Archiv für Oktober 2008

„Das kann man nicht erzählen“

Das Freie Sender Kombinat führte mit Jens Hoffmann, dem Autoren von „Das kann man nicht erzählen – „Aktion 1005“ – Wie die Nazis die Spuren ihrer Massenmorde in Osteuropa beseitigten“, ein Interview zu dem jetzt im konkret-Verlag erschienen Buch.

„Das kann man nicht erzählen“ ‚Aktion 1005′ – Wie die Nazis die Spuren ihrer Massenmorde in Osteuropa beseitigten.
Jens Hoffmann.
Anfang 1942, nachdem die Rote Armee den Vormarsch der Wehrmacht auf Moskau gestoppt hatte, begann die nationalsozialistische Staatsführung Vorsorge zu treffen für den Fall ihrer Niederlage.
Unter der Bezeichnung »Aktion 1005« ließ sie ab Frühjahr 1943 zahlreiche Kommandos aufstellen, die die Spuren deutscher Verbrechen in Osteuropa nach einem immer gleichen Muster beseitigten: Mehrheitlich jüdische Häftlinge wurden gezwungen, Massengräber zu öffnen, die Leichen aus den Gräbern zu holen und auf Scheiterhaufen zu verbrennen, bevor schließlich auch sie selbst ermordet wurden.
Gestützt vor allem auf Aussagen und Berichte der wenigen überlebenden Arbeitshäftlinge sowie auf Protokolle staatsanwaltschaftlicher Vernehmungen ehemaliger Kommandoangehöriger unternimmt dieses Buch erstmals den Versuch, die von Deutschen und ihren Helfern während des Zweiten Weltkriegs begangenen Massenverbrechen und die Verwischung der Spuren dieser Verbrechen im Zusammenhang darzustellen.

Dauer: 27:49 min

Download unter http://www.freie-radios.net/

Who the fuck ist Hamburg?!

Hamburg all over again

Am 3.Oktober fand auch dieses Jahr wieder das erbärmliche staatliche Trauerspiel zu den Einheitsfeierlichkeiten statt und so hatte das veranstaltetende Bundesland die Hansestadt Hamburg in die Hafencity geladen. Dies Event der Langeweile war defintiv kein Grund sich in die Hansestadt zu bewegen, es sei denn man ist an langweiliger Folklore der einzelnen Bundesländer interessiert, welche jeweils die Vorzüge ihres Landstrichs zu promoten versuchten.
Ein besserer Grund nach Hamburg zu fahren war jedoch, neben der obligatorischen Feierei in der Nacht, sich das Gegenprogramm der Linken anzuschauen.
Das Bündniss „Gegen deutsche Einheit“ hatte im Vorlauf eine Veranstaltungsreihe zur Thematik organisiert und bot neben Feierei am Freitagabend auch eine Unterhaltung versprechende Diskussionsveranstaltung. Doch dazu später mehr.

Zu erst waren die linken Rituale dran und man konnte die Demonstration „Hart Backbord! – Für etwas Besseres als die Nation!“, welche von Hamburger autonomen Antifa-Gruppen organisiert wurde, anschauen gehen. Diese bot jedoch nicht wirklich viel, wenn man von brennenden Deutschland-Fahnen und nahezu völlig bezugslose und langweilige Redebeiträge absehen will.

Das man sich auch wirklich in Hamburg befand wurde an diesem Tag jedoch mal wieder auf’s Neue eindrucksvoll demonstriert.

Auf der Demonstration „Hart Backbord! – Für etwas Besseres als die Nation!“, organisiert vom Bündnis „Hart Backbord!, Hamburger autonome und antifaschistische Gruppen“, kam es am 3. Oktober zu einem Angriff auf israelsolidarische Antifaschist_innen.
Nicht einmal 5 Minuten, nachdem sich die kleine Gruppe, welche Israel-Fahnen mitführte, hinter dem Lautsprecherwagen in die Demo begeben hatte, näherten sich ihr zwei Personen aus dem Umfeld des „antiimperialistischen Stadtteilzentrum“ B5. Nachdem ihrem Verlangen nach Einpacken der Fahnen nicht nachgekommen worden war, griffen sie einen der Fahnentragenden an und versuchten unter Anwendung körperlich Gewalt die Flagge an sich zu bringen.
Bis auf eine Handvoll von Genoss_innen, welche sich zu der Gruppe stellten, war die Stimmung der Umstehenden klar gegen die Träger der Fahnen und ihre Begleitung gerichtet. Man hielt zwar die Schläger zurück, forderte jedoch immer wieder die israelsolidarischen Antifas zum Verlassen der Demo oder dem Ablegen der beiden Fahnen auf.

