Archiv für März 2008

Zug der Erinnerung in Hamburg

Vom 24. – 29. März 2008 macht die AusstellungZug der Erinnerung im Hamburger Hauptbahnhof halt.
„Es handelt sich dabei um eine Dampflok mit mehreren historischen Waggons, in denen sich eine Ausstellung zum Schicksal der deportierten Kinder – mit einer ergänzenden Ausstellung über die Kinder vom Bullenhuser Damm – befindet. Im dritten Bahnwaggon sollen insbesondere Schülerinnen und Schüler zur Spurensuche nach den aus Hamburg deportierten Kindern angeregt werden.
In den beiden Waggons werden zwei Ausstellungen zu sehen sein: Die Dauerausstellung des Vereins Zug der Erinnerung zu den Deportationen und den Schicksalen der deportierten Kinder und eine Ausstellung der Hamburger Arbeitsgruppe, die über die Situation in Hamburg informiert.“
„In Hamburg arbeitet seit mehr als zwei Jahren eine Arbeitsgruppe „Deportationen/11.000 Kinder“, ein Bündnis von Organisationen und Initiativen, das vom Auschwitz-Komitee bis zur VVN-BdA, dem DGB und der Gewerkschaft ver.di reicht.“ Die genaue Zusammensetzung des Bündnisses ist auf der Seite zum Halt der Ausstellung in Hamburg nachzulesen, sowie einige zusätzliche Informationen.



Rahmenprogramm

Dienstag, 25. März, 19 Uhr, Warburg-Haus, Heilwigstr. 116
Podiumsdiskussion „Die Erforschung und Aufarbeitung der Rolle der Reichsbahn bei den Deportationen in den Tod 1938-1945 – Eine Zwischenbilanz“

Dienstag, 25. März, 19 Uhr, Kontorhaus Meßberg 1
Zeitzeugengespräch mit Zwi Steinitz/Israel und Lesung aus seinem Buch ‚Als Junge durch die Hölle des Holocaust: „Die SS behandelte uns schlechter als Schlachtvieh“‘

Mittwoch, 26. März, 19 Uhr; Gewerkschaftshaus, Besenbinderhof 60, Eingangshalle
Lesung aus Texten zu den Deportationen

Donnerstag, 27. März, 19 Uhr, Hamburger Schulmuseum, Seilerstr. 42
Zeitzeugen im Gespräch mit Schülerinnen und Schülern. Rezeption von Begegnungen

Freitag, 28. März, ab 14 Uhr, Besuch in der Gedenkstätte für die Kinder vom Bullenhuser Damm

Freitag, 28. März, ab 14 Uhr, Hannoverscher Bahnhof, Lohseplatz
Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Opfer der Deportationen aus Hamburg

Angebote während des Aufenthalts des Zuges am Hamburger Hauptbahnhof

Dienstag bis Donnerstag:
Rundfahrt zu den Hamburger Deportationsbahnhöfen
Rundgänge
Spurensuche – Plätze und Orte der Deportationen
Führungen durch die Ausstellung
Projekttage für Schulen

Watcha ganna do

Nach erfolgreichem Umzug, Einrichtung und Einleben geht das Leben selbstverständlich weiter. Im folgenden einige Dates in nächster Zeit.

  • Gedenkkundgebung an der Lübecker Synagoge
    22.03.08 | 11 Uhr | Breite Str./Commerzbank | Lübeck

    Kundgebung in Gedenken an den Brandanschlag auf die Lübecker Synagoge am 25.3.1994 und gegen den Naziaufmarsch am 29.03.

