Gesammeltes #15

Ergänzung zum Angriff in Pinneberg

Recherche Nord hat einen (Hintergrund-)Bericht zum Anschlag und der Situation in Pinneberg veröffentlicht.

16.06.2008 / Pinneberg: »Ihr habt jetzt keine Ruhe mehr. Sieg Heil!«

In der Nacht auf den 16.06.2007 wurde auf das jüdische Gemeindehaus in Pinneberg ein Anschlag verübt. Bislang unbekannte Täter_innen griffen Räumlichkeiten der Jüdischen Gemeinde im Süden von Schleswig-Holstein an. Ein Pflasterstein wurde dazu durch die Scheiben des Gebetsraumesgeschleudert. Wenige Stunden später erhielten Verantwortliche des Gemeindehauses dann einen anonymen Telefonanruf. Die Botschaft des Anrufers war unmissverständlich. »Das kann öfters passieren. Ihr habt jetzt keine Ruhe mehr. Sieg Heil!«

Bereits vor einigen Jahren machte die Stadt als vermeintliche Hochburg militanter Neonazis unbequeme Schlagzeilen. Damals, im April 2005 wurden Mitglieder der Gruppe »Combat 18 — Pinneberg« durch das Flensburger Landgericht wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung angeklagt. Ein Teil der angeklagten Neonazis wurden im folgenden Prozess zu Bewährungs- und Haftstrafen verurteilt.[…]
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Die amerikanische Erfahrung in der Kritischen Theorie

Heuschreck hat den Vortrag von Detlev Claussen „Intellectual Transfer. Die amerikanische Erfahrung in der Kritischen Theorie“ aus der Ringvorlesung 2004 an der Uni Göttingen…

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JustIn Monday zum BAK Shalom, Zensurversuchen des Linksjugend ZKs und Susann Witt-Stahl

JustIn Monday hat auf der Seite der McGuffin Foundation einen sehr treffenden Artikel zu dem Versuch des BSPR/ZK der Linksjugend den BAK Shalom zu zensieren, sowie der Reaktion der Berufs-Anti-Antideutschen Susann Witt-Stahl geschrieben.

»Nie wieder Hegde-Fond« – Artiges zum Wunsch in der Linkspartei, ihre AntizionismuskritikerInnen wieder loszuwerden

“Unseriös und dürftig” sei die Theoriearbeit des BAK Shalom, weil dieser “Kapitalismus bloß als entpersonalisiertes, subjektloses »System« von »abstrakten Zwängen«” begreife. Dies sei, so Susann Witt-Stahl am 7.6. im ND in ihrem Artikel ” »… irgendwie sehr, sehr antisemitisch«“, 
neben dem “inflationären Gebrauch des Antisemitismusbegriffs”, ein Teil der “mystische[n] Verklärung der Herrschaftsverhältnisse”, die der BAK mit seiner antideutsch-neoliberalen Offensive innerhalb der Linkspartei betreibe.
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Hamburg: Verschwörungstheorien in der GWA St. Pauli Süd / „Kölibri“

Die Hamburger Studienbibliothek und die antifaschistische Gruppe »Bad Weather« haben auf Grund einer Vorführung antiamerikanischen Films „Unter falscher Flagge“ von Frank Höfer im Kölibri einen Offenen Brief an den Veranstaltungsort verfasst.