Es folgte die Ansage über den Lautsprecherwagen, dass es „Probleme mit Nationalfahnen gebe“ und die Aufforderung „Klärt das mal!“ – ob durch Entfernen der Fahnen oder der Angreifer wurde offengelassen…
In einem persönlichen Gespräch mit dem Anmelder solidarisierte dieser sich zwar mit den Angegriffenen. Die Vorfälle wurden jedoch weder über den Lautsprecherwagen weiter thematisiert, noch wurden – was eigentlich selbstverständlich sein sollte – die Angreifer bzw. ihre Unterstützer_innen, aufgefordert, die Demo zu verlassen oder zumindest ihre weiteren Provokationen und Rufe „Viva Palästina“ und „Intifada“ zu unterlassen. Vielmehr beschimpften diese auch im weiteren Verlauf der Demonstration weiterhin die Träger der Fahnen des israelischen Staates als Rassisten, Zionisten und „Scheiß-Antideutsche“.

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Doch man konnte doch wieder nicht „so viel fressen wie man kotzen möchte“…
Am Abend folgte die Diskussionsveranstaltung “Deutschland? – Nie wieder!” im Übel&Gefährlich, zu welcher die Phase2 und dem Bündnisses „Gegen deutsche Einheit“ geladen hatten.
Herman L. Gremliza spielte den Zeitzeugen einer Bewegung welche sich schon seit längerem im Untergang befindet.
Sinistra und Gruppe 8.Mai waren, wie sie selber eingestanden, „nicht ganz so gut vorbereitet“ und hatten inhaltlich nichts Neues zu sagen. Jedoch scheint das Wiederholen von Basisbanalitäten antideutscher Kritik in Hamburg wie sich Nachmittags und auf dem Podium zeigte ja doch mehr als nötig und somit der einzige Lichtblick der Veranstaltung.
Die TOP-Berlin hingegen hatte herausgefunden, dass es nichts spezifisch Deutsches mehr gebe. Was auch immer dort als „deutsche Ideologie“ verhandelt wurde, sicherlich nicht Marx Begriff von deutscher Ideologie, sei euorpäisiert, somit nicht mehr spezifisch und es müsse das Allgemeine, das kapitalistische System angegriffen werden, denn es gehe ja (oh Wunder) „ums Ganze“.
Zu Ende folgte dann noch der Anschluss an den Hamburger Kurs durch die TOP. Man bekannte sich kurz zu „Solidarität mit Israel“ um dann jedoch einzuschränken, dass einen „Israel gar nicht interessiere“. Man sei zwar auch dafür das Antisemiten aus der Demo müssten (wow ganz toll…), dann war jedoch die Denunzation der Träger_innen von Israel-Fahnen als Identitätsgeile dran. Diese „Erkenntnis“ scheint für die TOP so wichtig gewesen zu sein, dass man dies noch schön ausführte und sich auch bloß nicht dazu herabließ sich mit den Betroffenen des Angriffs zu solidarisieren. Man wusste anscheind wo man sich befand, denn für dieses Geschwurbel erhielt man dann auch den größten Applaus des Abends.
Gremlizas treffende Antwort dazu und der Verweiß auf die Notwendigkeit der deutschen Nation durch eine deutsche Linken bildeten dann immerhin den Abschluss der Veranstaltung. Jedoch offenbarte der Applaus-Meßgrad, dass Gremlizas Statement in Hamburg nicht wirklich willkommen war.

