1.Mai reloaded

Es wäre ja nicht so, dass linke Aufrufe selten mal ein geistiges Armutszeugnis sind, es scheint eher so zu sein, dass man sich darum bemüht Material zur Verfügung zu stellen um die eigenen inhaltlichen Kollaps zu bezeugen. Dank dieser Tatsache habe ich die „Ehre“ erneut etwas zur Mobilisierung zum 1.Mai in Hamburg zu schreiben. Wer aber erwartet, dass ich ein „How to“ zur „besseren“ Antifapolitik anbiete hat Kritik nicht verstanden. Trotzdem verweise ich gerne auf lesenswerte Artikel und Essays am Ende des Beitrags.
Aber zuerst nochmal ein paar Worte für Leute die sich doch so freundlich aufregten. Wenn man zum einen die Kritik in meinem Beitrag zum Aufruf der „Autonome Antifaschistische Gruppen Hamburg“ nicht gefunden oder verstanden hat so tut mir dies nicht wirklich leid. Über die Berechtigung dieser mag man sicherlich streiten, aber man sollte sich dann vielleicht doch mit der Kritik inhaltlich auseinandersetzen. Richtig leid tut mir hingegen wer offensichtlich zu blöde ist den Beitrag aus dem FSK-Transmitter zu lesen und verzweifelt vor sich hinfluchend die sachliche Kritik sucht.
Noch vielleicht ein kurzes Wort zum Gepöbel auf dem St.Pauli Forum. Ich danke gerade dem User XXL dafür die Kritik zu bestätigen. Wer seinen Hass auf Intellektuelle so offen zur Schau stellt und sich nicht entblödet mal wieder die Vorfälle von 2004 zu relativieren ist genau bei den Kritisierten sicherlicher gut aufgehoben.
Und von irgendwelchen Linken als Rassist beschimpft zu werden… *gähn* Bei einem derartigen Rassismusbegriff bestätigt sich erneut die „geistige Armut“.
Aber mehr ist zu solchen Personen nicht zu sagen, bzw wurde schon oft genug formuliert.

Inhaltliches Arschtreten
Zurück zum Aufruf- und Mobilisierungselend.
Die Antifaschistischen Jugend / Bundesweite Aktion (in Gründung) hat einen Aufruf mit dem unglaublichen „tollen“ Titel Zusammen treten wir den Nazis in den Arsch! veröffentlicht. Neben so Leerstellen wie dem Teilsatz „Faschismus ist eben keine Alternative“ weiß man genau wem was zusteht, wenn man schreibt:

Den reaktionärsten Kräften des Kapitalistischen Systems steht es nicht zu, sich als eine sozialistische Alternative darzustellen!

Man könnte sich ja Fragen wer dies entscheidet und durchsetzt oder ob man hier zum xten Mal versucht den Nazis das Wort „nationalsozialistisch“ abzusprechen, aber der Text bietet noch mehr Glanzstücke. So besinnt man sich auf die „großartige“ Tradition der deutschen Arbeiterschaft und hat „scharfsinnig“ erkannt

Die Forderung der Nazis nach sozialer Gerechtigkeit ist die Forderung nach einem autoritären, menschenverachtenden und arbeiterfeindlichen Staat!

Auch hier steht man fragend da. Nazis sind arbeiterfeindlich? Gab es nicht das Ideal des „deutschen Arbeiters“ in antisemitischer Abrenzung? Lief nicht der Großteil der „deutschen Arbeiter“ dem NS hinterher? War es wenn nicht eine (tödliche) gewerksschaftfeindliche und antikommunistische Politik?
All dies beantwortet der Aufruf leider nicht, wiederbelebt aber den Mythos der unschuldigen, antifaschistischen deutschen Arbeiter. Abschließend präsentiert man eine übliche linke Indifferenz bei der Verurteilung des NS und schreibt einen solchen Satz:

Die soziale Gerechtigkeit der Nazis hat sich historisch bereits eindrucksvoll offenbart: in der Zerschlagung der deutschen Arbeiterbewegung, dem Zweiten Weltkrieg und millionenfachem Völkermord.

So ist alles eins: Shoa – Zerschlagung der Arbeiterbewegung – 2.Weltkrieg – Ermordung der Sinti + Roma – usw.

Ein ähnliches Glanzstück präsentiert die Antifa Lauenburg Süd mit ihrem Beitrag zur Mobilisierung, der für sich selber spricht:

Kapitalismus bekämpfen ist selbstverständlich, das ist der bisher grundlegende Sinn des Kampftages gewesen, aber warum auch Faschisten?

