Normalität

Kölle halt’s Maul oder der Aufstand der Anständigen

LizasWelt berichtet von Erfahrungen am vergangenen Samstag. An dieser Stelle nur ein Auszug aus dem sehr lesenswerten Artikel, zur Wut auf Differenz und Position jenseits von ProKöln und BRD-Antifa:

[…]Ein paar hundert Meter weiter, in einer schattigen Nebenstraße der Fußgängerzone, treffe ich auf eine weitere Kundgebung. Die ist allerdings deutlich kleiner; vielleicht dreißig Leute hören Mina Ahadi vom Zentralrat der Ex-Muslime zu, die engagiert für eine „dritte Kraft“ wirbt. „Wir sind gegen Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus, aber auch gegen die menschenrechtswidrigen, antidemokratischen und patriarchalischen Grundinhalte und Praktiken des Islam“, ruft sie in ihr Mikrofon. Hinter Ahadi halten Aktivisten der Kritischen Islamkonferenz (KIK) Pappschilder in die Höhe. „Aufklären statt verschleiern“, „Frauenrechte sind Menschenrechte“ und „Gegen Faschismus heißt auch gegen islamische Herrschaftskultur“ steht auf ihnen. Der prominenteste Schildträger ist fraglos Udo Ulfkotte. Der frühere FAZ-Redakteur wollte eigentlich eine Massenpartei gegen den Untergang des Abendlandes ins Werk setzen und knüpfte zu diesem Behufe auch viele Kontakte zu europäischen Rechtsparteien, bis er sich vor ziemlich genau einem Jahr von Gruppen wie Pro Köln und dem Vlaams Belang distanzierte. Nun ist er also bei der KIK gelandet.

Eine Gruppe junger Mädchen in Antifa-Outfits bleibt kurz stehen und verfolgt Mina Ahadis Rede mit finsteren Mienen. Als Ahadi sagt: „Wir sind auch gegen den Bau von Moscheen, denn das sind keine Gebetshäuser, sondern Schulungszentren der Islamisten“, wird sie von den Mädchen ausgebuht und als „Rassistin“ beschimpft. „Ich komme aus dem Iran und bin vor dem Islam geflohen“, entgegnet sie den Aktivistinnen, doch die werden nur noch aggressiver. „Halt’s Maul“, brüllt eine von ihnen und präsentiert ein selbst gemaltes Schild, auf dem „Moschee olé!“ steht. Dann bewegt sich die Gruppe unter „Nazis raus“-Rufen Richtung Roncalliplatz, Mina Ahadi kann ihre Ausführungen fortsetzen.[…]

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Nada war auch live vor Ort und berichtet von einigen Eindrücken. Zum einen einiges Interessantes über die Leute von Political Incorrect, welche in Videos auf ihrer Seite stramm hinter „Wir sind das Volk“ gröhlendem Mob zu bewundern sind, zum anderen einiges über das „Konzept Antifa“:

[…]1. Akt: „RAF! PKK! Autonome Antifa!“
Nachdem sich eine kleinere Schar Antifas bereits am Vormittag des 19. Septembers diverse Scharmützel mit der Polizei geliefert hatte und dafür sorgte, dass eine handvoll Pro Kölner zwangsweise fünf Stunden auf einem luftigem Schiff auf dem Rhein schwanken mussten6, versammelte sich Abends die Crème des deutschen Antifaschismus zur Vorabenddemo des bewegungsfreudigen ums Ganze!-Bündnisses vor dem Kölner Dom. Unter dem tiefgründigen Motto „Fight the game! Rassismus, Islamismus, Nationalismus und Kapitalismus bekämpfen!“7 zog der ca. 2000 Köpfe zählende schwarze Block, mit einiger Verzögerung und mit einigen, durch Vorkontrollen verursachte, Verlusten, in die Kölner Innenstadt. Dabei fiel recht schnell auf, dass der Terminus antifaschistische Vorabenddemo bei den Beteiligten wohl mehr zog als das überlange und leicht schwammige Demomotto. Bis auf das, hinter massiven Polizeikräften verborgene, Fronttransparent war es auch nicht gerade ersichtlich um was es eigentlich gehen sollte. Da verwunderte es auch nicht, dass man innerhalb der Demonstration so ziemlich alle Parolen hören konnte, welche die verschiedenen Anitfagruppen so zu bieten haben; sei es die antinationale oder internationale Solidarität, das mantrahafte Beschwören eines es muss ums Ganze gehen oder der Hilferuf nach Bomber Harris.
Man hatte es also schon einmal erfolgreich geschafft die antifaschistische Bewegung zu einnen, ohne sich dabei die Nasen wegen so lächerlicher Nebenwidersprüche wie Israelsolidarität und antiimperialistischen Widerstand einzuschlagen; es schien fast so als wäre man wieder eine große Familie, als hätte man sich die vergangenen Jahre wieder verziehen und sei bei einem neuen linken Pluralismus angelangt, indem alle willkommen sind solange sie nur anständig Ketten bilden können.
Nachdem der Familienspaziergang dann irgendwann an sein Ende kam bzw. die Exekutive mal langsam ins Bett wollte, kam es noch zu den unausweichlichen Actioneinlagen, aber deswegen war man, und die Medienvertreter, ja schließlich da und die Kölner Altstadt sieht im Bengaloschein doch gleich viel schöner aus.[…]