Jedenfalls muss klar sein, dass jeder, egal aus welchem Motiv das getragen wird, dass jeder der sich dann an dieser Fahne vergeht eine auf’s Maul kriegen muss. So einfach ist das.
Herman L. Gremliza

Was den Hamburger Linken zu den Vorfällen im Kopf umherschwirrt stellten sie einem jedoch inzwischen ganz bereitwillig zur Verfügung. „Einige aus den Gruppen der Demovorbereitung, einige aus den Gruppen der Plan B -Vorbereitung“ veröffentlichten eine Nachbereitung zur Demonstration. Sieht man von den nicht vorhandenen Analysen zu Demokonzept etc ab bleibt eigentlich nicht viel. Was bleibt ist eine Einsicht wie es so in Hamburg denkt.
Man finde es nicht „tolerierbar, dass Israelfahnen und ihre Träger_innen angegriffen werden“. Darauf folgt nichts, außer das Abfeiern der „vielen Ketten und das geschlossene Auftreten auf der Demo“. Man könnte dazu ja politische Stellungnahmen und Konsequenzen erwarten, aber nicht in Hamburg.
Man mag dazu sagen, es sei doch ein Fortschritt, dass in Hamburg nicht alle Antifas mit antizionistischen und antisemitischen Reflexen reagieren. Dies kann man auch gerne so festhalten, jedoch müssten diese Bekenntnisse zur Intoleranz gegenüber Antizionismus und Antisemitismus, wenn es denn welche seien sollen und nicht nur eine Ablehnung von inner Linker Gewalt, auch Folgen haben. Jedoch hat man sich um eben jene Konsequenzen seit spätestens 2004 und dem kollektiven Angriff linker Hamburger Strukturen auf israelsolidarische Antifas geschickt um diese herum bewegt.
Und das sich dann doch nicht viel verändert hat offenbart die Einschränkung zur eigenen Intoleranz, denn es seien „die Meinungen in den Gruppen unterschiedlich“ was den Angriff auf israelsolidarische Antifas und Israel-Fahnen anginge. Das man hier auch noch mit Antizionisten und Freunden des militanten Angriffs auf Israel-Fahnen und israelsolidarischen Antifas rumkuschelt, zeigt auf’s x-mal den Sumpf der Hamburger Linken wo politisches Handeln durch persönliche Freundschaften und nicht über Analysen und theoretische Erkenntnis bestimmt wird.
Bezeichnend ist auch, dass von keiner der, die Demonstration organisierenden, Gruppen bis heute ein Statement zu den Vorfällen zu finden ist, geschweige denn eine Verurteilung der Angriffe sowie eine Soldiarisierung mit den Betroffenen.

Hamburg bleibt halt Hamburg…

Nachtrag: Spiele nicht mit den Antisemiten-Kindern

Achja eine kleine Randnotiz sei dann noch erlaubt. Denn beim Stöbern auf der Unterhaltungs-Linken-Seite indymedia in einem Artikel der Antiimperialisten-Antisemiten der AAMD und GIS aus Magdeburg, war ich doch etwas verwundert. Denn dort durfte man bewundern, dass die Antifaschistische Gruppe Braunschweig, organisiert im UmsGanze-Bündnis, sich auf dieser Demo herumtrieb…

Es ist an dieser Stelle völlig irrelvant welches Thema die Demonstration hatte, denn die Zusammenarbeit mit (militanten) Antisemiten verbietet sich von selbst.

Artikel zu den Magdeburger Antisemiten:
Januar 2007: Übergriffe auf TeilnehmerInnen einer Shoah-Gedenk-Kundgebung in Magdeburg
Juni 2007: Angriffe auf zwei Infoveranstaltungen gegen antisemitismus in Magdeburg
Antifa Infoportal // 04.07.2007 „Im Gleichschritt Links – ein Veranstaltungsbericht“
Antifa Infoportal // 19.07.2007 „… Täter sind keine Opfer“
Antifa Infoportal // 29.01.2007 „… das Auschwitz nicht sich wiederhole“ Bericht“
Antifa Infoportal // 18.06.2007 „Angriff auf Infoveranstaltung“
„Der antisemitische Wahnsinn hat Methode – Stellungnahme zum Angriff von Antiimperialisten auf eine Veranstaltung in Magdeburg mit Referenten des Bündnis gegen Antisemitismus Leipzig“