  • Im Gedenken an die Deportierten
    26.03.08 | 16 Uhr | Bahnhofsvorplatz | Göttingen

    Gedenkkundgebung am 66.Jahrestag der Deportation der Göttinger Jüdinenn und Juden

  • Juri Gagarin + Frittenbude
    27.03.08 | 21 Uhr | @Hafenklang | HH

  • Saint Pauli DJ-Set wt Mr Flash
    28.03.08 | 23 Uhr | @FOO Terrace Hill | HH

  • Celebration gegen Nazitrauermarsch
    29.03.08 | 10:39 Uhr | Holstentorplatz | Lübeck

    Organisiert die Autonome Antifa gegen polizeilich-national-„befreite“-Zonen und deutsches Rumgeopfer!

    Für den 29.03.2008 mobilisieren NPD und „freie Nationalisten“ im dritten Jahr in Folge zu einem Aufmarsch in Lübeck.>

    Aufruf des Bündnis Autonomer Antifas Nord [BAAN]
    Aufruf des Bündnisses „Wir können sie stoppen“

    Aus aktuellem Anlaß der Gegenaktionen sei auch nochmals auf den Text „Blockade ist nicht alles – Gegen deutsche Opfermythen in Lübeck“ von against! Gruppe gegen Deutschland verwiesen.

  • MSTRKRFT
    12.04.08 | 20 Uhr | @Mandarin Kasino | HH
  • Nachtrag: Deutsche Empörung

    Inzwischen sind auch in mehr Zeitungen Artikel zu der deutlichen Stellungnahme Michael Szentei-Heises, dem Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, erschienen.
    Obwohl schon gestern eindeutige Klarstellungen öffentlich waren, dass es keinen Satz gab in dem das Wort „Nazi“ und „Mehdorn“ auftauchte, versucht man in verschiedenen Zeitungen einen „indirekten“ Nazi-Vorwurf zu finden.

    Herr Mehdorn ist inzwischen doch sehr empört und beweist, dass er es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt:

    „Solche ungeheuerlichen Vorwürfe disqualifizieren sich von selbst. Die Äußerungen sind unverzeihlich, und wir werden es den Juristen überlassen, diese zu bewerten.“ Außerdem betonte der Vorstandsvorsitzende, die Deutsche Bahn setze sich kritisch mit ihrer Vergangenheit auseinander.

    Die „kritische Auseinandersetzung“ der DB kann nur als blanker Hohn verstanden werden, wenn man sich vor Augen führt, dass zum einen in Frankreich die Bahn die Finanzierung des Projekts übernahm und zum anderen die Ausstellungen kaum als „kritisch“ oder auch nur ansatzweise als Gedenken bezeichnet werden können. Außerdem verschweigt Mehdorn geflissentlich, dass er vom Bundesverkehrsministerium mehr oder weniger gezwungen werden musste, die neue DB-eigene Ausstellung durchzuführen. Ansonsten zeigt auch Mehdorn, schon das aufgezeigte Verhaltensmuster, der deutschen NS-Gedenk-Vorreiterrolle, in der sich man hier gerne sonnt, wenn er ein Mitglied der jüdischen Gemeinde belehren glauben zu müssen weiß, wie man mit der Erinnerung an die Shoa umzugehen habe und welcher Umgangston zu gebote stehe. Unvermeidlich bleibt dann auch die Drohung nach rechtlichen Schritten.

    Das Statement zur Gewissensbereinigung der DB zeigt außerdem, dass man gelernt hat Gedenken gegeneinander auszuspielen und die, für ein Unternehmen wie die DB lächerlichen, Betrag zur Unterstützungen für einzelne Projekte gerade im historischen Kontext der Reichsbahn-Nachfolge als Hohn erscheinen müssen. Denn der Gewinn der Reichsbahn durch Deportation udn Mitwirkung an der Shoa, sind de facto die GRundlage für die DB.

