DB und die Erinnerung in Hamburg

Die Deutsche Bahn hat erneut einen Weg gefunden, wie sie die Ausstellung „Zug der Erinnerung“ be- und verhindern kann. Für den geplanten Aufenthalt in Hamburg ab Montag dem 24. März bis zum Samstag dem 29.3. verweigert die DB den Aufenthalt des Zuges im Hamburger Hauptbahnhof und möchte die Ausstellung auf ein Abstellgleis im Bahnhof Altona zu begrenzten Zeiten verdrängen. Eigentlich sollte der Zug am Montag von Shoa-Überlebende aus Hamburg, Israel und New York, sowie den Mitgliedern der örtlichen Initiative empfangen werden.
Zum Umstand und der Begründung der Verbannung und Beschränkung der Ausstellung schreibt die Hamburger Arbeitsgruppe „Deportationen/11.000 Kinder“:

Erst am Montag bestätigte die DB AG, dass der Hamburger Hauptbahnhof für das geplante Gedenken gesperrt wird. Dafür seien „bahnbetriebliche“ Gründe maßgebend, um die planmäßige Ordnung des Zugverkehrs aufrecht zu erhalten. Ausweichbahnhöfe im Stadtgebiet stünden entweder gar nicht oder nur stundenweise zur Verfügung, teilt die Bahn AG mit. Sie bietet ein Abstellgleis in Hamburg-Altona an, das in den Kernzeiten des Besucherinteresses ebenfalls gesperrt wird. Dort dürfe der „Zug der Erinnerung“ seine Gedenkausstellung um 10 Uhr eröffnen. Ab 15 Uhr müsse der Zug „abgeräumt“ werden, verfügt die Bahn.

(Quelle: PM der Hamburger Arbeitsgruppe vom 18.3.2008)

In seiner Pressemiteilung stellt der DGB Nord-Vorsitzende Peter Deutschland die öffentliche Durchführung der Deportationen in der Innenstadt Hamburgs heraus.

Der Gewerkschafter erinnerte daran, dass in Hamburg die Deportationen von Menschen jüdischen Glaubens im Oktober 1941 in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs Dammtor begannen. Vom Logenhaus, wo sie sich versammeln mussten, wurden die Menschen in unmittelbarer Nähe in Güterzüge verfrachtet und in die Vernichtungslager gebracht. Das alles vollzog sich unter den Augen der Öffentlichkeit.

(Quelle: PM vom DGB Nord-Vorsitzende Peter Deutschland)

Außerdem setzen erhebt die Bahn weiterhin Gebühren für die Ausstellung und verweigerte eine Verlängerung der Ausstellungszeit in Köln:

Bereits am vergangenen Samstag hatte die DB AG angeordnet, den „Zug der Erinnerung“ aus dem Kölner Hauptbahnhof zu entfernen, wo er mehrere Tage Station machte. Wegen des nicht mehr zu bewältigenden Besucherandrangs (7.000 in Köln, bundesweit 140.000) hatte die Bürgerinitiative um eine Verlängerung der Standzeiten gebeten. Diese Bitte wurde abgewiesen.

Die DB AG verlangt für das Gedenken im „Zug der Erinnerung“ stündlich 45,00 Euro, für das Standgleis stündlich 5,00 Euro, für einen Stromanschluss (ohne Stromverbrauch) bis zu 945,00 Euro und für den gefahrenen Streckenkilometer rund 3,50 Euro. Für die Anfahrt und den Aufenthalt in Hamburg muss die Bürgerinitiative über 6.000,00 Euro an DB-Kosten aufbringen. Der Gesamtbetrag, den die DB AG für das bundesweite Gedenken berechnet, wird auf 110 Tausend Euro kalkuliert. Die DB AG hat Bitten um Stundung der Gelder abgelehnt.

(Quelle: Pressemitteilung Nr. 09-08 der bundesweiten Kampange)

In der Mopo vom 18.3.08 zeigte sich wie das Verhältnis der DB zu der Ausstellung sich gestaltet und wie man die Einschränkung als Alternative verkauft.

Die Bahn kontert: Der Zug sei zu kurzfristig angemeldet worden. Außerdem würde der Betrieb auf dem Hauptbahnhof durch ein blockiertes Gleis zu sehr eingeschränkt. Die Bahn hat nun Altona als Alternative angeboten.

(Quelle: Mopo 18.3.08 via Phex)

Näheres brauch dazu wohl kaum ausgeführt werden, es bleibt abzuwarten, wie sich das Szenario zur kommenden Woche entwickeln wird.

