Ein ereignissreiches (verlängertes) Wochenende ist nun vergangen und zwischen dem Nachholen einiger Unilektüren doch auch mal Zeit für ein kurzes Review.
More Hardcore than…
Am Vorabend des 1.Mai, oder auch Walpurgisnacht, erstmal ab ins Störtebeker, jener Location in der man zwangsweise mittanzen muss und Körperkontakt zum Programm dazu gehört. Leider auf Grund verpeilter Aktionen Antitainment verpasst und geärgert.
Nach im Regen Rumstehen und überraschenderweise nette Menschen treffen, dann doch noch rein und Cobretti angeschaut. War als eher nicht Hardcore-Begeisterter doch einigermaßen positiv überrascht. Lag aber auch wohl eher an dem doch irgendwie sehr sympathisch rübergebrachten Gestus/Rumgeprolle. Musikalisch nicht ganz meine Welt und Hardcore-Bollo Publikum ist einfach beschissen.
Dann ab ins Bett es gab ja noch viel zu tuen am folgenden Tag…
1.Mai @ its Best
Na wenn am 1.Mai in Hamburger niemand auf seine Kosten kam, dann weiß ich auch nicht…
Zumindest die Sport-Fraktion scheint glücklich: brennende (Nazi-)Autos, zerstörte Nazi-Busse, viele brennende Barrikaden und (Massen-)Schlägerein.
Noch ein paar fragementarische Gedanken. Ab 10Uhr sammelte sich die antifaschistische Gegendemo am Bahnhof Barmbek. An die 10.000 Teilnehmer_innen spiegelten die Breite des Bündnisses wieder und es gab viel zu sehen.
Der unsägliche antiimperialistische Block aus dem Umfeld der B5 Antisemiten war auch anwesend, ignorierte die Bitte der Veranstalter der Demo einen eigenen Lautsprecherwagen mitzubringen und fiel auch sonst wie immer durch seine Unsäglichkeit auf. Absoluter Höhepunkt war sicherlich die Störung des Redebeitrags der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejarano.
Aber wer mit solchen Leuten zusammenarbeitet muss sich einfach nicht wundern…
Am Ende und im Anschluss an die Bündnisdemonstration erfolgten massive Blockadeversuche und direkte Angriffe auf Nazis. Dazu wurde ja schon ausführlich an anderer Stelle berichtet. Weils so schön war, nochmal ein Foto welches Aftershow schon gebloggt hatte:
(via: _Anneli @Flickr)
Beeindruckend bleibt erneut der Wille der Hamburger Polizei und Versammlugnsbehörde Naziaufmärsche auf jeden Fall durchzsuetzen, selbst in einer solchen Situation wie am 1.Mai. Die Folgen dieses Willens wie Übegriffe auf politische Feinde der Rechten und Reporter scheinen in diesen Überlegungen keine Rolle zu spielen. Siehe auch in dem Bericht von NDR Reportern zu den Übergriffen der Nazis.
Das man sich dadurch zum Gehilfen für die offene antisemitische Agiation der Nazis macht scheint ebenso irrelvant. Ebenso scheint man in Hamburg nicht mal mehr Willens und in der Lage zu sein offen antisemitische Reden und Transparente zu verfolgen.
Berichte:
Wo ist denn die Linke?
Am Samstag ging es dann zur Gedenkveranstaltung der AG Neuengamme zum 63. Jahrestag der Befreiung. Wobei sich der Begriff der Befreiung nicht auf das KZ Neuengamme und seine vielen Außenlager bezieht, sondern auf den 8.Mai als Tag der Befreiung Europas von nationalsozialistischer Herrschaft, denn das Lager Neuengamme wurde nicht befreit, sondern durch die Nazis geräumt.
Die Veranstaltung wurde in diesem Jahr von der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme e.V. und der Rosa Luxemburg Stiftung Hamburg ausgerichtet und somit wurde man in diesem Jahr von Politikerreden und ähnlichem verschont.
Neben einer Vertreterin der Ag sprachen außerdem Robert Pinçon, Präsident der Amicale Internationale de Neuengamme, und ein Vertreter des Vriendenkring Neuengamme, Niederlande. Außerdem gab es eine Lesung mit dem Titel „Todesfracht auf der Cap Arcona“, einem Bericht über die Schiffskatastrophe in der Lübecker Bucht, welche als Radio-Feature am 18.12.1945 im Hamburger Rundfunk gesendet wurde.
Insgesamt waren wohl ca. 80 Personen anwesend.
Nachdem im vergangen Jahr, in welchem das ehemalige Gefängnis-Gelände an die Gedenkstätte übergeben wurde, sich schon Personen aus der (antifaschistischen) Linken rar gemacht hatten, gab es eine Stellungnahme der Gruppe against! Gruppe gegen Deutschland mit dem Titel „Über den Umgang der Antifa mit deutscher Gedenkpolitik“. In diesem wurde das Fernbleiben sowie die fehlende Auseinandersetzungen und Interventionen der (hamburger) Linken heftig kritisert.