    In der Öffentlichkeit, so der DB-Vorstand, gebe es viele Menschen, die wüssten, wie sich die Deutsche Bahn gerade in Mehdorns Amtszeit mit der Vergangenheit der Deutschen Reichsbahn kritisch auseinandergesetzt habe. Als Beispiele sind zu nennen: Die Dauerausstellung zur Rolle der Reichsbahn im Nationalsozialismus im Nürnberger DB-Museum, die aktuell gezeigte Wanderausstellung „Sonderzüge in den Tod – die Deportationen der Deutschen Reichsbahn“ sowie die Unterstützung von weiteren Projekten wie dem Film „Der letzte Zug“ von Arthur Brauner. Nicht zuletzt ist der freiwillige Beitrag der DB an die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ zu erwähnen.

    (Quelle: Pressemitteilung der DB)

    Die wahre deutsche Moralkeule schwingt jedoch Friedrich Roeingh in einem Kommentar in der Westdeutschen Zeitung. Er weiß, was sich gehört und was nicht und unterlegt dies mit einer „Geschichte der Nazi-Vergleiche in der politischen Auseinandersetzung“. Denn er weiß,

    Es sind stets zwei Quellen, aus denen sich die schiefen Nazi-Vergleiche speisen: Rhetorische Hilflosigkeit beim Ausdruck der Empörung, oder ein kalkulierter Tabubruch, um ein größtmögliches Echo auszulösen. In beiden Fällen wird der industriell betriebene Massenmord von Auschwitz relativiert, und seine werden Opfer verhöhnt.

    Seine vermeintlich so gute Analyse ist so scharf wie ein rostiges Fleischerbeil, denn sie verharrt nur auf Darstellung der einfach wahrnehmbaren Ebene der politischen Diskussion. Das es einen eklatanten Unterschied zwischen derartigen Vergleichen gibt und auch jeweils andere Ideologien der BEweggrund für eine solche Äußerung sind, fallen dem deutschen Zeitungsschreiberling nicht auf. Auch wenn seine „Historie“ dafür schon genug Material liefert:

    Helmut Kohl erlag gleich mehrfach dieser Versuchung. Mitte der 80er Jahre verglich er seinen späteren Freund Michail Gorbatschow mit Joseph Goebbels, und 2002 titulierte er Wolfgang Thierse als den schlimmsten Parlamentspräsidenten seit Hermann Göring. Die ehemalige Justizministerin Hertha Däubler-Gmelin bereitete ihrer politischen Karriere 2002 selbst ein Ende, als sie US-Präsident George Bush in der Debatte um den Irak-Krieg mit Hitler verglich. Und der Augsburger Bischof Walter Mixa wusste sich erst jüngst der persönlichen Kritik von Grünen-Chefin Claudia Roth an ihm nur durch den Hinweis zu erwehren, diese knüpfe an die NS-Propaganda-Hetze gegen die katholische Kirche an.

    So hätte er zum Beispiel bei genauerer Analyser erkennen können, dass Däubler-Gmelin einen typisch deutschen Antiamerikanismus artikulierte. Und die Äußerungen Kohls beweisen primär eins, und zwar nicht „Empörung, oder ein kalkulierter Tabubruch“, sondern dass den Deutschen Auschwitz eine Leerstelle ist, die man überall hinprojezieren kann und die von ihnen nicht zu begreifen ist, da sie sich mit deutscher Ideologie und ihrer eigenen Adaption dieser auseinandersetzen müssten. Und das dies ein deutsches Phänomen ist, bewieß spätestens Joschka Fischer mit seinem Gerede von einem „serbischen Auschwitz“.
    Dies ist für Friedrich Roeingh unbegreiflich und so will auch er „die Juden“ belehren, weiß das sich „Missbrauch des Holocaust“ verbiete und empört sich über die Standfestigkeit Szentei-Heises. Denn auch für ihn ist unbegreiflich, dass der Vergleich gar nicht so absurd war und sich aus simplen Tatsachen auch kaum verbiete. Denn, wie schon an anderer Stelle ausführlich dargestellt, bemüht sich Mehdorn permanent das Gedenken zu verhindern und beschimpft gar Personen wie Beate Klarsfeld. Das Mehdorn als Rechtsnachfolger auch “Führer der neuen Reichsbahn” ist und außerdem eine simple Analyse antisemitischer Denkmuster in der BRD, sowie eine deutscher Täter während des NS, die Aussagen Szentei-Heise bestätigen würde, das ist die Tatsache, die in Deutschland nicht wahr sein kann und darf.
    So schreibt Herr Roeingh dann auch:

    Dieser Missbrauch des Holocaust wird nicht lässlicher, wenn er von einem Mitglied der jüdischen Gemeinschaft begangen wird. Die ungeheuerliche Unterstellung gegen Bahnchef Hartmut Mehdorn, dieser hätte in gleicher Funktion im Dritten Reich die Deportation der Juden in die Vernichtungslager ebenso angeordnet wie seine Vorgänger, geht sogar noch weiter als viele Vergleiche zuvor. Der Verwaltungsdirektor der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf stempelt Mehdorn zum potenziellen NS-Täter – wenn dieser nur die Gelegenheit dazu gehabt hätte. Und statt sich einen Tag später in aller Form zu entschuldigen, bekräftigt Szentei-Heise diesen Ausfall auch noch.

    In so einer Zeitung kann man dann auch nur titeln „Szentei-Heise beleidigt Mehdorn und die Deutsche Bahn“, „unerklärlich“ wieso man nicht gleich schrieb „[…] bleidigt Deutschland!“.

    Die Initiative hat inzwischen auch eine aktuelle Stellungnahme herausgegeben, die die Unverschämtheit Mehdorns und der DB illustriert:

    Die Konzernleitung der Deutschen Bahn AG belastet den „Zug der Erinnerung“ mit weiteren Rechnungen. Wie eine aktuelle Kalkulation des Trägervereins ergibt, will die DB bis zum Fahrtende rund 25 Tausend Euro für die Schienennutzung verlangen und rund 70 Tausend Euro für das Gedenken auf den Bahnhöfen erheben. Mehr als 10 Tausend Euro werden für as Abstellen der Wagen mit Fotos und letzten Briefen der Deportierten veranschlagt. Damit summieren sich die erwarteten Kosten auf über 100 Tausend Euro.

    Nachdem der Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages die Konzernleitung im Januar gebeten hatte, über eine Spende in gleicher Höhe nachzudenken, schien der Weg für eine Verständigung frei. „Wir wollen den Streit unbedingt deeskalieren“, sagt der Vorstandssprecher im „Zug der Erinnerung“, „denn das Gedenken an die Opfer darf nicht beschädigt werden. Deswegen haben wir eine Bitte um Stundung gestellt.“ Aber statt auf die Zahlungen zeitweise zu verzichten, besteht die Bahn AG auf sofortiger Begleichung ihrer hohen Rechnungen. Damit schlägt die Konzernleitung erneut jeden Versuch aus, zu einer stillschweigenden Verständigung zu kommen und der gemeinsamen Verantwortung für die Opfer der „Reichsbahn“-Deportationen gerecht zu werden. Doch auf den Brief des Verkehrsausschusses hat Hartmut Mehdorn auch nach 8 Wochen immer noch nicht geantwortet. […]

    Das Verhalten der DB-Spitze provoziert die überlebenden Opfer der „Reichsbahn“-Deportationen und deren Angehörige von Tag zu Tag mehr. In einem Schreiben aus Hessen, das an den Bundespräsidenten gerichtet ist, bietet ein Angehöriger der DB AG 20.- Euro an, um noch ausstehende Rechnungen für die Todestransporte seiner Verwandten zu begleichen. „Wir, Juden aus Halle, übernehmen für Sie die Bahnfahrtkosten“, wenden sich andere Angehörige an die Konzernleitung, und fordern das Management auf, den „Zug der Erinnerung“ zu besuchen.[…]

    (Quelle: http://www.zug-der-erinnerung.eu/)

    So ist auch Michael Szentei-Heise im Folgenden zuzustimmen:

    Rücksicht auf die Persönlichkeitsrechte von Bahn-Chef Mehdorn müsse er nicht nehmen, erklärte der Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf. „Dieser Mann hat gezeigt, dass er für keinerlei Argumente zugänglich ist – auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil.“

    Bleibt zu hoffen, dass die DB weiterhin keinen Pfenning von der Initiative erhält.