Ansonsten sei auf die, inzwischen aktualisierte Homepage der örtlichen Arbeitsgruppe verwiesen. Hier kann man sich inzwischen mit Hintergrundtexte, sowie Namen und Fotos deportierte Kinder aus Hamburg informieren.
Außerdem hier noch mal die Termine ausführlicher:

  • Begrüßung des Zuges: 24.März 2008 (Ostermontag), 15 Uhr, Hamburg-Hauptbahnhof
    RednerIn: Esther Bejarano, Wolfgang Rose (oder Frank Teichmüller), Ruben Herzberg, evtl. auch Zwi Steinitz (Israel), Steffi Wittenberg und Esther Bauer (New York)
  • Dienstag, 25. März, 19 Uhr, Kontorhaus Meßberg 1
    Zeitzeugengespräch mit Zwi Steinitz/Israel und Lesung aus seinem Buch

    ‚Als Junge durch die Hölle des Holocaust: „Die SS behandelte uns schlechter als Schlachtvieh“‘
    Organisation und Veranstalter: Freundeskreis von Yad Vashem in Deutschland e.V.

    Mittwoch, 26. März, 19 Uhr; Gewerkschaftshaus, Besenbinderhof 60, Eingangshalle
    Aber das, was ständig wieder da war, war die Frage: Wo sollen wir hin? (Jørgen Barfod).

    Häftlingsschicksale auf dem Eisenbahntransport in das KZ Neuengamme und in seine Außenlager.
    Eine Lesung aus Häftlingsberichten, Romanen und Dokumenten mit Karin Heddinga und Michael Grill.
    Musikalische Umrahmung am Flügel: Axel Zwingenberger
    Veranstaltet von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme
  • Donnerstag, 27. März, 19 Uhr, Hamburger Schulmuseum, Seilerstr. 42
    Unsere einzige Hoffnung ist die Jugend.

    Diskussionsveranstaltung zur Wirkung von Zeitzeugengesprächen bei Jugendlichen.
    Mit den Zeitzeuginnen Steffi Wittenberg und Esther Bejarano, dem Geschichtsdidaktiker Prof. Dr. Bodo von Borries und SchülerInnen aus Hamburg, Moderation: Katharina Obens
    Organisation: Auschwitz-Komitee und Hamburger Arbeitsgruppe
  • Freitag, 28. März, ab 14 Uhr
    Führung durch die Gedenkstätte für die Kinder vom Bullenhuser Damm.

    In der Nacht vom 20.auf den 21. April 1945 wurden im Keller der damaligen Schule am Bullenhuser Damm zwanzig jüdische Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren ermordet. Sie kamen aus Frankreich, Italien, den Niederlanden, Polen und wahrscheinlich aus Jugoslawien. Sie wurden in das KZ- Auschwitz deportiert und von dort in des KZ Neuengamme. Dort sind sie für medizinische Versuche missbraucht worden. Um dies vor den anrückenden alliierten Truppen zu verbergen, tötete die SS die Kinder mit ihren vier Häftlingsbetreuern. In derselben Nacht tötete die SS in der Schule ebenfalls 24 sowjetische Kriegsgefangene.
    Hinter dem Gebäude hat die „Vereinigung der Kinder vom Bullenhuser Damm“ einen Rosengarten angelegt.
    Hier können zum Gedenken an die Opfer Rosen gepflanzt werden.
    Anmeldung nicht erforderlich.
    Ort:Gedenkstätte Bullenhuser Damm und Rosengarten für die Kinder vom Bullenhuser Damm.
    Bullenhuser Damm 92, 20539 Hamburg.(10 Minuten Fußweg vom S-Bahnhof Rothenburgsort)
  • Freitag, 28. März, ab 15 Uhr, Hannoverscher Bahnhof, Lohseplatz
    Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Opfer der Deportationen in Hamburgs ehemaligen Hannoverschen Bahnhof

    Mehr als 7000 Menschen, vor allem Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, sind zwischen 1940 und 1945 vom Hauptgüterbahnhof Hamburg, dem Hannoverschen Bahnhof, in den Tod deportiert worden.
    Es spricht der Generalsekretär der Rom- und Cinti-Union e.V., Karl-Heinz ‚Lolo’ Weiß und VertreterInnnen des Auschwitz-Komitees in der BRD e.V.
    Organisation: Hamburger Arbeitsgruppe gemeinsam mit der RCU Hamburg
  • Sonnabend, 29.März, 10 – 19 Uhr (geplant)
    Aufenthalt des Zugs der Erinnerung auf dem Bahnhof Altona

    Begrüßung durch Andreas Grutzeck, Vorsitzender der Bezirksversammlung
    (Uhrzeit muss noch bestätigt werden)