Nun, zum einen weil sie keiner mag und wir sie bekämpfen, wo wir nur können.

Das keiner die Nazis mag wissen wir ja spätestens seid den Lichterketten gegen Progrome und dem Antifasommer, oder wie war das liebe Antifas? Die zivilgesellschaftliche Empörung der deutschen Mehrheitsgesellschaft ist sicherlich emotional auf eurer Seite. Interessieren würde mich nur was der „internationale […] Faschismus“ ist, der US-Imperialismus? Ich hätte dazu auf jeden Fall viele spannende und lustige Ideen, wenn ihr das nicht „erklären“ könnt.

Unsägliche Musiker – Unsägliche Inhalte
Die Mobilisierung, über welche ich mich zu erst doch auf Grund weniger Bands freute, offenbart sich auch als konsequenten Abgrund. Am 29.4. findet als Mobilisierung für die antifaschistischen Gegenaktionen ein Lkw-Konzert in Barmbek statt. Neben wirklich guten Acts wie Schneller Autos Organisation, Turbostaat, Knarf Rellöm Trinity und Plemo tauchen zwei bekannte Hamburger Musiker auf. Es sind Holger Burner und Jan Delay.
David Schultz, Mitglied der unsäglichen SAV Hamburg, alias Holger Burner ist kein Unbekannter. Trotzdem wird er immer wieder bei Großevents eingeladen und auch die, erste öffentlich wirklich mal wirksamere Bericht vom Anti-G8-Camp der Berliner Falken, hat daran wenig geändert. Über die SAV soll hier nichts geschrieben werden, aber etwas zu Holger Burners personalisierten, verkürzten Antikapitalismus und Antisemitismus. Auf Grund der Erklärung zum Falken-Camp, dass hier ausreichend inhaltliches präsentiert, soll dieses ausschnitthaft zitiert werden:

Der Rapper knüpft an aktuelle politische Themen und Auseinandersetzungen an, so ist beispielsweise der Track „Unser Standard“ den Anti-Hartz4-Protesten gewidmet. In dem Song schürt MC HOLGER BURNER Sozialneid und hetzt gegen „die Millionäre“ und „die Politiker“, die er für das Elend der Welt verantwortlich macht. Dazu benutzt er populistische Aussagen, wie: „der halbe Bundestag wird ja bezahlt von VW“ oder „Ihr macht die Arbeitsagentur zu ner Sklavenzentrale – Siemens und Daimler scheffeln weiterhin Abermilliarden“.

Deutlicher wird er in seinem Song „Ketten zerreissen“, in dem er rappt: „Ich will Uzis verteilen von Hamburg bis München – Mit dem Aufruf die Chefs aller Banken zu lynchen“.[…]
Neben dem Schüren von Sozialneid propagierte er einen radikalen Antizionismus und stellte auf dem Anti-G8-Camp der Falken durch die Aussage: „Ich bin gegen jeden Nationalismus und vor allem gegen den Zionismus“ das Existenzrecht Israels zur Diskussion. Auch die Zeilen des Tracks „Sie se puede“: „Kurze Zeit später andres Land, kaum andre Zeit – Inzwischen gibt’s in Deutschland wieder Zwangsarbeit“ wurde vom Publikum nicht unkommentiert hingenommen und der Vergleich zum Nationalsozialismus kritisiert.

Die Helden der Hamburger HipHop Szene und Idole einer Deutschrap-Generation die Beginner, früher Absoluten Beginner, und gerade ihr exponiertester Vertreter Jan Delay sollten eigentlich auf Grund ihres Antiamerikanismus und Homophobie auch keine antifaschistischen Bündnispartner sein. Jedoch teilen sie mit ihrem Antiamerikanismus eine Ideologie mit der deutschen Linken und sind, ebenfalls mit ihrer Homophobie, in der deutschen Gesellschaft bestens angekommen. Folgerichtig ist dann auch die Deutschtümmelei der Rapper, welche als alternativ und links gelten.
Hier ein kurzer Ausschnitt aus einem Interview, welches das Conne Island mit den Beginnern führte, wer weitere Ausfälle zum Thema Antiamerikanismus und Deutschtümmelei von ihnen lesen möchte, sei auf die Seite des Conne Island verwiesen.

Da ihr Wert auf eure Texte legt, muss gestattet sein zu fragen, warum ihr in dem Song „Scheinwerfer“, in dem es um Deutschland bei Nacht geht, die Nazis als welche darstellt, die sich auf ihren Treffen „kollektiv den Schwanz in den Mund (schieben)“. Gilt das unter homophoben Hip-Hoppern als ein überzeugendes Argument gegen Nazis?