    Infos zum Zug:

  • Zug der Erinnerung
  • Dossier zur Ausstellung bei german-foreign-policy.com
  • Einige Fotos aus der Ausstellung
  • Die Rede „Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, am 9.3.2008″
  • Presse:

  • WDR „Streit um „Zug der Erinnerung“ eskaliert“ 10.03.2008
  • Spon „Skandalöse Rede – Mehdorn als „Führer der neuen Reichsbahn“ beschimpft“ 10.03.2008
  • WAZ „Schlimme Entgleisung“ 10.03.2008
  • RP-Online „Bahn prüft Vorgehen nach Nazi-Vorwürfen“ 11.03.2008
  • AFP „NS-Vorwurf gegen Mehdorn: Bahn prüft juristische Schritte“ 11.03.2008
  • WDR „Bahn-Vorstand: Juristische Schritte wegen Nazi-Vorwürfen“ 11.03.2008
  • Westdeutsche Zeitung „Bahn-Chef Mehdorn indirekt als Nazi beschimpft“ 11.03.2008
  • Westdeutsche Zeitung „Szentei-Heise beleidigt Mehdorn und die Deutsche Bahn“ 11.03.2008
  • DB AG Presseinfo „Vorwürfe gegen Mehdorn ungeheuerlich“ 11.03.2008
  • Videobeitrag des WDR „Streit um „Zug der Erinnerung“
  • Deutsche Empörung

    Wird in dem Land der Täter und seiner Nachkommen mal die Wahrheit ausgesprochen und die Deutschen mit ihrer Vergangenheit, sowie ihrer Aufarbeitung konfrontiert, so macht sich im ganzen Land Empörung breit. Und von Antisemitismus hat man hier höchstens mal im Kontext des NS von gehört.

    Viel passiert war eigentlich nicht, der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf Michael Szentei-Heise benannt bei der Eröffnung der mobilen Ausstellung „Zug der Erinnerung“ in Düsseldorf lediglich Fakten und stellte polemisch das Verhalten des Reichsbahnnachfolger, die Deutsche Bahn, dar. Um das Verhalten der DB im Kontext der Ausstellung darzustellen und ins besondere die Forderungen von Gebühren für den Aufenthalt der Ausstellung in Bahnhöfen der DB (für Düsseldorf fordert die DB 10.000€), stellte Szentei-Heise klar was faktisch diese Haltung bedeute.

    „Für mich hat es den Anschein, als ob es den heutigen Verantwortlichen im Nachhinein leid tut, Kleinkinder damals kostenlos in den Tod befördert zu haben“, sagte Szentei-Heise zu SPIEGEL ONLINE – in Anspielung darauf, dass Erwachsene damals für die eigene Deportation ein Ticket der Reichsbahn lösen mussten, Kinder unter sechs Jahren jedoch kostenlos fuhren.
    Diese Geldeinbuße wolle man heute wohl durch Gebühren für den „Zug der Erinnerung“ gutmachen, sagte Szentei-Heise. „Ich fordere die Reichsbahn von heute auf, sie möge die Finanzierung der Fahrten dieses Zuges aus den Gewinnen entnehmen, die sie seinerzeit mit den Todestransporten der erwachsenen Deportierten gemacht hat“, so der Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf.

    (Quelle: Spon)

    Und er stellte außerdem deutlich dar, wieso er diese Art des Umgangs mit der DB wählte:

    „Ich wollte bewusst provozieren“, um „in der Vorstandsetage der Bahn für etwas Furore zu sorgen“. Die Rolle der Reichsbahn im Nationalsozialismus müsse in der Öffentlichkeit präsent bleiben, so Szentei-Heise.

