KZ-Gedenkstätte Neuengamme „Berufsverbot für kritischen Mitarbeiter“

Mai 2008

KZ-Gedenkstätte Neuengamme:

Berufsverbot für kritischen Mitarbeiter

Solidaritätserklärung des Teams der freien Museumspädagog/innen an der KZ-Gedenkstätte Neuengamme

Seit Oktober 1981 besuchten über 1 Millionen Menschen das Gelände und die Ausstellungen der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Die weitaus meisten von ihnen waren und sind Schulklassen, die von gut ausgebildeten und engagiert tätigen Menschen pädagogisch betreut werden. Mit den 1995 und zuletzt 2005 neu eingerichteten Ausstellungen zur Geschichte des KZ Neuengamme und seiner Nachgeschichte und nicht zuletzt aufgrund der erfolgreichen pädagogischen Arbeit stieg die Zahl der Besucher/innengruppen kontinuierlich an.

Den Erfordernissen einer pädagogischen Betreuung insbesondere der Schulklassen wird seit nun schon über zehn Jahren ein Team von Museumspädagog/innen gerecht, die in freier Mitarbeit historische Hintergründe, die Geschichte des Ortes und der Häftlinge vermitteln. Das Team der Freien in Neuengamme setzt sich dabei aus unterschiedlichen Menschen zusammen, wodurch eine abwechslungsreiche, spannende und intensive politische Bildungsarbeit ermöglicht wird, die zur Entwicklung demokratischer Werte wie Respekt, Autonomie und Solidarität beiträgt und damit die Freiheit des Denkens, der Meinung und der Rede stützt.

Die KZ-Gedenkstätte Neuengamme hat sich nun dafür entschieden, auch einen Berufssoldaten der Bundeswehr als freien Museumspädagogen zu beschäftigen. Das Team der freien Museumspädagog/innen hält dies für bedenklich und äußerte daher mehrfach den Wunsch, diese Entscheidung unter Einbeziehung des internationalen Häftlingsverbandes Amicale Internationale KZ Neuengamme und der Arbeitsgemeinschaft Neuengamme e.V. mit den Verantwortlichen der KZ-Gedenkstätte Neuengamme zu diskutieren. Dieser Wunsch wurde bislang stets zurückgewiesen.

Als Reaktion auf die monatelange Verweigerung einer Diskussion über die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr und den Einsatz eines Soldaten in der Museumspädagogik, und aufgrund der Weigerung der Gedenkstätte, die Verbände der ehemaligen Häftlinge und ihrer Angehörigen an einer solchen Diskussion zu beteiligen, lehnte es nun einer der freien Mitarbeiter vorerst ab, weiterhin selbst Bundeswehrgruppen pädagogisch zu betreuen. Diese zeitweise Ablehnung des seit neun Jahren überaus erfolgreich für die KZ-Gedenkstätte tätigen Pädagogen, der sich außerordentlich großer Wertschätzung seitens der die Gedenkstätte besuchenden Schulklassen und Lehrkräfte erfreut, beantwortete die Gedenkstättenleitung mit dem Verzicht auf die weitere Mitarbeit . Es wurde die sofortige Sperrung des Kollegen beim für die Vermittlung von Führungen zuständigen Hamburger Museumsdienst veranlasst. Das kommt einem Maulkorb für freie Mitarbeiter/innen gleich und bedeutet eine empfindliche Beschädigung der Möglichkeit zur politischen

Auseinandersetzung an einem Ort, an dem die Notwendigkeit, kritische Fragen zu stellen, größer nicht sein könnte.

Wir solidarisieren uns mit unserem Kollegen, fordern von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme die sofortige Aufhebung seiner Sperrung sowie die Einbindung der Häftlingsverbände in notwendig zu führende Gespräche über die Gedenkpolitik und den Einsatz eines aktiven Soldaten als freiberuflichen Museumspädagogen und Repräsentanten der KZ-Gedenkstätte Neuengamme.

Auf erste Proteste des Teams der freien Museumspädagog/innen ist von den Verantwortlichen der KZ-Gedenkstätte für den 11. Juni ein Gesprächstermin anberaumt worden. Nach diesem Gespräch wird klar sein, welchen Weg die KZ-Gedenkstätte Neuengamme hinsichtlich ihres politischen Bildungsauftrages und mit ihrer pädagogischen Arbeit künftig gehen wird und welche Art des Umgangs mit den Häftlingsverbänden und mit kritischen und engagierten Mitarbeiter/innen sich dort etablieren wird.

Das Team der freien Museumspädagog/innen an der KZ-Gedenkstätte

via Bad Weather Hamburg


10 Antworten auf “KZ-Gedenkstätte Neuengamme „Berufsverbot für kritischen Mitarbeiter“”


  1. 1 Andreas Lappöhn 11. Juni 2008 um 6:53 Uhr

    Das so genannte „Team der Freien“ vertritt weder die Meinung aller in der KZ-Gedenkstätte Neuengamme tätigen Museumspädagogen noch ist es berechtigt, in deren Namen irgendwelche öffentlichen Erklärungen abzugeben.