In diesem Jahr gestaltete sich das Szenario kaum anders. Trotz der großspurigen Bekundung (au Grund der Kritik im vergangenen Jahr) beispielsweise bei antifainfo:
Als aktive AntifaschistInnen ist es für uns eine Pflicht und eine Ehre, den lebenden wie auch den toten Opfern des Nationalsozialismus unsere Solidarität zu bekunden und mit ihrer Hilfe aus der Geschichte zu lernen.blieben bis auf wenige Ausnahmen Linke der Veranstaltung fern.
Außerdem wurde die Ausstellung „Homosexuellen-Verfolgung in Hamburg 1919-1969″ der Initiative Gemeinsam gegen das Vergessen – Stolpersteine für homosexuelle NS-Opfer in Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte Neuengamme besucht, welche vom 26. April bis 16. Juli 2008 auf dem Gelände der Gedenkstätte angeschaut werden kann.
An das Schicksal der verfolgten Homosexuellen in der Weimarer Republik, unter dem Nationalsozialismus und in der Bundesrepublik Deutschland bis 1969 wird in dieser von der Initiative Gemeinsam gegen das Vergessen – Stolpersteine für homosexuelle NS-Opfer erarbeiteten Ausstellung erinnert.Mehr Infos… (pdf-Datei)
Sie wird in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme gezeigt und außerdem von der Landeszentrale für politi-sche Bildung unterstützt.
Im Konzentrationslager Neuengamme waren ca. 400 homosexuelle Männer inhaftiert, über die Hälfte von ihnen ist zu Tode gekommen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird an 57 dieser Opfer mit Stolpersteinen in der Freien und Hansestadt Hamburg erinnert.
Hier war „die Linke“ wohl eher nicht…
Am Sonntag den 4.5. fand die beworbene Veranstaltung des Jugendforums der DIG „Shalom Sowjetsoldat – Shalom Israel!“ mit jüdischen Veteranen der roten Armee statt.
Den Reden des Vorsitzenden des Jugendforums Stefan Hensel und eines Veteranen am Mahnmal für die Opfer von Faschismus und Krieg auf dem Ohlsdorfer Friedhof folgten über 60 Teilnehmer_innen.
Bericht des Bak Shalom zur Veranstaltung









Schon mal die Kritik von Moshe Zuckermann an der staatstreuen und staatsdienlichen Vereinnahmung des Gedenkens an die Judenvernichtung gelesen? Dass Israel sich einen Dreck um die Überlebenden gescherrt hat, weil sie nicht in das ideologische Bild des „wehrhaften Juden“ passten?
Und wenn Zuckermann nicht reicht, weil er wie Bahamas zu sagen pflegt, ein „Leumundsjude“ sei, dann kann man zur Not auch mal wirkliche „Unilektüre“ betreiben und Kritische Theorie lesen. Da stehen nämlich nicht nur schlaue Sachen über Antisemitismus sondern auch darüber, dass die Judenvernichtung ein Menschenheitsverbrechen war, das an den Juden auf dem Gipfel der westlichen Zivilsationsgeschichte verübt wurde, deren praktischer Umschlag in die Barbarei Auschwitz war. Dass das was mit Kapitalismus und bürgerlicher Gesellschaft zu tun hat, die man im Kampf gegen wen auch immer als Reich der Freiheit verherrlicht, kann einem auch nicht entgehen, wenn man mal ein paar Minuten für Lektüre aufbringt.
Das ist etwas anderes als die ideologische Zurichtung auf Staatsräson. Vielleicht tauchen Linke deswegen nicht mehr da auf, wo das nicht verstanden wird und statt dessen die eigenen Befindlichkeiten und Identitäten gepflegt werden.
ja habe schon einiges von ihm gelesen
zuckermann möchte z.bsp. auch mit der hamas reden…
aber schön das man immer wieder ihn vorbringt wenn man die „bösen antideutschen“ kritisieren will.
Tip: Auch nach Zeile 4 weiterlesen.
Dass das „Zuckermann gildet nicht, der ist zwar Jude, aber nicht so einer wie wir sie haben wollen“–‘Argument‘ kommt, hat „kommentator“ nämlich schon gewusst. Und deswegen extra noch mehr geschrieben.
und was war jetzt eigentlich dein argument?
zuckermann will mit der hamas reden und wird ständig von nichtantideutschen zitiert, ergo ist jede kritik von ihm falsch?
ist halt immer das gleiche das man ihn vorbringt um sich darauf zurückzuziehen, dass er den antideutschen „nicht so einer wie wir sie haben wollen“ sei und ergo ja antids auch antisemiten sein müssen.
und den „ganz tollen“ hinweiß auf die kritische theorie, habe selsbtverständlich noch „nie“ was der frankfurter schule gelesen…
und auf den unsinn von „ideologische Zurichtung auf Staatsräson“ werde ich hier nicht eingehn. ist halt typisch, auf die frankfurter verweisen und dann die eigene ideologische sichtweise promoten wollen.