    Quelle: Spon)

    Diese, eigentlich nicht mal zugespitzte Darstellung des Verhaltens der Bahn, zeigt klar, wie die Position der DB zu der rollenden Ausstellung ist. Zum einen werden die geschichtlichen Kontinuitäten geleugnet und die vorhandenen Ausstellungen befassen sich nur sehr oberflächlich mit dem Thema der Deportationen, außerdem liegen ausführliche Akten zu den Deportationen, welche einige Erkenntnisse bringen würden, beim Bundesverkehrsministerium. Zum anderen verweigerte die DB von Anfang an die Finanzierung des Projekts und ließ Teilnehmer der Protest- und Gedenkveranstaltungen z.T. unter Anwendung von massiver Gewalt vom Gedenken und Einfordern der Ausstellung abhalten. Auch die Bundesregierugn verweigerte die Durchführung des Projekts und zog sich aus der Affaire in dem auf die DB verwiesen wurde. Besondere Empörung rief die Forderung der DB nach Bezahlung für die Nutzung von DB-Infrastruktur für die Ausstellugn hervor, welche z.T. von den Initiativen verweigert wird/wurde.

    Der „faktische Boykott“ der Deutschen Bahn AG und des Berliner Verkehrsministeriums gegen den „Zug der Erinnerung“ löst in Europa Befremden aus. Die Bahn AG, größter Schienenlogistiker auf dem Kontinent, verlangt für das Gedenken an die europäischen Deportationsopfer des NS-Vorgängerunternehmens („Deutsche Reichsbahn“) mehrere zehntausend Euro. So werden Gebühren für die Gleisnutzung gefordert, weil der „Zug der Erinnerung“ mit einer Ausstellung über die deportierten Kinder und Jugendlichen auf dem deutschen Schienennetz fährt. Weitere Gelder werden verlangt, weil die Besucher auf dem Weg zur Ausstellung die Bahnsteige betreten. Auch für die Beleuchtung der Opferfotos und letzten Briefe im „Zug der Erinnerung“ will die Bahn AG hohe Summen kassieren – insgesamt mehr als 50.000 Euro. Dieses Vorgehen hatte die deutsche Presse als „skrupellos“ bezeichnet. Jetzt informieren auch ausländische Medien über die offenkundigen Versuche, den „Zug der Erinnerung“ durch maßlose Finanzforderungen zum Halten zu bringen. Die Initiatoren rufen im Ausland dazu auf, Protestschreiben an die dipomatischen Vertretungen der Bundesrepublik zu richten. Der Zug soll am 8. Mai mit mehreren hundert Jugendlichen in der Gedenkstätte Auschwitz eintreffen. „Wir werden der Deutschen Bahn AG keinen Cent zahlen“, kündigen die Bürgerinitiativen in einem Interview an.

    (Ausführliche Artikel-Sammlung bei german-foreign-policy.com)

    So zeigt sich, dass die Beschreibung von Michael Szentei-Heise kaum als übertrieben zu bezeichnen ist. Für die größte Aufregung sorgten wohl die Bezcihnung Szentei-Heise von Mehdorn als

    „Führer der neuen Reichsbahn“

    und die Feststellung

    „Wenn Herr Mehdorn im Dritten Reich in derselben Position gewesen wäre wie heute, hätte er mit großer Überzeugung Deportationen angeordnet.“