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit großem Befremden haben wir zur Kenntnis genommen, dass in Ihrem Veranstaltungsprogramm für Donnerstag, den 19. Juni, eine Vorführung des Films »Unter falscher Flagge« von Frank Höfer angekündigt ist. Belegen soll dieser Film, dass die New Yorker Twin Towers am 11. 9. 2001 nicht von islamistischen Attentätern zum Einsturz gebracht worden seien – sondern, so wird nahegelegt, von der US-amerikanischen Regierung selber, um einen Krieg gegen ›die islamische Welt‹ führen zu können[…]
Wie alle konformistischen Rebellen projizieren die Verschwörungstheoretiker nur die eigenen dunklen Antriebe auf die Objekte ihres Wahns: »Anstatt in sich zu gehen, um das Protokoll der eigenen Machtgier aufzunehmen, schreibt es die Protokolle der Weisen von Zion den andern zu.« (Adorno / Horkheimer, »Dialektik der Aufklärung«)
Höfer und seine Gesinnungsgenossen mögen Wirrköpfe sein; allerdings, wie die Erfahrung lehrt, gefährliche Wirrköpfe. Als Gruppen, die Ihre Räume auch für eigene Veranstaltungen genutzt haben, können wir uns nicht vorstellen, dass sie solcherart Veranstaltungen dulden oder gar befürworten mögen. Wir bitten Sie daher eindringlich, antiamerikanischen und zum Antisemitismus tendierenden Verschwörungstheorien kein Forum zur Verfügung zu stellen und die geplante Vorführung von »Unter falscher Flagge« abzusagen.[…]
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Hingewiesen sei an dieser Stelle noch darauf, dass das Kölibri schon am 22.3.08 den Antisemiten der SOL – Sozialistische Linke für eine Antirepressionsveranstaltung Raum bot.

Göttingern Freunde Israels? – Oder Freunde die Niemand braucht

Das es gerade den christlichen Gruppierungen, welche unter Namen wie Gesellschaft für christlich – jüdische Zusammenarbeit firmieren, primär um die Stillung eigener, deutscher Bedürfnisse geht ist keine neue Erkenntnis. In diesen Zusammenschlüssen dürfen das zumeist ältere, christliche Deutsche sich gegenseitig versichern, dass sie nichts (mehr) gegen „die Juden“ hätten und ihre Vorstellungen zum Nahen Osten und speziell Israel vorstellen.
Das man dabei meist auf bekannte Schuldabwehrmuster und Ressentiments gegen den Staat Israel trifft ist da nur folglich. Um dieses Bild aufs neuste zu bestätigen zeigt nun die Gesellschaft für christlich – jüdische Zusammenarbeit Göttingen e.V. in Zusammenarbeit mit dem linksalternativen (Kultur-)Kino eine Filmreihe zum 60. Jahrestag Israels. Anstatt jedoch die Entstehung Israel als Zufluchtsort für die vom Antisemitismus bedrohten Juden, speziell nach der Shoa zu zeigen, geht es offensichtlich um die Bedienung althergebrachter Ressentiments.
Die Gruppe [a:ka] Göttingen hat an die Besucher der Vorstellungen, das Lumière und die Gesellschaft einen offenen Brief verfasst.

[…] Den Tiefpunkt Ihrer Reihe bildet jedoch ohne Frage der Film „Kadosh“, den Sie am 22. und 23. Juni zeigen. „Kadosh“ gibt vor, die gewiss nicht schönen Verhältnisse in den ultraorthodoxen Vierteln Jerusalems zu zeigen, liefert tatsächlich jedoch nichts als Ethnoklischees und Tränendrüsendramatik. Der jüdische Journalist Hannes Stein schreibt von einem „voyeuristischen Streifen“, der viele Europäer vor allem deshalb entzücke, „weil sie unter verdrucksten Schuldgefühlen leiden, die nur durch authentische Geschichten über gemeine Juden gelindert werden können.“ Steins Fazit: Ein „antisemitischer Film aus Israel“ – der auch nicht durch eine Empfehlung von der israelischen Botschaft zu retten ist. (Den vollständigen Artikel von Hannes Stein dokumentieren wir auf der Rückseite.)

