellschaft überführte.
„Deutschlandwunder – Wunsch und Wahn in der postnazistischen Kultur“ untersucht die Bedeutung von Familie, Generation, Geschlecht, das Verhältnis von Individuum und Masse, von Antisemitismus und Opferdiskurs in Literatur, bildende Kunst, Popmusik, Hörspiel, Film und Computerspiel von den 50er Jahren bis in die Gegenwart.

Die HerausgeberInnen – J – P. Baeck, V. Beeck, T. Ebbrecht, R. Krolczyk, J. Müller, E. Peters, S. Witte, D. Wittenberg – arbeiten bereits seit einigen Jahren zusammen. „Deutschlandwunder“ ist die erste Veröffentlichung unter dem Projektnamen kittkritik, und stellt den Versuch dar, die gemeinsame Auseinandersetzung mit deutscher Vergangenheitsbewältigung in der Geschichte des Films zu bündeln und fortzuführen und gleichzeitig – mit Unterstützung weiterer AutorInnen – um die mit anderen Medien zu ergänzen. Dies trägt dem Anspruch der Gruppe Rechnung, die gesellschaftliche Bedeutung kulturindustrieller Produkte zum Erkenntnisgegenstand zu nehmen und damit eben keine irgendwie „angemessenere Ästhetik“ oder „kritischere Rezeption“ zu fordern. Nicht die postulierte postmoderne Heterogenität der Medien und der endlose Interpretationsraum der RezipientInnen stehen zur Debatte, sondern die Funktion der Kulturindustrie als gesellschaftlichem Kitt.

Achja, das Buch kostet 14,90€ und ist über die bekannten Bestellservices, euren örtlichen Buchladen oder via info@kittkritik.net erhältlich.

Es gab im JungleWorld Dossier eien gekürzte Fassung des Vorwortes zum reinlesen:
„Neues deutsches Land – Wie in der Gegenwartskultur die deutsche Vergangenheit recycelt wird“

Auch kann man auf der Homepage zum Buch in kurze Abstracts aus den Artikeln reinlesen.

Und Radio Corax führt ein Interview mit einem der Autoren:
Dauer: 12:17 min

Download unter http://www.freie-radios.net/

Außerdem watch out for:

Deutschlandwunder – Wunsch und Wahn in der postnazistischen Kultur

Kongress über das Verhältnis von Nation und Generation
in der kulturindustriellen Vergangenheitsbewältigung
in Bremen (9.-11.5.08)

Die HerausgeberInnengruppe kittkritik des Sammelbandes „Deutschlandwunder“ lädt zum gleichnamigen Kongress nach Bremen ein, der vom 9.-11.5.08 stattfinden wird. In Vorträgen und Workshops werden die Autorinnen und Autoren des Buches anhand der Präsentation von Beispielen u.a. aus Filmen, Hör- und Computerspielen und Romanen ihre Beiträge präsentieren und zur Diskussion stellen.

Die unterschiedlichen Ansätze, die sich mit der Bedeutung von Familie, Generationen- und Geschlechterverhältnis, postfaschistischer Subjektstruktur, Antisemitismus, deutschem Opferdiskurs etc. in verschiedenen Bereichen der Kunst und Kulturindustrie auseinandersetzen, analysieren mediale Repräsentationen des Nationalsozialismus als gesellschaftlichen ‚Kitt’, in der die Nation zum kollektiven Objekt der Identifizierung wird. Die Schnittstelle der Buchbeiträge, den Zusammenhang von Nationalismus und deutscher Vergangenheitsbewältigung als Kern der Kritik an kollektiven und individuellen Schuldabwehrstrategien zu reflektieren, verbindet sich mit dem Focus auf die Bedeutung des deutschen Generationenverhältnisses und insbesondere der Rolle der dritten Generation für ein nach 1990 erstarkendes deutsches Nationalbewusstsein.
Der Kongress wird ermöglicht durch die freundliche Unterstützung durch die Rosa-Luxemburg-Initiative Bremen und durch die Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Anmeldung per Mail an: info@kittkritik.net.

In Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus


(Bildquelle: Wikipedia)

In jedem Frühling blühen die Bäume in Auschwitz, wie überall; denn das Gras ist nicht angewidert davon, in diesen verfluchten Gefilden zu wachsen; der Frühling unterschei­det nicht zwischen unseren Gärten und diesen Orten unaussprechlichen Elends. Heute, wo die Sophisten uns das Vergessen empfehlen, werden wir nachdrücklich unser stummes und ohnmächtiges Entsetzen vor den Hunden des Hasses zum Ausdruck bringen; wir werden nachdrücklich an die Agonie der Deportierten ohne Bestattung und an die kleinen Kinder denken, die nicht zurückgekehrt sind. Denn diese Agonie wird dauern bis ans Ende aller Tage.