    Auch wenn Szentei-Heise auch diese Aussagen unter seine „provoaktive“ Darstellung fast, lässt sich konstatieren, dass diese nur im Auge Deutscher provokativ erscheinen können, denn sie beschreiben die Wirklichkeit.
    Zum einen ist die simple Fesstellung, dass Mehdorn als der Vorstandsvorsitzende der DB auch rechtmäßiger Nachfolger der Reichsbahn ist und somit auch Vorsitzender dieser. Es kann auch kaum davon gesprochen werden, dass man sich groß der Übernahme der Reichsbahn widersetzte, sondern das man glücklich war ein Unternehmen zu übernehmen, dass finanziell gut darstand und dies selsbtredend durch die Mitarbeit an der Ermordung der europäischen Juden, der lgoistischen Untersützung der Wehrmacht und SS, sowie der Arisierungstransporte um nur einige eklatante Beispiele zu nennen.
    Auch kann erneut nur wieder auf die zahlreichen Studien verwiesen werden, welche eine antisemitische Grundstimmung in Deutschland, sowie die weite Verbreitung antisemitischer Motive aufzeigen, sodass der Verweis auf ein mögliches! Verhalten Mehdorns mehr als berechtigt ist.
    Das Mehdorn in bester deutscher Tradition steht beweist zum einen seine explizite Verweigerung des Gedenkens an die Deportierten, womit er nur den Wunsch der deutschen Mehrheitsbevölkerung entspricht, endlich weniger über den NS und die „Leiden der Juden“ sprechen zu wollen und zum anderen wusste er auch schon zu beweisen, dass er weiß wie mit Juden um zu springen sei. So gab er in einem Interview unzählig Beleidigungen gegen die FFDJF (die französische Opferorganisation um Beate Klarsfeld) von sich und wusste in bester deutscher Maneir zu konstatieren, dass diese

    den Holocaust unangemessen darstellen wolle.

    In der deutschen Presse bewies man sogleich auch, dass man in Anschluss an Mehdorn ebenso wisse, wie die Äußerungen von Szentei-Heis zu bewerten sein. Bei Spiegel Online quatschte Annett Meiritz von einem

    Verbalausfall sondergleichen

    und widerholte die Behauptung, dass Szentei-Heis Mehdorn mit einem Nazi verglichen habe, was dieser erneut dementierte hatte.
    In der Westdeutsche Allgemeine Zeitung wusste man noch eine Stufe besser mit „den Juden“ umzuegehen und empörte sich, dass

    dermaßen eingedroschen wird, wie es der Geschäftsführerder Jüdischen Gemeinde in Düsseldorf tat, sprengt sämtliche rhetorischen Verhaltensregeln im Umgang mit dem Nationalsozialismus. Mehdorn u.a. als „Führer der neuen Reichsbahn“ zu bezeichnen, da geht Michael Szentei-Heise zu weit.

    So weiß der Deutsche wie man über den NS und Auschwitz zu sprechen habe und will sich da vom Juden ja auch keine Vorschriften machen lassen, eher lehrt man diesem, wie man diesen „Umgang“ zu pflegen habe. Aber man weiß auch gleich wie man mit solchen Abweichlern umzuspringen hat und diese in ihre Schranken weisen kann:

    Die Juden in Düsseldorf sollten ihren Geschäftsführer zügeln. Und eine Anzeige wegen Beleidigung wäre durchaus gerechtfertigt.

    Die unterschwellige Drohung, dass wenn die Düsseldorfer Juden ihren Geschäftsführer nicht „zügeln“ würden, könnte man für das Ausbleiben antisemitische Angriffe durch selbsbewusste Deutsche nicht garantieren, ist offenkundig und spiegelt den deutschen Umgang mit Antisemitismus, Gedenkkultur und den jüdischen Gemeinden wieder.

    Gewalt gegen Frauen im NS

    Der Antifaschistische Frauenblock Leipzig (AFBL) organisierte eine Veranstaltugnsreihe mit dem Titel „Gewalt gegen Frauen im NS“ im Februar 2008. Zwei Veranstaltungen wurden von public-ip.org aufgezeichnet. Am 18.3. folgt noch die Veranstlatung „Vergewaltigung im deutschen Opferdiskurs“ mit Regina Mühlhäuser.