Jan: Man sollte sich nicht über eine Sache beschweren, die in einen bestimmten Style verpackt wird und einem dient. An der blöden Hinterfragerei geht die Linke kaputt – alles wird tot diskutiert. Wenn ich mit diesem Text zwanzig Kampf-Türken überzeugen kann, Nazis zu bekämpfen, kann das nur gut sein. Wie man letzlich zu einer Einstellung gelangt, ist völlig egal.

Aber von Homophobie heilt man mit einer solchen Textpassage niemanden.

Dennis: Man kann nicht alles so ernst nehmen. Gag und Witz sind auch Ausdrucksformen. Manchmal kann man über Sachen lachen, weil sie ein wenig unkorrekt sind. Wir sind ehrlich und benutzen unsere Sprache und unseren Humor. Abgesehen davon haben die Nazis doch wirklich in ihrem Style – was die unpolitischen Dinge anbelangt – extrem viele Parallelen zur Schwulenszene, obwohl sie die größten Schwulenfeinde sind: Sie erscheinen wie testosterongeladene schwule Glatzen, die sich nach ihren männerbündigen Aufmärschen gegenseitig durchficken.

Jan: Cool wäre doch, wenn irgendwann einer von diesen Nazis, nachdem er unser Lied im Radio gehört hat, vor dem Spiegel steht und denkt: „Stimmt, eigentlich ist das total gay, was wir hier machen.“ Leider wird das natürlich nicht geschehen, schließlich können Nazis gar nicht reflektieren.

Ihr gehört normalerweise schon zu jenen Bands, die sich gegen Nationalismus positionieren. Nun seid ihr aber demnächst neben Mia u.a. auf einem „Universal-Record“-Sampler namens „German Liedgut – Heimatkult. Vol 1“ vertreten. Für was soll das nun gut sein? Ein neues Marktsegment?

Dennis: Der Titel ist schon ziemlich komisch? […] Wir finden den Titel, jetzt wo wir in hören, unschön – genau so, wie wir den Begriff Deutsch-Rap uncool finden. Aber trotzdem finden wir es nicht schlecht, ein wenig Lokalpatriotismus dort zu haben, wo man an coole Leute in Deutschland anknüpfen kann, die gute Musik machen. Die Leute in Deutschland, die gute Musik machen, haben es relativ schwer sich durchzusetzen gegen den Ami-Einfluss. Wir müssen mit einem Budget von 20.000 Euro für eine Video gegen ein Budget von 500.000 Euro konkurrieren, was einer Videoproduktion in Amiland zu Verfügung steht. Wenn man aber mit seinem Video nicht auf MTV und Viva landet, kann man sich auch nicht auf dem Musikmarkt etablieren. Deswegen ist es gar nicht so schlecht, wenn durch einen solchen Sampler auf deutsche Künstler hingewiesen wird.

Jan: Man muss dabei natürlich das schlimme Stigmata von Tim Renner (Chef von „Universal Deutschland“, A.d.R.) im Auge behalten, der irgendwann in seinem Konzern dafür plädiert hat, auf deutsche Texte und deutsche Songwriter zu setzen. Und dann werden halt solche Sampler gemacht, damit das Ganze besser läuft.

Wieso man diesen beiden Musikern zusammenarbeitet mag man sich nun fragen. Zum einen sind diese Fakten über die linken Künstler keine Geheimnisse oder schwer zugänglich, noch sind die zitierten Veröffentlichungen alt.
Folglich gibt es verschiedene Gründe zur Zusammenarbeit. Zum einen kann man vermuten, dass die vertretenen Ideologien auch in der Antifa-Szene keine Seltenheit sind und hier nicht (ernsthaft) diskutiert, kritisiert und bekämpft werden. Zum anderen mag es auch sein, dass man im Verlangen nach einem „breiten antifaschistischen Bewusstsein“ dieses ignoriert um keine Bündnisspartner zu verlieren und/oder möglichst viele Leute anzuwerben. So wird man auch auf jede Kritik an den Künstlern und dem Konzept auf taube Ohren stoßen, die wütend von Spaltungsversuchen fabulieren und sich um ihre breite Front gegen die Nazis sorgen.
Vermutlich ist es ein schöner Mix. Zum einen zeigte schon der kritisierte Aufruf der Aufruf der „Autonome Antifaschistische Gruppen Hamburg“, dass hier kein Begriff vom Antisemitismus existiert, noch eine materialistische Kapitalismuskritik in Anschlag gebracht werden würde. Und die Vorfälle 2004 bestätigen ebenso, dass man keine ernsthaften Probleme mit Antisemitismus hat. Höchstens empört man sich, nach der Pflichtübung Antisemitismus von sich zu weisen und verbal abzulehnen, über die „Verursacher“ des antisemitischen Hasses.
So wird man sich dann auch am 1.Mai mit all denen protestieren, welche schon lange als das bekämpft gehören was sie sind, (völkische) Nationalist_innen, deutsche Arbeitsfetischist_innen, Rassist_innen, Antiamerikanist_innen und Antisemiten jeglicher Kolleur. Am 30.April trifft man sich dann noch zum Vorglühen in Altona um in die Schanze zu pilgern, auf einer Demo welche simpelsten regressiven Antikapitalismus bedient und man sich auch nicht zu blöde ist, zusammen mit den Antisemiten der SOL seinen Abend zu verbingen. Vor den Antideutschen hat man sich schon mal durch ein Nationalfahnenverbot abgesichert, wieso auch immer israelsolidarische Antifas zu der Demo kommen sollten…
(Das dies Verbot nur für die Fahne Israels gilt, wurde letztes Jahr erneut bestätigt, als man kein Problem mit den Sowjetunion-Wimpeln der SOL)
Da passt das Lineup des LKW-Konzerts bestens ins Bild.