Vladimir Jankèlèvitch „Pardonner?“ 1971

Erinnerungen Nikolai Politanows
(via Tous et rien)

What Magdeburg should look like again


(Fotoquelle)

Zum einen ideales Mittel um die Barbarei deutscher Nazi-Rackets zu bekämpfen, zum anderen nimmt es dem Bürger-Trauer-Mob seine Bezugsorte, davon abgesehen, dass die Ausgangssperre, durchgesetzt durch alliierte Soldaten Ansammlung von deutschen Opfermobs eh verhindern wird.
Außerdem und besonders hervorzuheben sei die mögliche Bekämpfung antiimperialistischer und antisemitischer Schlägertrupps durch alliierte Soldaten samt Panzer. Dies sollte deren Treiben relativ schnell beenden…

HH: Café Leonar im Grindelhof

Am 15. Januar 2008 eröffnete das Cafe Leonar in der Bornstraße 12.
Damit hat nun das erste jüdisches Kaffeehaus in Hamburg seid dem NS wieder eröffnet und spiegelt die „langsam, aber stetig wachsende jüdische Bevölkerung in Hamburg und Umgebung“ wieder.

Öffnungszeiten:
Montag – Freitag: 08:00 – 01:00 Uhr
Samstag – Sonntag: 09:00 – 01:00 Uhr

Die Idee:
Aus der Ende April geschlossenen Druckerei Fläschner im Grindelhof – mitten im ehemaligen jüdischen Quartier – einen Ort zu schaffen, der als Café, Buchhandlung sowie Raum für Veranstaltungen und Begegnungen ausgebaut werden soll. Auf der Grundlage der jüdischen Kultur (und Küche!) soll hier eine Auseinandersetzung mit einer Vielzahl von Themen in einer Atmosphäre gelebter Offenheit und Toleranz geführt werden.

found via: Plastikstuhl
(danke für den Artikel, Pflichttermin beim nächsten Besuch!)

Magdeburger antisemitischen Antiimps Reloaded

Artikelausschnitt von Commander Master Chief:

Wiederholter Angriff auf Antifas in Magdeburg

[…]Zum ersten Übergriff kam es gen 13:45, als die Antifademo auf dem Breiten Weg in Höhe der “Grünen Zitadelle” von der Polizei gestoppt wurde. Fast gleichzeitig mit dem rechtswidrigen Stopp der Demo durch die Polizei gab es einen weiteren Angriff auf den hinteren Teil der Demo, als ein Mob von ca. 20-30 unter Gebrüll versuchte, die Demonstration anzugreifen. Dies wurde von der Polizei verhindert und die AngreiferInnen zogen sich auf die Kundgebung des “Bündnis gegen Rechts” zurück. Einzelne, exponierte Figuren aus der GIS beobachteten das Treiben höhnisch lachend vom Fußweg aus.

Leider war dies jedoch nicht Alles an diesem Tag: Gegen Abend, als sich Antifas aus Leipzig von den Strapazen des Tages (7 Stunden Demo, davon 3 Stunden gestanden, Knüppel- und Pfeffersprayeinsatz der Polizei) erholen wollten, wurden sie wiederum aus einer Gruppe, bestehend aus Mitgliedern der drei berüchtigten Gruppen, ob eines israelsolidarischen Armbandes eines Leipzigers angegriffen. Dabei wurde ein Fahrrad als Waffe eingesetzt und mehrere Boxhiebe in die Gesichter der LeipzigerInnen verteilt, und diese mit “Das ist unsere Stadt, verpisst euch !”, “Viva Palästina” und “Haut ab auf euer Dorf” bedacht.
Da es sich bei der Leipziger Gruppe um Opfer der Übergriffe vom 27.1.2007, 13.06.2007 und 27.06.2007 handelte – als “A”AMD, GIS und Frauengruppe TeilnehmerInnen einer Shoah-Gedenkkundgebung bzw. zwei Veranstaltungen des Antifa-Inforpartals Magdeburg angriffen, und die Täter auch dieselben waren, ist ein gezielter Angriff zu vermuten.

Wenn nicht bereits durch die vorherigen Vorfälle, muß jetzt auch dem und der letzten klar sein, daß diese Gruppen mit linker Politik rein gar nichts zu tun haben. Sie gehören aus allen linken Zusammenhängen ausgeschlossen. Wer nicht nur BesucherInnen einer Shoah-Gedenkkundgebung und Antifa-Veranstaltungen angreift, sondern an einem Tag, an dem mehrere hundert Nazis ungestört in der Stadt marschieren (und dagegen aber auch mal rein gar nichts auf die Reihe bekommen), Antifas angreift, sollte dann am Ende doch lieber gleich bei den Nazis mitmarschieren.

Solidarität mit den Genoss_innen aus Leipzig!
AAMD, GiS, Frauengruppe MD und ihre Freunde bekämpfen!