    Andreas Lappöhn
    (Museumspädagoge)

  2. 2 M 12. Juni 2008 um 11:21 Uhr

    Was ist ihr Punkt, Herr Lappöhn? Sie sind auch nicht berechtigt, irgendwelche öffentlichen Erklärungen im Namen des FC. St. Pauli oder des Vatikans abzugeben. Haben Sie zwar auch nicht gemacht, aber ich dachte mir, ich merks mal an…

  3. 3 Andreas Lappöhn 12. Juni 2008 um 16:08 Uhr

    Lieber M,

    da mißverstehen Sie mich aber.

    Ich möchte nur nicht, dass in der Öffentlichkeit der falsche Eindruck entsteht, dass diese Erklärung mit allen in der KZ-Gedenkstätte tätigrn Museumspädagogen vor Veröffentlichung abgesprochen worden ist und dass das so genannte Team der Freien im Namen aller in der KZ Gedenkstätte tätigen Museumspädagogen spricht

  4. 4 eine Freie 15. Juni 2008 um 22:56 Uhr

    … in der Öffentlichkeit entsteht so der Eindruck, dass es jemanden gibt, der das Team schlecht machen will …

  5. 5 Andreas Lappöhn 16. Juni 2008 um 6:49 Uhr

    Hallo Freie,

    willst Du etwa bestreiten, dass diese ominöse Solidaritätserklärung vorher nicht mit ALLEN Museumspädagogen abgesprochen wurde? Das sie erst hinterher, als diese Erklräung bereits veröffentlicht worden ist, davon erfahren haben?

    Willst Du etwa bestreiten, dass einige Museumspädagogen aus Protest gegen diese unauthorisierte Solidaritätserklärung dem Treffen zwischen den Museumspädagogen und der Leitung der Gedenkstätte sowie dem Museumsdienst Hamburg fern geblieben sind?

    Es doch wohl sehr bezeichnend, dass der frei gestellte Museumspädagoge seine Kollegen zum Boykott von Besuchergruppen der Bundeswehr aufgerufen hat, aber keiner seiner Kollegen diesem Aufruf gefolgt ist!

    Eine schöne Woche noch!
    Andreas Lappöhn

    P.S.: Es wäre geschickter gewesen, wenn man statt DAS Team der Freien lieber die Formulierung EIN Team der Freien gewählt hätte, entspricht nämlich der Wahrheit…

  6. 6 Andreas Lappöhn 17. Juni 2008 um 12:39 Uhr

    Liebe Freie,

    welche Öffentlichkeit meinst Du denn?

    Diese kleine intime Forum mit seinem erfrischend toleranten Administrator?

    Wenn Du wissen willst, wie die Öffentlichkeit über diese ganze Angelegenheit denkt, solltest Du die Leserbriefe in der MOPO zu diesem Thema lesen :-) ))

  7. 7 Administrator 17. Juni 2008 um 17:41 Uhr

    so Punkt1: Mit den Kommentaren ist hier jetzt ersmal Schluss, da ihre Behauptungen mindestens genauso unprüfbar sind wie die der AGN oder des Teams der Freien. Wobei sie als Einzelperson noch weniger greifbar sind als die Gruppierungen.
    Ihr Kommentar zur „Toleranz“ ist mit da auch ziemlich egal.

    Punkt2: Ihre Einordnung der internationalen Verbände ist die ihre, durch nichts so zu belegen, wie sie es machen, zu unterstellen, diese würden der AGN oder den antimilitaristischen Freien widersprechen.
    Zum Nachdenken: Eventuell brauchen diese Verbände einfach nur länger?

    Und davon abgesehen ist ihre Aussage auch Unsinn, da sich beispielsweise Fritz Bringmann, Ehrenpräsident der Gefangenenorganisation “Amicale Internationale KZ Neuengamme”, schon eindeutig geäußert hat.

    Punkt3: Vielleicht können nicht alle Freien die Kosnequenzen so tragen wie Olaf K. es gemacht hat? Außerdem hat er niemand aufgefordert, sondern die Hoffnung geäußert, dass andere die gleichen Konsequenzen ziehen.

    Ende der Vermutungen, Unterstellungen etc

  1. 1 Fortsetzung + erste Pressereaktionen auf das “Berufsverbot für kritischen Mitarbeiter” « riot propaganda Pingback am 17. Juni 2008 um 17:51 Uhr
  2. 2 Studiogespräch zur Gedenkstätte Neuengamme « riot propaganda Pingback am 01. Juli 2008 um 2:28 Uhr
  3. 3 Gesammeltes #18 « riot propaganda Pingback am 16. September 2008 um 13:59 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.