Deutsche Empörung

Wird in dem Land der Täter und seiner Nachkommen mal die Wahrheit ausgesprochen und die Deutschen mit ihrer Vergangenheit, sowie ihrer Aufarbeitung konfrontiert, so macht sich im ganzen Land Empörung breit. Und von Antisemitismus hat man hier höchstens mal im Kontext des NS von gehört.

Viel passiert war eigentlich nicht, der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf Michael Szentei-Heise benannt bei der Eröffnung der mobilen Ausstellung „Zug der Erinnerung“ in Düsseldorf lediglich Fakten und stellte polemisch das Verhalten des Reichsbahnnachfolger, die Deutsche Bahn, dar. Um das Verhalten der DB im Kontext der Ausstellung darzustellen und ins besondere die Forderungen von Gebühren für den Aufenthalt der Ausstellung in Bahnhöfen der DB (für Düsseldorf fordert die DB 10.000€), stellte Szentei-Heise klar was faktisch diese Haltung bedeute.

„Für mich hat es den Anschein, als ob es den heutigen Verantwortlichen im Nachhinein leid tut, Kleinkinder damals kostenlos in den Tod befördert zu haben“, sagte Szentei-Heise zu SPIEGEL ONLINE – in Anspielung darauf, dass Erwachsene damals für die eigene Deportation ein Ticket der Reichsbahn lösen mussten, Kinder unter sechs Jahren jedoch kostenlos fuhren.
Diese Geldeinbuße wolle man heute wohl durch Gebühren für den „Zug der Erinnerung“ gutmachen, sagte Szentei-Heise. „Ich fordere die Reichsbahn von heute auf, sie möge die Finanzierung der Fahrten dieses Zuges aus den Gewinnen entnehmen, die sie seinerzeit mit den Todestransporten der erwachsenen Deportierten gemacht hat“, so der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf.

(Quelle: Spon)

Und er stellte außerdem deutlich dar, wieso er diese Art des Umgangs mit der DB wählte:

„Ich wollte bewusst provozieren“, um „in der Vorstandsetage der Bahn für etwas Furore zu sorgen“. Die Rolle der Reichsbahn im Nationalsozialismus müsse in der Öffentlichkeit präsent bleiben, so Szentei-Heise.

Quelle: Spon)

Diese, eigentlich nicht mal zugespitzte Darstellung des Verhaltens der Bahn, zeigt klar, wie die Position der DB zu der rollenden Ausstellung ist. Zum einen werden die geschichtlichen Kontinuitäten geleugnet und die vorhandenen Ausstellungen befassen sich nur sehr oberflächlich mit dem Thema der Deportationen, außerdem liegen ausführliche Akten zu den Deportationen, welche einige Erkenntnisse bringen würden, beim Bundesverkehrsministerium. Zum anderen verweigerte die DB von Anfang an die Finanzierung des Projekts und ließ Teilnehmer der Protest- und Gedenkveranstaltungen z.T. unter Anwendung von massiver Gewalt vom Gedenken und Einfordern der Ausstellung abhalten. Auch die Bundesregierugn verweigerte die Durchführung des Projekts und zog sich aus der Affaire in dem auf die DB verwiesen wurde. Besondere Empörung rief die Forderung der DB nach Bezahlung für die Nutzung von DB-Infrastruktur für die Ausstellugn hervor, welche z.T. von den Initiativen verweigert wird/wurde.

Der „faktische Boykott“ der Deutschen Bahn AG und des Berliner Verkehrsministeriums gegen den „Zug der Erinnerung“ löst in Europa Befremden aus. Die Bahn AG, größter Schienenlogistiker auf dem Kontinent, verlangt für das Gedenken an die europäischen Deportationsopfer des NS-Vorgängerunternehmens („Deutsche Reichsbahn“) mehrere zehntausend Euro. So werden Gebühren für die Gleisnutzung gefordert, weil der „Zug der Erinnerung“ mit einer Ausstellung über die deportierten Kinder und Jugendlichen auf dem deutschen Schienennetz fährt. Weitere Gelder werden verlangt, weil die Besucher auf dem Weg zur Ausstellung die Bahnsteige betreten. Auch für die Beleuchtung der Opferfotos und letzten Briefe im „Zug der Erinnerung“ will die Bahn AG hohe Summen kassieren – insgesamt mehr als 50.000 Euro. Dieses Vorgehen hatte die deutsche Presse als „skrupellos“ bezeichnet. Jetzt informieren auch ausländische Medien über die offenkundigen Versuche, den „Zug der Erinnerung“ durch maßlose Finanzforderungen zum Halten zu bringen. Die Initiatoren rufen im Ausland dazu auf, Protestschreiben an die dipomatischen Vertretungen der Bundesrepublik zu richten. Der Zug soll am 8. Mai mit mehreren hundert Jugendlichen in der Gedenkstätte Auschwitz eintreffen. „Wir werden der Deutschen Bahn AG keinen Cent zahlen“, kündigen die Bürgerinitiativen in einem Interview an.