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Sportlicher Antisemitismus

Zu der Entwicklung der Diksussion um den Göttinger Sportwissenschaftler Arnd Krüger, welchem ein „antisemitisches Menschenbild“ zuegschrieben wird, erschienen in den letzten zwei Ausgaben der JungleWorld zwei sehr interessante Artikel.
Zum einen von Ze’Ev Avrahmi und Martin Krauss in „Der Fall Krüger, eine Abwicklung“:

Die kruden Thesen eines Göttinger Sporthistorikers zum Olympiamassaker 1972 seien von der Wissenschaftsfreiheit gedeckt, befand die Universität Göttingen. Aber jetzt zeigt sich: Er hatte alle Belege frei erfunden.

Noch vor wenigen Wochen war die Empörung über den »Fall Krüger« ein bisschen größer, als man sie für gewöhnlich kennt: Der Göttinger Sportwissenschaftler Arnd Krüger hatte im Juni behauptet, die elf israelischen Sportler, die beim Münchner Olympiamassaker 1972 ermordet wurden, seien freiwillig in den Tod gegangen.

Daraufhin erklärte Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), aus Krügers Thesen spreche ein »antisemitisches Menschenbild«, Dieter Graumann vom Zentralrat der Juden in Deutschland sagte, Krügers Thesen grenzten an Volksverhetzung. Und auch das Präsidium der Georg-August-Universität, an der Krüger lehrt, verurteilte dessen Vortrag, weil »durch diese Äußerungen antisemitischen Positionen Vorschub geleistet wird«. Wenige Wochen später kam eine Ombudskommission dieser Universität jedoch zu dem Schluss, Krüger sei kein wissenschaftliches Fehlverhalten nachzuweisen. Es war eine Art Freispruch.[…]

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Und in der Ausgabe vom 18.September Martin Krauss unter dem Titel „Sportlich abgewatscht“:

Während die Universität Göttingen bei Professor Arnd Krüger kein Fehlverhalten ­entdecken konnte, wurde er vom Sportwissenschaftler-Verband scharf gerügt. Im Gegensatz zu Henning Eichberg.

Eine öffentliche Rüge kassiert kein deutscher Professor gerne, handelt es sich doch um eine laute, von keinem Kollegen und keinem Studenten zu überhörende Ohrfeige. Eine solche fing sich vorige Woche Arnd Krüger ein, der Direktor des sportwissenschaft­lichen Instituts der Universität Göttingen. Die Rüge erging von der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (DVS), die über einen Aus­schluss Krügers beraten hatte. Krüger war im Sommer dieses Jahres aufgefallen, als er in einem Vortrag behauptete, die 1972 von der palästinensischen Terrorgruppe »Schwarzer September« ermordeten elf israelischen Sportler seien freiwillig in den Tod gegangen.[…]

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Auch in der Süddeutschen Zeitung kommt man zu einem anderen Urteil als das der Uni Göttingen und zeigt sich verwundert über deren Rückendeckung für den Sprotwissenschaftler:

[…]Unbeeindruckt zeigt sich die Uni Göttingen: Schon vor Wochen teilte sie mit, eine Ombudskommission habe entschieden, das Vorprüfungsverfahren einzustellen, „weil sich der Verdacht auf wissenschaftliches Fehlverhalten als haltlos erwiesen hat“. Wie die Universität zu diesem Urteil gelangt, würde man nach der dvs-Analyse gerne erfahren. Doch interessanterweise ist der Bericht der Ombudskommission nur in Auszügen im Internet einsehbar, die vollständige Fassung wird bislang unter Verschluss gehalten.

Auch ein Brief des israelischen Botschafters Yoram Ben-Zeev an den Uni-Präsidenten vom 6. August blieb bisher unbeantwortet. Göttingen müsse selbst entscheiden, so Ben-Zeev, „ob Form und Inhalt des Vortrags von Krüger ihren wissenschaftlichen Standards und intellektuellen Ansprüchen genügen“. Krüger habe nicht nur „die Gefühle der Angehörigen der Opfer von 1972 verletzt, sondern auch die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis“.

Der Deutschland Funk berichtete ebenfalls zum Ende der Verfahren gegen Krüger sowie die Reaktionen auf diese:
[auido:http://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2008/09/10/dlf_20080910_0524_ce5809f2.mp3]