Der Preis des Gedenkens

Schon bei der Gedenkveranstaltung am 3.Mai in der Gedenkstätte des KZ-Neuegamme wurde dieser Skandal thematisiert, dabei wurde hervor gehoben, dass im vergangenen Jahr noch die Hamburger Kultusministerin großspurig Überlebenden eine Erhaltung des Gedenkens und der Erinnerung versprochen hatte. In diesem Jahr zeigte sich nun, was dies konkret bedeuten sollte. Wie 2005, wo die Stadt Hamburg die Kostenübernahme für Überlebende und ihre Begleitung, welche zum 60.Jahrestag des Endes des Lagers anreisen wollten, verweigerte.

Die Politik schläft: Doppelte Preise für Führungen
Ganz still und heimlich hat die KZ Gedenkstätte Neuengamme ihre Preise für Gruppenführungen erhöht, und zwar deftig…

Der Eintritt in die KZ Gedenkstätte Neuengamme ist selbstverständlich kostenlos. Anders ist das für Gruppen, die eine Führung durch das Gelände wünschen. Damit sind zuallererst Schulklassen gemeint, die die Gedenkstätte im Rahmen der Aufklärung über die Geschichte des Nationalsozialismus und der Schoah besuchen. Der Besuch eines ehemligen Konzentrationslagers ist dabei unzweifelhaft elementarer Bestandteil.

Umso größer das Unverständnis für die Preiserhöhungen. Wie die Hamburger Morgenpost berichtete, stiegen die Preise für eine zweistündige Führung von bisher 20 Euro auf 40 Euro. Die dreistündige Führung mit Begleitung eines Museumspädagogen kostet nicht mehr 35, sondern 60 Euro, die intensive fünfstündige Version statt 50 nun 100 Euro.

Die Folgen sind absehbar. Die Schulklassen, vor allem kleine Klassen, werden in Zukunft Schwierigkeiten haben, diese Summen zu berappen und mit der kurzen Version vorlieb nehmen oder ganz verzichten. Die bisherige Ermäßigung für Sonderschulen wurde im übrigen komplett gestrichen.

Gerade in Zeiten, wo die Politik mit Hochglanz-Projekten den fehlgeschlagenen Versuchen, einer erfolgreichen Vermittlung der Geschichte der Schoah entgegenwirken will, ist dies eine vollkommen skandalöse Vorgehensweise. Die Hamburger Kulturbehörde zeigt sich zerknirscht und verspricht, schnell eine Lösung zu finden.

Schuld an der Preiserhöhung sind die Honorare der freiberuflichen Museumsführer. Dass auch sie eine adäquate Entlohnung verdienen, steht außer Frage. Dass dafür allerdings die Besucher derart zur Kasse gebeten werden, zeigt nur einmal mehr, dass ein himmelweiter Unterschied zwischen politischen Lippenbekenntnissen und tatsächlichem Willen zur Schoah-Bildungsarbeit besteht. Es bleibt zu hoffen, dass die Hamburger Behörden aus ihrem Winterschlaf erwachen und sich zum Handeln entschließen.

(Artikel via: Hagalil)


5 Antworten auf “Der Preis des Gedenkens”


  1. 1 Laura 25. Mai 2008 um 10:24 Uhr

    mich irritiert der erste satz des letzten absatzes. denn schuld ist alleine die politik. man könnte übrigens auch hauptberufl. museumsführerInnen einstellen.

  2. 2 Administrator 25. Mai 2008 um 17:08 Uhr

    jep, der satz ist sehr kurz gedacht
    Wobei das der oder dem AutorIn wohl auch klar ist, dass das eine politische Entscheidung ist, wenn davon die Rede ist, „dass ein himmelweiter Unterschied zwischen politischen Lippenbekenntnissen und tatsächlichem Willen zur Schoah-Bildungsarbeit besteht.“

    Wobei „Schoah-Bildungsarbeit“ auch so nen Wort ist… naja
    Ist leider momentan der einzige Artikel zu dem Thema.

  3. 3 Difficult is Easy 26. Mai 2008 um 21:30 Uhr

    samstag nacht besoffen geschrieben und bei dir im spam versackt (ein bisl hab ich jetzt noch ergänzt). habs trotz besoffener birne mit einem ironie-tag versehen;)

    wie gemein es doch ist, dass die den gedenkzirkus nicht als totales zuschussgeschäft betreiben wollen.
    unser auschwitz darf nix kosten!
    noch son holocaust und wir verscherzen uns noch die exportweltmeisterschaft, da sollte man für die bildung doch mal was springen lassen.
    (ironie=off)
    vielleicht klärt sich alles auf, wenn man mal der frage nachgeht, weshalb es kein großes porajmos-mahnmal in berlin gibt. son kram wird doch nur finanziert, wenn was bei rumspringt. es is doch ziemlich blöd, dann zum staat zu rennen und dem seinen mangelnden eifer im holocaustverarbeiten anzukreiden. aber wenn du um sein image besorgt bist, tu es.

  4. 4 Administrator 28. Mai 2008 um 1:50 Uhr

    Das die Gedenkpolitik nur betreiben wird solange es einen politischen Gewinn darstellt ist keine Frage.
    Ändert jedoch nichts daran, dass ohne staatliche Finanzierung kaum welche der Gedenkstätten so betrieben werden könnten wie sie es werden. Das dies ein zwiespältiger Fall ist, da er auch finanzielle Abhängigkeit, Existenz nur bei ausreichender Bedeutung und bestimmte Ausstellungsformen bedeutet, ist klar.

    Trotzdem bleibt es wichtig den Versuch das Gedenken und die Thematisierung der Shoa zu verdrängen in dem Finanzierungen gekippt werden zu thematisieren und skandalisieren. Dabei ist klar, dass man aktuell primär nur die Möglichkeit hat auf einer politischen Ebene die staatliche Finanzierung zu fordern, weil diese nun mal die Gedenkstätten trägt.

    Wie gesagt momentan ist der Artikel der einzige der das Thema bearbeitet. Auch wenn er nicht wirklich gut ist, ist er immerhin ein Anfang.

  1. 1 Fortsetzung + erste Pressereaktionen auf das “Berufsverbot für kritischen Mitarbeiter” « riot propaganda Pingback am 07. Juni 2008 um 2:59 Uhr
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