Inhalt für Ohren und Augen
Damit aber nicht wieder so viel rumgeheult wird und man inhaltliche Kritik verzweifelt sucht, bin ich mal so freundlich und verweise an dieser Stelle exemplarisch auf das theoriepraxislokal welches ein Wochenendseminar zum Thema „Antikapitalismusphantasien der Nazis“ durchführte und dazu einige sehr gute Texte bereit gestellt hat.
Den Mitschnitt des Seminars wird das Freie Sender Kombinat am 29. April um 14.00 Uhr senden.

Das es nicht so schlimm und inhaltlich besser geht zeigt sich zum Glück auch. Zum einen ruft die neugegründete Hamburger Gruppe [a²] mit dem Aufruf „1. Mai 2008 – Klassenkampf statt Volksgemeinschaft“ zu Gegenaktionen auf und zeigen damit, dass es in Hamburg wenigstens auch Schritte in die richtige Richtung gibt. Da gibt es einiges zu tuen liebe Hamburger. ;)
Außerdem mobiliseren die AJAK & TOP Berlin mit einem eigenen Aufruf nach Hamburg.

Es sei mit einem Zitat der Gruppe Bad Weather dieser Beitrag abgeschlossen:

„(…)Den bekennenden Nationalsozialisten als stärkstem Ausdruck der Deutschen Ideologie ist dort praktisch entgegenzutreten, wo sie auftreten.(…)“ BAD-WEATHER Gruppe 2004


9 Antworten auf “1.Mai reloaded”


  1. 1 lysis 15. April 2008 um 3:22 Uhr

    kannst du bitte meinen kommentar aus dem spam-filter befreien? irgendwie ist mir der schon wichtig.

  2. 2 fitzcarraldo 15. April 2008 um 9:47 Uhr

    oh, im unteren teil geht es ja auch um das konzert. tjah, so weit hab ich nicht gelesen. ;-)

  3. 3 fitzcarraldo 15. April 2008 um 9:49 Uhr

    ach, der ist ja auch von heute. hatte das mit einem älteren text von dir verwechselt.

  4. 4 fitzcarraldo 15. April 2008 um 14:14 Uhr

    gibt holger burner seinen bürgerlichen namen öffentlich an?
    bei aller antipathie muss so ein outing wirklich nicht sein!

  5. 5 Administrator 15. April 2008 um 15:43 Uhr

    @fritz: alter, nicht so viele Kommentare ;)
    Ansonsten, ja der Herr gibt seinen Namen im Netz selber an. Ist ja auch ein Kader der SAV.
    siehe auf der Schundseite der SAV: hxxp://www.sozialismus.info/?sid=1957

    @lysis: würd ich gerne machen, da is aber nix und ich hab nix gelöscht.

  6. 6 kk-empire 15. April 2008 um 21:01 Uhr

    jedes jahr ein neuer lacher… also wer noch richtig gut lachen mag den kann ich nur folgendes empfehlen :

    http://www.erstermai.nostate.net/aufrufe.php?fn_mode=fullnews&fn_incl=2&fn_id=3

    http://www.erstermai.nostate.net

  7. 7 abernichtdoch 18. April 2008 um 15:25 Uhr

    *gähn*

  1. 1 Ebenso homophob wie schwulenfreundlich « f*cking queers Pingback am 15. April 2008 um 21:48 Uhr
  2. 2 mixed zone 2 « blackone Pingback am 19. April 2008 um 14:28 Uhr
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