(Ausführliche Artikel-Sammlung bei german-foreign-policy.com)

So zeigt sich, dass die Beschreibung von Michael Szentei-Heise kaum als übertrieben zu bezeichnen ist. Für die größte Aufregung sorgten wohl die Bezcihnung Szentei-Heise von Mehdorn als

„Führer der neuen Reichsbahn“

und die Feststellung

„Wenn Herr Mehdorn im Dritten Reich in derselben Position gewesen wäre wie heute, hätte er mit großer Überzeugung Deportationen angeordnet.“

Auch wenn Szentei-Heise auch diese Aussagen unter seine „provoaktive“ Darstellung fast, lässt sich konstatieren, dass diese nur im Auge Deutscher provokativ erscheinen können, denn sie beschreiben die Wirklichkeit.
Zum einen ist die simple Fesstellung, dass Mehdorn als der Vorstandsvorsitzende der DB auch rechtmäßiger Nachfolger der Reichsbahn ist und somit auch Vorsitzender dieser. Es kann auch kaum davon gesprochen werden, dass man sich groß der Übernahme der Reichsbahn widersetzte, sondern das man glücklich war ein Unternehmen zu übernehmen, dass finanziell gut darstand und dies selsbtredend durch die Mitarbeit an der Ermordung der europäischen Juden, der lgoistischen Untersützung der Wehrmacht und SS, sowie der Arisierungstransporte um nur einige eklatante Beispiele zu nennen.
Auch kann erneut nur wieder auf die zahlreichen Studien verwiesen werden, welche eine antisemitische Grundstimmung in Deutschland, sowie die weite Verbreitung antisemitischer Motive aufzeigen, sodass der Verweis auf ein mögliches! Verhalten Mehdorns mehr als berechtigt ist.
Das Mehdorn in bester deutscher Tradition steht beweist zum einen seine explizite Verweigerung des Gedenkens an die Deportierten, womit er nur den Wunsch der deutschen Mehrheitsbevölkerung entspricht, endlich weniger über den NS und die „Leiden der Juden“ sprechen zu wollen und zum anderen wusste er auch schon zu beweisen, dass er weiß wie mit Juden um zu springen sei. So gab er in einem Interview unzählig Beleidigungen gegen die FFDJF (die französische Opferorganisation um Beate Klarsfeld) von sich und wusste in bester deutscher Maneir zu konstatieren, dass diese

den Holocaust unangemessen darstellen wolle.

In der deutschen Presse bewies man sogleich auch, dass man in Anschluss an Mehdorn ebenso wisse, wie die Äußerungen von Szentei-Heis zu bewerten sein. Bei Spiegel Online quatschte Annett Meiritz von einem

Verbalausfall sondergleichen

und widerholte die Behauptung, dass Szentei-Heis Mehdorn mit einem Nazi verglichen habe, was dieser erneut dementierte hatte.
In der Westdeutsche Allgemeine Zeitung wusste man noch eine Stufe besser mit „den Juden“ umzuegehen und empörte sich, dass

dermaßen eingedroschen wird, wie es der Geschäftsführerder Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf tat, sprengt sämtliche rhetorischen Verhaltensregeln im Umgang mit dem Nationalsozialismus. Mehdorn u.a. als „Führer der neuen Reichsbahn“ zu bezeichnen, da geht Michael Szentei-Heise zu weit.

So weiß der Deutsche wie man über den NS und Auschwitz zu sprechen habe und will sich da vom Juden ja auch keine Vorschriften machen lassen, eher lehrt man diesem, wie man diesen „Umgang“ zu pflegen habe. Aber man weiß auch gleich wie man mit solchen Abweichlern umzuspringen hat und diese in ihre Schranken weisen kann:

Die Juden in Düsseldorf sollten ihren Geschäftsführer zügeln. Und eine Anzeige wegen Beleidigung wäre durchaus gerechtfertigt.

Die unterschwellige Drohung, dass wenn die Düsseldorfer Juden ihren Geschäftsführer nicht „zügeln“ würden, könnte man für das Ausbleiben antisemitische Angriffe durch selbsbewusste Deutsche nicht garantieren, ist offenkundig und spiegelt den deutschen Umgang mit Antisemitismus, Gedenkkultur und den jüdischen Gemeinden wieder.


7 Antworten auf “Deutsche Empörung”


  1. 1 zapperlott 11. März 2008 um 2:20 Uhr

    Nun, welchen spezifischen Erkenntniswert hat dieser hypothetische Vergleich. Da werden zwei Situationen – was heute die Zurückweisung von Gedenken ist, war damals die Deportation »mit großer Überzeugung« – in eins gesetzt. Diese Transformation des Antisemitismus gälte es zu untersuchen. Ich weiß nicht, wie Herr Szentei-Heise darüber denkt. Aber es ist vielleicht auch bezeichnend, dass niemand nachfragt. Hier wird auch eine bestimmte Interpretation vorgetragen.

  2. 2 paule 12. März 2008 um 16:15 Uhr

    hier der vollständige redetext. die rp hat knallhart gefälscht.
    http://www.zug-der-erinnerung.eu/protest/rede-szentei-heise.html

  3. 3 Annett Meiritz 19. Mai 2008 um 22:50 Uhr

    Hallo zusammen. Ich möchte darauf hinweisen, dass die Redaktion von Spiegel Online anders als etwa die Rheinische Post sich die Mühe gemacht, Herrn Szentei-Heise persönlich anzurufen. Wir haben ihm damit die Gelegenheit gegeben, den Vorfall am Düsseldorfer Hauptbahnhof aus seiner Sicht zu erklären – was er auch getan hat, wie man den reichhaltigen Zitaten entnehmen kann…Also bitte: Wenn hier das nächste Mal von „quatschen“ dir Rede ist, wenn doch in Wahrheit sauber recherchiert und fair berichtet wurde – dann vielleicht lieber noch einmal den Artikel in Ruhe lesen. Herzliche Grüße, A. Meiritz

  1. 1 Die Erben Eichmanns « Lysis Pingback am 11. März 2008 um 2:22 Uhr
  2. 2 classless Kulla » Blog Archive » Millionen fahren Reichsbahn Pingback am 11. März 2008 um 14:38 Uhr
  3. 3 Zug der Erinnerung in Hamburg - Bahn stellt sich quer | Oettinger Malz Antifa Pingback am 18. März 2008 um 16:58 Uhr
  4. 4 Gesammeltes #10 « riot propaganda Pingback am 17. April 2008 um 18:14 Uhr
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