    Sexzwangsarbeit in NS-Konzentrationslagern

    Der erste Vortrag am 7. Februar 2008 im Conne Island war zum Thema „Sexzwangsarbeit in NS-Konzentrationslagern“ von Christa Paul.

    Kriminalisierung, Kasernierung und Verfolgung von Prostituierten waren die eine Seite nationalsozialistischer Politik. Die andere Seite war die von staatlichen Institutionen initiierte Errichtung eines Netzes von Bordellen unterschiedlicher Kategorien: Bordelle für Wehrmachtsangehörige, Bordelle für Fremd- und Zwangsarbeiter und Bordelle für Häftlinge in Konzentrationslagern.
    In den Bordellen für Häftlinge der Konzentrationslager mussten Frauen aus den Konzentrationslagern Ravensbrück und Auschwitz-Birkenau arbeiten. Sie hofften auf eine in Aussicht gestellte Entlassung aus den Konzentrationslagern oder auf bessere Überlebensbedingungen im Konzentrationslager.
    Die staatlich errichteten Bordelle waren Teil des nationalsozialistischen Terrors und Teil der Geschichte sexualisierter Gewalt an Frauen.
    Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die staatlich errichteten Bordelle tabuisiert. Dadurch konnten die Frauen, die in den Bordellen arbeiten mussten, ihre Erfahrungen nirgendwo erwähnt finden. Nur vereinzelt sprechen Frauen über ihre Zeit in einem KZ-Bordell. Die meisten Frauen schwiegen, weil es sexualisierte Gewalt war, die sie erlitten, und weil sie befürchteten, diskriminiert zu werden. Der Bericht einer Frau, die in einem KZ-Bordell arbeiten musste, wird vorgestellt. Beleuchtet wird auch die Entschädigungspolitik, insbesondere in Hinblick auf ihre Bedeutung für das Schweigen über die Lagerbordelle.

    Christa Paul ist Autorin des Buchs „Zwangsprostitution: Staatlich errichtete Bordelle im Nationalsozialismus“.

    An dieser Stelle ist nur der Vortrag dokumentiert, die anschließende Diskussion leider nicht, weil die Fragen der Gäste akkustisch schlecht zu verstehen waren.

    Dauer: 56:45 min

    Download unter http://www.public-ip.org/

    Zwangsarbeiterinnen in Ravensbrück

    Die Lesung samt Filmmaterial mit Loretta Walz fand am 21. Februar 2008 im Conne Island statt. Titel des Vortrags war „Zwangsarbeiterinnen in Ravensbrück“.

    In einer Mischung aus Lesung und Filmausschnitten stellt Loretta Walz Überlebende des Frauen-KZs Ravensbrück vor. In diesem Lager nördlich von Berlin waren über 130.000 Frauen und Kinder inhaftiert. Zehntausende wurden systematisch ermordet oder starben auf Grund der Lagerbedingungen.
    Die meisten der Überlebenden haben nie von der Schreckenswelt des Konzentrationslagers gesprochen. Gegen Hunger, Tod und Verzweiflung täglich neu ums Überleben zu kämpfen, schließlich mit der Erinnerung an die tiefste Erniedrigung weiterzuleben – jahrzehntelang wollte es niemand wissen.Loretta Walz befragt in Ihrem Buch „Und dann kommst du dahin an einem schönen Sommertag“ Überlebende nach ihrem ganzen Leben, nicht nur den Jahren in Ravensbrück.
    Neben der Arbeit der Referentin und ihren Erfahrungen bei den Interviews wird der Schwerpunkte der Veranstaltung auf Inhaftierte als Zwangsarbeiterinnen in den SS-Werkstätten und Siemenswerken liegen.

    Loretta Walz ist Autorin und Regisseurin. Sie beschäftigt sich seit 1980 mit den Lebensgeschichten von Überlebenden aus Ravensbrück. Insgesamt führte sie 200 Interviews.

    Dauer: 122:06 min

    Download unter http://www.public-ip.org/