Wer Adornos kategorischen Imperativ ernstnimmt, wonach heute alles zu unternehmen sei, dass Auschwitz sich nicht wiederhole, der muss sich mit Israel solidarisch erklären – auch und gerade wenn das eine unbequeme Position ist, mit der man sich weder unter Deutschen im Allgemeinen noch unter der linksalternativen Programmkino-Klientel im Besonderen viele Freunde macht. Ihre Filmreihe hätte die Möglichkeit geboten, genau das zum Thema zu machen. Statt jedoch diese Gelegenheit zu nutzen, verweigern sie jede Positionierung für die israelische Seite und beschweigen den Nahost-Konflikt in scheinbarer Äquidistanz. Tatsächlich aber kann es Äquidistanz in Bezug auf Israel nicht geben, denn der Versuch, sich herauszuhalten, sich die Hände nicht schmutzig zu machen, gerät zur ungewollten Zustimmung zu jenen, die die Vernichtung Israels zu ihrem Existenzzweck erklärt haben.
[…]
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Verwiesen sei an dieser Stelle auf den Artikel Eike Geisels „Biotop mit toten Juden“ zum vermeintlichen deutsch-jüdischen Dialog und Philosemitismus, sowie den Artikel auf LiazsWelt zum 10.Todestag Geisels.

Über die Bindung an die Scholle und die Furcht „nicht gut weggekommen zu sein“

Elbe über alles? Über eine Veranstaltung zur regionalen Identität und einen Zensurversuch in Dessau

Die Podiumsdiskussion „Meine Kuh, meine Scholle, mein Block? – Über den Standortfaktor Heimatbindung“ fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe: “Die Barbarei des flachen Landes” am 23.01.2007 statt. Im Schwabehaus Dessau diskutierten Tom Fischer (Stadtplaner, Siedlungserneuerung Dessau) und Jan Gerber (Politikwissenschaftler, Halle).

Spätestens seit der “Spiegel” im vergangenen Jahr über das “verlassene” und “sterbende Land” berichtete, die “Zeit” fragte, wer sich Städte wie “Altenburg, Torgau, Sangerhausen” in Zukunft noch leisten könne, und die “Süddeutsche Zeitung” in den verlassenen Regionen der Republik einen “Ozean von Armut und Demenz” erkennen wollte, sind “sterbende Städte” in aller Munde. Auch Dessau zählt zu diesen schrumpfenden Orten: Die Einwohnerzahl ist seit 1989 um ein Viertel gesunken; die Stadt ist inzwischen weit von der Großstadtgrenze entfernt. Parallel zum Schrumpfungs- und Entvölkerungsprozess, der nicht nur, aber vor allem im Osten zu beobachten ist, suchen Stadtplaner, Raumpioniere und Stadtentwickler nach neuen Konzepten, wie infrastrukturell geschwächte Regionen belebt werden können. Ihr Zauberwort heißt “regionale Identität”. Durch die Wiederbelebung oder die Neuschaffung von Traditionen sollen Heimatbindungen vertieft und Zusammengehörigkeitsgefühle gestärkt werden. Regionale Identität, so wird regelmäßig erklärt, ist eine der zentralen Voraussetzungen regionaler Entwicklung.

Kritiker sehen hinter der Forderung nach regionaler Identität hingegen nichts anderes als das Verlangen nach Lokalpatriotismus. Und Lokalpatriotismus, so erklärt der Politikwissenschaftler Jan Gerber, ist der kleine Bruder des Nationalismus: “Genauso wie Nationalismus ist Lokalpatriotismus nicht nur umso stärker ausgeprägt, je weniger Berechtigung er hat; er ist zugleich ähnlich barbarisch wie der Nationalismus.”

Der Stadtplaner Tom Fischer vom Büro für Siedlungserneuerung Dessau und der Politikwissenschaftler Jan Gerber diskutieren vor dem Hintergrund der Entwicklung Dessaus über sterbende Städte, die Möglichkeiten, Aufgaben und Chancen von Stadtplanern und Raumpionieren und die Frage nach regionaler Identität.

via ag no tears for krauts – halle

Radiobeitrag für Radio Corax, April 2008 via Materialien zur Aufklärung und Kritik
Dauer: 10:52 min

Download unter AG No Tears for Krauts


1 Antwort auf “Gesammeltes #15”


  1. 1 Radio-Bank » Blog Archive » Re: Radio Eriwan - Projekt will Look Pingback am 04. Juli 2008 um 3:01 Uhr
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